Mutmaßliche Betrügerin in Reichersbeuern verhaftet

Luxusauto für 300.000 Euro ergaunert

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Reichersbeuern – Die mutmaßliche Betrügerin, die  in Reichersbeuern verhaftet wurde, hat offenbar noch mehr auf dem Kerbholz. Sie soll sich etwa einen Sportwagen für 300.000 Euro ergaunert haben.

Nach Erkenntnissen der Polizei war sie auch auf Sylt aktiv. Auf der Nordsee-Insel soll sie sich als Schriftstellerin ausgegeben und einen Computerhändler sowie drei Vermieter um insgesamt 40 000 Euro geprellt haben. In Österreich wurde sie schon 2015 zu einer Haftstrafe verurteilt.

Wie berichtet, hatte sich die Österreicherin mitsamt Ehemann und drei Kindern unter falschem Namen in einer Ferienwohnung in Reichersbeuern einquartiert. Die Mietschulden von 10 000 Euro gedachte sie offenbar ebenso wenig zu bezahlen wie die Telekommunikationsgeräte im Wert von weiteren 10 000 Euro, die sie in einem Tölzer Geschäft bestellt hatte und die in der Ferienwohnung sichergestellt wurden.

Ein Abgleich von Polizeidaten brachte nun ans Licht, dass die 46-Jährige auch auf Sylt bekannt war. Dort soll sie sich mit der Familie unter verschiedenen Namen in Luxusappartements eingemietet haben. Die Rechnungen von zusammengerechnet 27 000 Euro blieben offen. Die Tölzer Polizei stellte den Sylter Kollegen ein Foto der Frau zur Verfügung. Die dortigen Beamten legten es den Geschädigten vor – und die erkannten sie wieder.

Der Inhaber eines Computer-Fachgeschäfts auf Sylt hat nun den Artikel über die Verhaftung auf der Internetseite des Tölzer Kurier gelesen und sich in der Redaktion gemeldet. Er schildert, wie die Österreicherin Mitte Oktober in sein Geschäft gekommen sei. „Sie hat sich als Autorin vorgestellt, sagte, sie arbeite an einem Buch, das ab März auch verfilmt werde.“ Die Frau habe Deutsch und Englisch gesprochen und behauptet, ihr technisches Equipment sei auf dem Flug kaputt gegangen. Bei dem Fachhändler orderte sie unter anderem ein iPad, einen großen Laserdrucker und zwei iPhones. Sie erklärte, ihr Verlag werde die Rechnung von 13 000 Euro übernehmen – was nicht passierte, wie die Polizei bestätigt. Wo sich dies Waren befinden, ist nicht bekannt. In der Reichersbeurer Wohnung wurden sie nicht gefunden.

Die Tölzer Polizei hält es für möglich, dass noch mehr Betrugsfälle bekannt werden, die sich der 46-Jährigen zuordnen lassen. Die Frau befindet sich derzeit im Gefängnis. Sie soll so schnell wie möglich nach Österreich ausgeliefert werden, wo ein Haftbefehl gegen sie vorliegt.

Zuvor war die Frau noch nicht lange auf freiem Fuß gewesen. Erst im Sommer 2015 war sie in Salzburg zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden – davon ein Jahr ohne Bewährung. Wie die Salzburger Nachrichten seinerzeit vom Prozess berichteten, hatte die Frau immer wieder eingekauft, ohne zu bezahlen: Gartenmöbel, Textilien, Fahrräder, teure Gemälde, später auch Grundstücke und Immobilien. Mehrfach bestellten sie und ihr Mann, der ebenfalls verurteilt wurde, demnach Luxusautos – und nutzten bis zur Auslieferung zur Verfügung gestellte Mietwagen. 2014 soll das Paar für den erwachsenen Sohn der Frau einen Luxussportwagen für 301 190 Euro geordert haben. Der Wagen wurde irrtümlich ausgeliefert, ohne dass er bezahlt worden wäre. Erst als der Sohn den Mercedes zwei Monate später wegen eines kleinen Defekts zur Reparatur brachte, konnte der Wagen wieder eingezogen werden.

Aus dem Prozess berichteten die Salzburger Nachrichten ferner, dass die Frau gegenüber ihrem jetzigen Ehemann, den sie 2011 kennenlernte, behauptete, mit dem Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz bekannt zu sein. In ihrer Wohnung fand die Polizei eine Schenkungsurkunde über 250 Millionen Euro. Doch der dort angegebene Notar kannte den Schenkungsvertrag nicht. Und Mateschitz versicherte der Polizei, nie mit der Frau zu tun gehabt zu haben.

Rubriklistenbild: © dpa

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