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Die schöne Silhouette von Reichersbeuern sehen die Initiatoren des Bürgerbegehrens gefährdet, sollte mitten im Ort auf dem Hügel hinter der Kirche ein Mobilfunkmast aufgestellt werden.

Abstimmung am 26. Mai

Bürgerentscheid zu Mobilfunkmast in Reichersbeuern: Gegner informieren gemeinsam

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Die Argumente sind gegensätzlich, das Vorgehen hingegen gemeinschaftlich. Vor dem Bürgerentscheid am 26. Mai zeichnen sich beide Seiten durch einen ungewöhnlich sachlichen Umgang miteinander aus.

Reichersbeuern – Die Argumente sind gegensätzlich, das Vorgehen hingegen gemeinschaftlich: Die Initiatoren des Reichersbeurer Bürgerbegehrens und die Gemeinde werden ihre jeweiligen Positionen in einer gemeinsamen Broschüre darlegen, die am Sonntag, 12. Mai, verteilt wird.

Das erklärt Bürgermeister Ernst Dieckmann, nachdem er sich am Dienstagabend mit den Initiatoren getroffen hat. Wie berichtet wird es bei der Abstimmung um die Frage gehen, ob die Gemeinde der Telekom ermöglichen soll, auf dem Kirchberg einen Mobilfunkmast zu errichten oder nicht.

Insgesamt zeichnen sich beide Seiten vor dem Bürgerentscheid am Sonntag, 26. Mai, durch einen sachlichen Umgang miteinander aus. „Wenn wir verlieren, werde ich der erste sein, der dem Bürgermeister die Hand schüttelt“, erklärt Hans Maria Heyn von der Bürgerinitiative. Und Bürgermeister Dieckmann meint: Dass in dieser frage nun der Bürger das letzte Wort habe, sei „der richtige Weg“. Dieckmann fordert alle Reichersbeurer auf, sich zu beteiligen.

Hans Maria Heyn von der Bürgerinitiative.

Beiden ist es wichtig, dass die Reichersbeurer gut informiert in die Abstimmung gehen. Laut Dieckmann ist die Gemeinde, die neben dem Bürgerbegehren ein eigenes Ratsbegehren zur Abstimmung stellt, verpflichtet, auf eigene Kosten dafür zu sorgen, dass beide Seiten den gleichen Raum zur Darstellung ihrer Positionen bekommen. „Das finde ich auch richtig und gut so.“ Diese Ausgewogenheit werde in der Broschüre gewährleistet sein.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens wollen außerdem noch plakatieren. „Dafür stellen wir Platz auf unseren Tafeln in der Gemeinde zur Verfügung“, so Dieckmann. Die Gemeinde selbst werde von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen. Es sei auch keine öffentliche Infoveranstaltung mehr vorgesehen.

Bürgerinitiative findet Angst vor Mobilfunkmasten auf Privatdächern unbegründet 

Inhaltlich bleiben die Gegensätze freilich bestehen. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier übt Heyn Kritik am Ratsbegehren. Dessen Text lautet: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Reichersbeuern der Deutschen Telekom zur Vermeidung von Mobilfunkanlagen auf privaten Hausdächern eine Fläche auf dem Flurstück 1339 der Gemarkung Reichersbeuern (Kirchberg) für einen 15 Meter hohen Mobilfunkmast vermietet?“ Aus Heyns Sicht malt die Gemeinde damit ein „Schreckgespenst“ an die Wand. Doch die Angst, dass eine Ablehnung des Standorts Kirchberg gleichbedeutend mit Masten auf Privatdächern sei, sei „unbegründet“.

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Heyn argumentiert, die Gemeinde habe über die Bauleitplanung die Möglichkeit, Antennen auf Hausdächern im Ortskern zu verhindern. Hier widerspricht Dieckmann. „Es darf sich um keine reine Verhinderungsplanung handeln. Das können wir nur machen, wenn wir der Telekom gleichzeitig einen anderen sinnvollen Standort vorschlagen können.“

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Den gäbe es aus Heyns Sicht: nämlich am Walmbichl. Dort könne ein Mast nämlich gemeinsam mit den neuen Greilinger Mast auf der alten Wasserreserve die B 472 und den Ortsbereich ebenso gut abdecken wie ein Mast auf dem Kirchberg.

Bürgermeister Ernst Dieckmann.

Dieckmann verweist darauf, dass die Telekom den Standort Walmbichl bereits mehrfach schriftlich abgelehnt habe. „Es geht ja nicht darum, welchen Standort die Gemeinde geeignet findet.“

Für Heyn hingegen ist es nur logisch, dass sich die Telekom aus wirtschaftlichen Überlegungen möglichst lange gegen den Mast am Walmbichl wehre, weil dieser fünf Meter höher sein müsste. Bleibe dem Unternehmen aber keine andere Wahl, werde es einlenken.

Dieckmann zeichnet ein anderes Szenario: „Wird das Bürgerbegehren am 26. Mai angenommen, sind die Möglichkeiten der Einflussnahme der Gemeinde beendet.“ Es sei unwahrscheinlich, dass kein Hauseigentümer der Telekom sein Dach für eine Antenne vermiete. Und selbst wenn: „Wer glaubt, dass das Thema Mobilfunkmast mit dem Standort Kirchberg für alle Zeiten vom Tisch wäre, irrt sich.“ Der Gemeinderat habe „nach einer Lösung gesucht, mit der alle zufrieden sind“ und den Kirchberg-Standort als geringstes Übel befunden.

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