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Für den Film gebaut, im realen Leben von Nutzen: Das Bushäuschen, das heute am Kranzer steht, wurde ursprünglich für einen TV-Film angefertigt, der 2016 in Harmating gedreht wurde.

An der Haltestelle am Kranzer

Bushäuschen mit TV-Vergangenheit

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Vom Film in die Wirklichkeit: Ein Bushäuschen, das in Harmating als Requisite diente, erfährt eine sinnvolle Zweitverwertung an der Asylunterkunft am Kranzer.

Reichersbeuern/Harmating – Mit Filmkulissen ist es so eine Sache: Erst werden sie mit beträchtlichem Aufwand angefertigt. Im Fernsehen oder im Kino sind sie manchmal nur ein paar Minuten zu sehen. Und danach kann sie keiner mehr brauchen. Für den Sperrmüll sind sie zu schade. Doch eine sinnvolle Zweitverwertung ist nicht leicht: Man denke nur an das Wickie-Schiff, dass lange am Walchenseeufer auf dem Trockenen festsaß. Oder die einstige Büroeinrichtung des „Bullen von Tölz“, die zeitweise ein wenig dauerhaftes Museum bestückte.

Deutlich praktischer ausgerichtet ist da das zweite Leben einer Requisite aus dem TV-Film „Wenn Frauen ausziehen“, der vergangenes Jahr im Dorf Harmating (Gemeinde Egling) gedreht wurde. Ein eigens angefertigtes Bushäuschen tut seit ein paar Wochen ganz reale Dienste an der Haltestelle am Kranzer.

Die Idee zur Zweitverwertung des Bushäuschen stammt von der in Harmating lebenden Grünen-Kreisrätin Annelies Wiedenbauer-Schmidt (im Bild mit Ehemann Herbert Schmidt).

Es war die Grünen-Kreisrätin Annelies Wiedenbauer-Schmidt, die die Sphären des Fernsehens und der Flüchtlingsbetreuung zusammenbrachte. Die Heilpraktikerin, die selbst zu den rund 50 Einwohnern von Harmating zählt, hatte die Dreharbeiten im Dorf hautnah miterlebt. Wie berichtet, hatte ein TV-Team 2016 praktisch das gesamte Dorf in eine Filmkulisse verwandelt und die Bevölkerung einbezogen.

Ein Schauplatz in der Komödie ist ein Bushäuschen vor dem Wirtshaus. Wiedenbauer-Schmidt erinnert sich an eine lustige Szene: „Zwei junge Leute sitzen nebeneinander im Bushäuschen und schicken sich via Handy Nachrichten hin und her.“ Ein Schreiner aus dem Ort hatte das Häusl nach Vorgaben der Szenenbildnerin gebaut – massive Handarbeit.

Daran musste Wiedebauer-Schmidt denken, als sie über ihre Kreistags-Fraktionskollegin Barbara Schwendner davon hörte, dass die Asylbewerber am Kranzer gut einen Unterstand an der dortigen Haltestelle brauchen könnten. Weil die Campinghaus-Siedlung bekanntlich sehr abgelegen ist, sind die Flüchtlinge stark auf den Bus angewiesen.

Wiedenbauer-Schmidt erkundigte sich nach dem Verbleib des Kulissen-Bushäuschens. „Die Szenenbildnerin hat gesagt, dass es der Wirt behalten kann. Der wollte es für seinen Ziegenstall benutzen.“ Doch Wiedenbauer-Schmidt konnte alle Beteiligten von einer anderen Verwendung überzeugen.

So ging das Holzhaus als zweckgebundene Spende an die Verwaltungsgemeinschaft Reichersbeuern-Greiling-Sachsenkam, die die Unterkunft am Kranzer betreibt. Selbst wollte die Kommune dort kein Bushäuschen aufstellen. „Auch die anderen beiden Reichersbeurer Bushaltestellen an der Schule und am ,Altwirt‘ haben keine Unterstände, in Greiling und Sachsenkam auch nicht“, sagt der Reichersbeurer Bürgermeister Ernst Dieckmann. Für die Spende aber sei man dankbar. Nun müssen insbesondere die Schüler nicht mehr bei Wind und Wetter im Freien auf den Bus warten.

Der Bauhof holte das Häuschen schließlich ab. Wiedenbauer-Schmidt hatte zuvor noch begonnen, die extra auf alt und gebraucht getrimmte Kulisse ein wenig herzurichten. Sie zog Unmengen an Tacker-Klammern aus den Brettern und überpinselte einige „Graffitis“ – dabei war auch die Aufschrift „Flüchtlinge willkommen“.

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