Zum Panorama von Reichersbeuern in Blickrichtung Kirchberg wird künftig auch ein Funkmast gehören. ARP/A
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Zum Panorama von Reichersbeuern in Blickrichtung Kirchberg wird künftig auch ein Funkmast gehören.

Knappe Entscheidung in Bürgerentscheid – Dann Klage wegen 30 Zentimetern

Baubeginn für umstrittenen Funkmast in Reichersbeuern

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Es ist ein umstrittenes Bauvorhaben in der Gemeinde Reichersbeuern. Am 31. Mai beginnen die Arbeiten am Mobilfunkmasten auf dem Kirchberg.

Reichersbeuern - Es ist ein Baubeginn mit Vorgeschichte: Am Kirchberg in Reichersbeuern sollen an diesem Montag, 31. Mai, die Arbeiten zur Errichtung eines Mobilfunkmasten anfangen. Das gab Bürgermeister Ernst Dieckmann in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt. Zum Standort auf einem gemeindlichen Grundstück, das an die Deutsche Funkturm GmbH vermietet wird, hatte es vor zwei Jahren große Diskussionen und ein überaus knappes Ergebnis in einem Bürgerentscheid gegeben. Wohl auch vor diesem Hintergrund ist die Gemeinde nun besonders darauf bedacht, dass ihre Vorgaben zu dem Mast eingehalten werden – sogar mit juristischen Mitteln.

Gegner des Projekts sehen Ortsansicht durch den Mast beeinträchtigt

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass die Reichersbeurer in einem Bürgerentscheid darüber abstimmten, ob die Gemeinde das Grundstück am Kirchberg tatsächlich für den Funkmast zur Verfügung stellen sollte. Das Ergebnis fiel am Ende hauchdünn aus, nur eine Handvoll Stimmen gab den Ausschlag pro Funkmast am Kirchberg. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens dagegen hatten argumentiert, der 15-Meter-Mast an dieser Stelle beeinträchtige die Ortsansicht. Zudem machte ihnen die Strahlenbelastung Sorgen, zum Beispiel für den Kindergarten. Daher sahen sie einen Standort am Walmbichl als geeigneter an.

Bürgermeister Dieckmann hingegen steht nach wie vor zu der Standortwahl des damaligen Gemeinderats, den letztlich eine knappe Mehrheit der Bürger absegnete. Die Corona-Krise habe noch einmal aufgezeigt, dass die Bedeutung einer schnellen Mobilfunkversorgung zunimmt. „Mit dem jetzigen Standort ist das Gemeindegebiet für die nächsten Jahre gut versorgt, und trotzdem steht der Mast nicht mitten im Dorf, sondern so weit weg wie möglich von der dichten Bebauung“, sagt er.

Bauwerk darf maximal 15 Meter hoch sein

Hätte die Gemeinde diesen Platz nicht zur Verfügung gestellt, wäre nach Darstellung des Rathauschefs die Konsequenz gewesen, dass die Telekom sich frei bei privaten Grundeigentümern nach einem anderen Standort hätte umschauen können, etwa auf Hausdächern. Der Bau von Masten bis 15 Metern Höhe sei mittlerweile genehmigungsfrei möglich, die Gemeinde hätte keinen Einfluss nehmen können.

Auf die Mitsprache beharrte die Gemeinde umso mehr, als es um die geplante Höhe des Masten ging. So legte die Gemeinde laut Dieckmann im Mietvertrag fest, dass das Bauwerk in Stahlrohrbauweise maximal 15 Meter hoch sein dürfte. Der vor einem Jahr eingereichte Eingabeplan der Deutsche Funkturm GmbH besagte, dass das Bauwerk inklusive eines geplanten Anbaus von Blitzableitern 30 Zentimeter höher geworden wäre. Der Gemeinderat verlangte seinerzeit eine Änderung des Plans, befürwortete ihn dann in angepasster Form – und war letztlich überrascht, dass das Landratsamt ihn in der ursprünglichen Fassung genehmigte. Gegen diese Baugenehmigung reichte die Gemeinde dann sogar Klage ein. Die habe sich aber erledigt, nachdem die Deutsche Funkturm GmbH zusicherte, sich auf 15 Meter zu beschränken, erklärte Dieckmann. „Wir werden genau nachmessen“, versprach er im Gemeinderat.

Steht der Mast, will die Gemeinde die Strahlenbelastung prüfen

Der Mietvertrag legt laut dem Bürgermeister außerdem fest: „Wenn andere Mobilfunkanbieter den Mast nutzen wollen, muss die Gemeinde vorher gefragt werden.“ Angedacht, aber noch nicht beschlossen ist Dieckmann zufolge, dass die Gemeinde selbst den Mast für die Funk-Alarmierung der Feuerwehr mitnutzt.

Ist der Mast aufgestellt und in Betrieb, wird laut Dieckmann auch mit Messungen überprüft, ob die Prognose-Berechnung der Strahlenbelastung zutraf und keine Grenzwerte überschritten werden.

Die Initiatoren des damaligen Bürgerbegehrens waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Im Gemeinderat habe das Thema seit dem Bürgerentscheid für keine Diskussionen gesorgt. Auch die Ankündigung des Baubeginns wurde in dem Gremium ohne weitere Wortmeldungen zur Kenntnis genommen. ast/ps

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