Von oben betrachtet: Das ist eines der Fotos aus der preisgekrönten Serie von Peter Schatz.
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Von oben betrachtet: Das ist eines der Fotos aus der preisgekrönten Serie von Peter Schatz.

Auszeichnung

Fotoserie über Reichersbeurer Maler Werner Härtl bei Wettbewerb des Journalistenverbands ausgezeichnet

Aus Spaß an der Freud’ und an der Nachhaltigkeit arbeitet der Reichersbeurer Maler Werner Härtl gern mit natürlichen Materialien. Und dazu gehört halt eben auch Kuhmist.

Reichersbeuern – Wenn manche Zeitgenossen darüber deutlich hörbar die Nase rümpfen und sich in abfälligen Kommentaren ergießen, lässt sich der Künstler davon nicht irritieren. Er ist ein Freigeist, liebt und wertschätzt die Natur und alles, was sie mit sich bringt. Auf Härtls äußerst ungewöhnlichen Farb-Grundstoff und die damit entstehenden wunderschönen Bilder aufmerksam geworden ist auch Fotograf Peter Schatz. Er begleitete Härtl einen Tag lang mit seiner Kamera und beteiligte sich mit einer Auswahl der entstandenen Aufnahmen beim jährlichen Pressefoto-Wettbewerb des Bayerischen Journalistenverbands. Das Ergebnis: Unter gut 50 Einsendungen in der Kategorie Serie belegte Schatz den ersten Platz.

Preis für „anrüchige“ Kunst

Eigentlich ist der gebürtige Allgäuer von Beruf Sportfotograf und als solcher in der Fußball-Bundesliga tätig. Doch aufgrund von Corona blieb Zeit, sich anderweitig umzusehen und für sich Neues zu entdecken. Als „extrem spannend“ umschreibt Schatz sein Kennenlernen und Treffen mit dem „unglaublich interessanten Menschen und Künstler“ Werner Härtl. Nicht jedes feine, auf Wohlgerüche in verschiedensten Nuancen programmierte Näschen kommt damit klar, dass der seit fünf Jahren in Reichersbeuern lebende Maler mit „Kuhscheiße“ arbeitet. Manche finden das „unmöglich“, „eklig“ oder „abscheulich“. Doch darf man sicher sein, dass an den fertigen Werken keinerlei unästhetischer Geruch mehr wahrzunehmen ist. „Wenn das Material trocken ist, ist da nichts mehr zu riechen“, erklärt Härtl. Sinnigerweise hat Fotograf Schatz seiner preisgekrönten Fotoserie den Titel „Anrüchige Malerei“ gegeben.

Wurde ausgezeichnet: Fotograf Peter Schatz.

Insgesamt sei beim jüngsten Pressefoto-Wettbewerb Corona das bestimmende Thema gewesen, resümierte Jury-Vorsitzender Hans-Eberhard Hess bei der virtuell durchgeführten Siegerehrung. Daneben seien durch die Corona-Pausen aber auch andere Themen aufgegriffen worden, die ansonsten im Tagesgeschäft oft auf der Strecke blieben. Themen wie eben ein Porträt über Werner Härtl, oder, wie die Jury befand, „eine absurde Geschichte, die humorvoll und durchgängig konsistent erzählt wird und die man so noch nie gesehen hat“.

„Den Leuten graust heutzutage oft vor natürlichen Sachen, mir graust da mehr vor Sagrotan und Glyphosat“

Mit seiner acht Bilder umfassenden Fotoserie stellt Fotograf Schatz Härtl nicht nur als Maler, sondern auch als mentales Unikat vor: Er zeigt den 42-Jährigen aus gelungener Perspektive als Familienmenschen mit seinen Kindern und ebenso bei der „Materialbeschaffung“ im Kuhstall eines Bauernhofs – dort ist er in seinem Nebenjob als Stallhelfer auch auf die Idee gekommen, Wasser- und Acrylfarben gegen das oliv-braune Naturmaterial einzutauschen.

Malt mit Kuhmist: Der Reichersbeurer Werner Härtl mit einem seiner Bilder. Foto: mk

Nachfrage nach Härtels Kunst deutlich gewachsen

Für Härtl, der von Beruf Illustrator ist, ist Kuhmist nichts Schlechtes. „Den Leuten graust heutzutage oft vor natürlichen Sachen, mir graust da mehr vor Sagrotan und Glyphosat“, sagt er. Der Dung wird mit Wasser verdünnt, die Maltechnik variiert je nach Untergrund. „Da gilt das Motto ,Learning by Doing‘ . Zuerst kommt meistens das Helle, Feine, darüber dann das Dunkle und Dicke.“ Je nach Motiv veredelt er seine Werke in gefühlvoller Kombination mit Blattgold. Generell sei die Verwendung von Mist zur farblichen Gestaltung in anderen Kulturen wie in Indien oder in Afrika bekannt. „Da“, so Härtl, werden etwa Häuserfronten gestrichen oder grafische Muster damit angebracht.“ Er sei aber vielleicht der Erste, der gegenständlich mit Mist male – „ein schönes Beispiel für Exotik im Alltag“, wie die Jury des Pressefoto-Wettbewerbs urteilte. Nach anfänglicher Ablehnung und Skepsis ist die Nachfrage nach Härtls ebenso eigenwilligen wie unglaublich augenfälligen Kreationen mittlerweile deutlich gewachsen.

(R. Bannier)

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