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Zeigten zwei Tage lang ihre „Kunst im Stoi“: (v. li.) Werner Härtl, Regina Müller, Werner Kirschenhofer, Sepp Jaud und Birgit Niedernhuber. Nicht im Bild ist Hans Müller, der Holzschalen ausstellte. 

Außergewöhnliche Ausstellung 

Da schau her: Kunst aus Kuhmist

Bilder aus Kuhmist?Das geht und ist nicht einmal eine anrüchige Geschichte. Das bewies eine Gruppe Künstler bei einer Ausstellung „Kunst im Stoi“ im Reichersbeurer „Bichemo“.

ReichersbeuernDie meisten Bergsteiger gehen achtlos an alten Baumstämmen vorüber. Die Aussteller von „Kunst im Stoi“ bringen deren Besonderheiten und Schönheiten zum Vorschein. Dabei sind Regina Müller, Sepp Jaud, Werner Härtl und Werner Kirschenhoferanders als Birgit Niedernhuberkeine ausgebildeten Künstler. Aber wer ihre Werke in Reichersbeuern sah, war begeistert.

„Kunst im Stoi“ zeigte Bilder aus Kuhmist. Werner Härtl, gelernter Illustrator aus Reichersbeuern, der sich auch an den berühmten Hausaufgabenheften „Häfft“ beteiligte, hat Dung als Malmaterial entdeckt. „Das war beim Stallauswaschen“, verriet er. Die getrockneten Bilder rochen übrigens überhaupt nicht. Und wer nur braune Aquarelle erwartete, wurde ebenfalls überrascht: Die Betrachter standen vor einem farbigen Triptychon einer Fantasiebergwelt in Blau, Weiß und Braun aus Kuhmist mit Farbpigmenten.

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Für geheimnisvolle Beleuchtung sorgten alte, ausgehöhlte Baumstämme mit schimmernden Achatplatten des Lenggriesers Werner Kirschenhofer. So eine Eibe als Zimmer- oder Wandleuchte ist auf den ersten Blick nicht immer gefällig, das knorrige, eigenwillige Material braucht Verständnis. Aber das Holz, zuoberst hell, innen rötlich-dunkelbraun, fasziniert. „Ich bearbeite nur Eibenholz“, sagte Kirschenhofer. „Es ist sehr hart und sehr schwer zu bearbeiten, aber dafür kann die Oberfläche sehr glatt poliert werden.“ Wenn das Holz dann noch geölt wird, glänzt die dunkle Farbe warm.

Kirschenhofer zeigte als neuestes Werk eine etwa 40 Zentimeter große Hand, deren lange schlanke Finger sich in die Höhe recken. Ohne Vorwissen hätte der Betrachter einen ausgebildeten Holzbildhauer als Schöpfer vermutet.

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Für sehr großformatige Werke ist der Tölzer Sepp Jaud verantwortlich. Vor dem Stall stand eine zwei Meter hohe, bearbeitete Wurzel, die unzähligen Stränge vollkommen zerzaust. Im Innern erblickten die Besucher eine etwa eineinhalb auf zwei Meter große Glasplatte, die auf einer ebenso gewaltigen Wurzel als Tischplatte ruhte. Ein raumgreifendes Kunstwerk, das alle Blick auf sich zog. „Ich seh’ mich eher als Bastler“, gab sich Jaud bescheiden. Für den Transport ist manchmal schweres Gerät nötig, über das der ehemalige Landschaftsgärtner verfügt. „Wir fragen auch immer einen Förster, ob wir das Holz wegnehmen dürfen“, ergänzte Kirschenhofer.

Darüber brauchte sich Bildhauerin Birgit Niedernhuber keine Gedanken machen, denn ihre neue, eineinhalb Meter hohe „Wedahex“ besteht nur aus kleinen Zweigen und Wurzeln, kunstvoll zu einer knorrigen Gestalt mit langen dürren Armen verwandelt.

Wasser in der Bergwelt fotografierte Regina Müller, ebenfalls „nur“ hobbymäßig. Aber nur das geübte Auge weiß einen Stein so in den seichten Wasserlauf zu legen, dass das Nass in unzähligen schmalen Bögen daran vorbei muss. Müller hat ihre Fotografien in einem neuen Bildband über Wasser, Stein und Licht festgehalten.

Von Birgit Botzenhart

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