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„d’Oberlandler“ aus Reichersbeuern

Theaterstück zum Zuhören und Nachdenken

Reichersbeuern - Die Theaterspieler des Reichersbeurer Trachtenvereins „d’Oberlandler“ überzeugen mit der gelungenen Inszenierung des Dramas „... der werfe den ersten Stein“.

Wer will denn schon den Krieg? Aber trotzdem ist er da. Es ist beängstigend, wie sich der gegenseitige Hass der verschiedenen Völker auch in den Dorfgemeinschaften, Familien und in den Seelen der einzelnen Menschen niederschlägt. Oder ist die Reihenfolge eher umgekehrt? Sollte der Frieden nicht vom Einzelnen ausgehen? Viele Fragen hinterlässt das Drama „. . . der werfe den ersten Stein“ aus der Feder von Rudolf Pikola. Die Theatergruppe des Reichersbeurer Trachtenvereins „d’Oberlandler“ unter der Regie von Klaus Steinbacher überzeugte am Donnerstagabend ihr Publikum im „Altwirt“ mit einer hervorragenden Aufführung des tiefgründigen Theaterstücks.

Zur Umsetzung der Handlung hatte das Ensemble neben der Hauptbühne noch zwei kleinere Nebenbühnen eingerichtet. Rudolf Pikola, Gelehrter, Literat und von 1960 bis zu seinem Tod 1970 Bürgermeister von Miesbach, hat seine Geschichte vom schicksalhaften Dasein und Alltag im Kriegsjahr 1944 musterhaft in den Hof des Leitnerbauern hineinversetzt. Die Leitner-Bäuerin und der Leitner-Bauer sind schwer getroffen und verbittert: Beide Söhne mussten ins Feld, einer ist in Russland gefallen, vom anderen hat man schon eine Weile kein Lebenszeichen mehr erhalten. Daheim aber muss dennoch das Leben weitergehen. Zur Unterstützung bei der Arbeit gibt es da neben der Tochter Burgl auch noch den Knecht Wastl, die Magd Leni, den Reichsarbeitsdienst-SA-Mann Jupp und zuletzt überdies den russischen Kriegsgefangenen Nikolai. Zur Hofgemeinschaft stößt außerdem die Baltikum-Vertriebene Frau Ravel – feindliche Nationalitäten und unterschiedliche Mentalitäten also, die da aufeinandertreffen. Und obwohl sie alle im Grunde eigentlich wissen, dass jeder Mensch in erster Linie ein Mensch, aber eben den Zwängen und Fängen der unmenschlichen diktatorischen Systeme und den damit verbundenen gesellschaftlichen Kontrollen unterworfen ist, passen sie ihr eigenes Denken und Handeln ebenfalls diesen Zwängen und Vorurteilen an.

Für einige Rollen in diesem Stück müssen die Darsteller auch ein gewisses sprachliches Talent mitbringen: Während Bauer Josef Harrer und Bäuerin Christine Bernöcker sowie Franziska Seiler als Tochter Burgl, Martin Bichlmair als Knecht und Magdalena Matheis als Magd ihren gewohnten bayerischen Dialekt beibehalten können, mimt Franz Frauenrieder perfekt den preußischen SA-Mann. Johanna Preuß als Baltikum-Vertriebene und Hans Merz als russischer Kriegsgefangener zeigten sich erstaunlich geübt in gebrochenem Deutsch mit russischem Einschlag.

Eine beeindruckend vermittelte Tragödie, „zum Zuhören und Nachdenken“, wie Sprecher Sepp Fichtner resümierte.

Weitere Aufführungen finden am Freitag, 13. Januar, und am Samstag, 14. Januar, jeweils ab 20 Uhr statt. Rosi Bauer

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