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Bürgermeister Ernst Dieckmann stand in der Bürgerversammlung Rede und Antwort.

Diskussionen bei der Bürgerversammlung im „Altwirt“

Umstrittener Funkmast in Reichersbeuern: Jetzt muss die Gemeinde entscheiden

Lange und ausgiebig diskutierten die Reichersbeurer Bürger über den geplanten Sendemast am Kirchberg. Kommende Woche trifft sich der Gemeinderat zur Sondersitzung, um über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens zu entscheiden.

Reichersbeuern Die Telekom lehnt weitere Gespräche über den Walmbichl als Alternative für den umstrittenen Funkmast am Kirchberg ab. Und eine Zwischenlösung am Kranzer käme allenfalls für die B 13 in Frage, so Bürgermeister Ernst Dieckmann in der Bürgerversammlung. Für den Ort sei dieser jedoch nicht geeignet. Wenn der Kirchberg abgelehnt werde, will sich die Telekom selbst auf die Suche nach einem Standort im Dorf machen. Gegen den Kirchberg hatten die Initiatoren eines Bürgerbegehrens wie berichtet 500 Unterschriften gesammelt.

„So ist die Haltung der Telekom“, sagte Dieckmann. Er hatte das Unternehmen nach der Gemeinderatssitzung in der vorvergangenen Woche angeschrieben. Dieckmann beantwortete damit die Frage von Jutta Burzler in der mit 70 Personen gut besuchten Bürgerversammlung im „Altwirt“. Erwartungsgemäß bestimmte das Thema Mobilfunkmast die Diskussion.

Die Frage, ob sich jemand finden werde, der einen Dachstandort im Dorf gestattet, konnte Dieckmann „natürlich nicht beantworten“. Eines müsse aber bedacht werden: Die Telekom betrachte einen Dachstandort nur auf dem Anwesen Kirchberg 1 als gut geeignet. Im Dorf seien vermutlich mehrere Dachstandorte geeignet. Die Gemeinde habe stets versucht, eine gute Entscheidung zu finden. Jetzt haben es die Bürger in der Hand, eine Entscheidung zu treffen, vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt dem Bürgerbegehren am Dienstag zu.

Durch die Ausweisung von Schutzzonen lassen sich Mobilfunkstandorte nicht verhindern, sagte Dieckmann auf eine weitere Frage Burzlers. Wenn ein bestimmter Standort verhindert werden soll, müsse ein anderer geeigneter Platz zugelassen werden. Dies würde darauf hinauslaufen, dass dann eine entsprechende Stelle am Warngauer Weg oder wieder am Kirchberg angeboten werden müsste.

Ein 60-Meter-Mast im Bereich der B 472, der die Kapazitätsversorgung sicherstellen würde, werde von der Telekom aber schon aus finanziellen Gründen abgelehnt, sagte Dieckmann. Die Gemeinde könne allein aus rechtlichen Gründen den Bau eines Sendemasts nicht finanzieren, so der Bürgermeister auf eine weitere Frage. Die Entscheidung über das Für und Wider des Mobilfunks könne nicht vom Reichersbeurer Gemeinderat getroffen werden. Er könne nur entscheiden, dass der Telekom einen Standort zur Verfügung zu stellen sei oder darauf hoffen, dass kein Dachstandort kommt. „Es tut mir leid, ich kann Ihnen keinen dritten Weg anbieten.“ Die Problematik lasse sich aufgrund der Topographie des Ortes auch nicht durch zwei Standorte lösen. Der Gutachter habe ausgeführt, dass ein Alternativstandort, sollte es ihn geben, in jedem Fall deutlich näher am Ort wäre als der Walmbichl, den die Gemeinde angeboten hatte.

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Auf die Frage auf vergleichbaren Bauwerke in anderen Gemeinden wies Dieckmann auf Greiling und Sachsenkam hin. In Sachsenkam wurde ein 34 Meter hoher Mast am Wertstoffhof an der B 13 gebaut, und in Greiling werde in Kürze mit dem Bau eines 25-Meter-Masts am Steinweg im Bereich der früheren Wasserreserve begonnen. In Reichersbeuern würde ein 15 Meter hoher Mast am Kirchberg ausreichen, um den Ort zu versorgen. Was jetzt gebaut werden soll, sei nicht auf die 5 G-Technik ausgelegt, sondern auf den derzeitigen Standard 4 G.

Am Dienstag hat der Gemeinderat laut Dieckmann mehrere Entscheidungen zu treffen. Das sei zum einen die rechtliche Zulässigkeit für ein Bürgerbegehren. Wenn sich der Rat dafür entscheide, ein Ratsbegehren dagegenzusetzen, müssen die Bürger über zwei Fragen und eine Stichfrage entscheiden. Diese könnte sinngemäß lauten: Kirchberg Ja oder Nein. Als möglicher Termin sei der 26. Mai zusammen mit der Europawahl vorgesehen.

Altbürgermeister Hans Harrer setzte schließlich einen Schlusspunkt unter die lange Debatte. „Bürgermeister Dieckmann hat uns gut erklärt, was die Gemeinde tun kann. Wir alle können nicht das Rad der Zeit zurückdrehen. Hier sind einige dabei, die nach dem Floriansprinzip handeln“, sagte Harrer unter viel Beifall. (Günter Platschek)

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