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Vor dem künftigen Rathaus-Eingang: Bürgermeister Ernst Dieckmann an der Arkade der Raiffeisen-Filiale.

Gemeinderat befürwortet Reichersbeurer Gebäude-Rochade

Reichersbeuern – Die Ankündigung der Gemeinde Reichersbeuern, das Gasthaus Altwirt und die Geschäftsräume der Raiffeisenbank kaufen zu wollen, hat gehörig Staub aufgewirbelt.

Die Ankündigung der Gemeinde Reichersbeuern, das Gasthaus Altwirt und die Geschäftsräume der Raiffeisenbank kaufen zu wollen, hat gehörig Staub aufgewirbelt. Zur Gemeinderatssitzung am Freitagabend waren deutlich mehr Zuschauer als üblich gekommen.

„Der Gedanke, im Ortszentrum etwas zu verändern, hat uns schon seit Längerem beschäftigt“, sagte Bürgermeister Ernst Dieckmann. In die Überlegungen über Sanierung oder Neubau des Rathauses wurde auch die Ortsmitte einbezogen. Nachdem sich abgezeichnete, dass Reichersbeuern die beiden Gasthäuser mit den für das Dorfleben wichtigen Sälen verlieren könnte, sei mit den Beteiligten nach einer Lösung gesucht worden. Der dabei erarbeitete Ringtausch sieht vor, dass die Gemeinde den Gasthof Altwirt von der „Raiffeisenbank im Oberland“ kauft. Das Rathaus könnte in die daran angeschlossene bisherige Bankfiliale verlegt werden. Das Geldinstitut erwirbt wiederum den „Neuwirt“ und baut dort eine kleinere Geschäftsstelle auf. Das Rathaus stünde für andere Zwecke zur Verfügung – beispielsweise einen Dorfladen, eine Arztpraxis und für die Schaffung von sozialem Wohnraum (wir berichteten).

Die Verhandlungen scheinen bereits sehr konkret zu sein. Der Kaufpreis für den „Altwirt“ und das Raiffeisengebäude, zu dem auch noch Mietwohnungen und die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Komplexes zählen, werde sich an einem Wertgutachten orientieren, das von einem Sachverständigen erstellt wurde. „Er wird unter zwei Millionen Euro für die Gebäude und die Verkehrsflächen bleiben“, sagte Dieckmann. „Dafür können wir dauerhaft das Gesicht des Ortskerns erhalten und einen Lebensmittelpunkt schaffen.“

Ob die Gemeinde anschließend den „Altwirt“ als Gaststätte behalten will oder sich einen Partner sucht, sei nicht entschieden. Eine Sanierung des Gasthauses würde je nach Umfang zwischen 150 000 Euro und 2,9 Millionen Euro kosten. „Wichtig ist, dass wir die Verkehrsflächen und den Saal gesichert haben.“ Dass das Projekt eine große finanzielle Belastung darstelle, sei dem Gemeinderat bewusst.

Der Umzug der Gemeindeverwaltung in das jetzige Bankgebäude sei dagegen ohne größere Umbaumaßnahmen machbar. Es gibt bereits eine grobe Raumplanung. Der jetzige Schalterraum könnte für den Bürgerservice genutzt werden. Um ihn herum werden Bauamt, Liegenschaftsamt, Gemeindearchiv, Kasse und Kämmerei angeordnet. Im Obergeschoss sind Räume für den Bürgermeister, den Geschäftsführer und der Sitzungssaal geplant. „Der Vorteil: Wir können ohne Druck planen und brauchen bei einem Umzug nichts auszulagern“, so Dieckmann.

Johann Niggl fand es wichtig, über „die nächsten zwei bis fünf Jahre hinaus zu denken“. Karl Joachim sah in dem Vorhaben eine Riesenchance, den Ortskern auf Jahrzehnte zu sichern. Für Vize-Bürgermeister Andreas Melf stand „die Sinnhaftigkeit außer Frage“.

Maria Fährmann dagegen hielt die Planung „für überzogen“. Sie habe keine Einwände gegen den Kauf des „Altwirts“. Dem Umzug des Rathauses könne sie jedoch nichts Gutes abgewinnen. „Unser Rathaus hat eine gute Bausubstanz. Außerdem haben wir für den Bürgerservice viel Geld ausgegeben.“ Auch von der Möglichkeit, im jetzigen Amtsgebäude einen Dorfladen und eine Arztpraxis zu integrieren, ließ sie sich nicht umstimmen. „Das ist nicht Aufgabe der Gemeinde“, so Fährmann. Martina von Sigriz sah das anders. „Wenn wir die Möglichkeit haben, Räume für einen Dorfladen und eine Arztpraxis anzubieten, sollten wir das nutzen.“

Beim Grundsatzbeschluss folgte man der Ansicht von Christine Bernöcker: „Wir sind auf dem richtigen Weg“. Nur Maria Fährmann stimmte dagegen. Die Finanzierung des Vorhabens soll außerhalb des gemeindlichen Haushalts erfolgen. Kein unübliches Vorgehen: Beispielsweise hat die Gemeinde Bad Heilbrunn den Flächenkauf von der Kurfürstin Adelheid GmbH für 10,7 Millionen Euro über ein Darlehen bei der Firma Bayerngrund finanziert.

Günter Platschek

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