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In diesen Mobile Homes leben die Flüchtlinge am Kranzer.

Zwischenbilanz

Halbzeit für Asylunterkunft am Kranzer

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Es war eine Notsituation, in der Ende 2015 die große Unterkunft am Kranzer für bis zu 228 Asylbewerber in Betrieb genommen wurde. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen mittlerweile geändert haben: Beim geplanten Schließungstermin – spätestens Ende 2018 – soll es bleiben.

Reichersbeuern – Es ist ungefähr Halbzeit, was den Betrieb der Flüchtlingsunterkunft am Kranzer anbelangt. Die Campinghaus-Siedlung im Wald nahe der B 13 war von Beginn an auf maximal drei Jahre ausgelegt – eineinhalb davon sind nun vorbei. Gedanken an eine vorzeitige Auflösung gibt es nicht, erklärt Ernst Dieckmann, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Reichersbeuern-Greiling-Sachsenkam auf Anfrage. Auch sonst seien die Planungen noch nicht auf die Schließung ausgerichtet – sondern zunächst einmal darauf, dass der Betrieb reibungslos weiterläuft.

Der 30. Juni 2018: Dieses Datum ist zunächst einmal als Schlusspunkt der Unterkunft am Kranzer anvisiert. „Solange läuft unser Mietvertrag mit dem Landratsamt“, erklärt Dieckmann. Das Landratsamt hat die Siedlung von „Mobile Homes“ von der VG angemietet, Betreiber ist die Verwaltungsgemeinschaft selbst. Falls über diesen Zeitpunkt hinaus Bedarf besteht, wäre eine Verlängerung um einige Monate denkbar. Denn die VG wiederum hat die Fläche vom Privateigentümer bis Ende 2018 gepachtet.

In Gegensatz zur akuten Notsituation Ende 2015, in der die Unterkunft am Kranzer eröffnet wurde, stehen heute im Landkreis viel mehr Plätze zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung, etwa in den großen Gemeinschaftunterkünften in Bad Tölz auf der Flinthöhe und an der Peter-Freisl-Straße. Gleichzeitig ist der Zustrom von Flüchtlingen zumindest aktuell geringer. Mehrere Asylunterkünfte, die eher als provisorische Notlösungen galten – etwa die Jachenauer „Post“, der Tölzer „Jodquellenhof“ oder die Lenggrieser Kaserne – wurden oder werden daher aufgegeben.

Beim Kranzer sieht Dieckmann jedoch keinen Grund, vorzeitig zu schließen. „Ich glaube, dass diese Kapazität weiter gebraucht wird“, sagt er. „Es ist nicht so leicht, 180 Menschen woanders unterzubringen.“

180 Asylbewerber leben derzeit in den Häuschen am Kranzer, 228 könnten dort maximal untergebracht werden. Für viele Flüchtlinge seien die abgelegenen „Mobile Homes“ durchaus in Ordnung. „Viele haben sich gut damit arrangiert. Der Vorteil ist, dass ein Mobilheim ein eigenes Zuhause für eine Familie sein kann – mit eigener Küche und eigenem Bad. Es ist nicht so, dass die Menschen am Kranzer unbedingt raus wollen – auch wenn natürlich einige alles dafür tun, sich weiterzuentwickeln und eine eigene Wohnung zu finden.“

Nicht zuletzt habe die Gemeinde ein Interesse daran, dass das Landratsamt den Mietvertrag bis zum Schluss erfüllt. „Denn die Mieteinnahmen sind zur Refinanzierung des Kaufs der Mobile Homes fest einkalkuliert“, so Dieckmann.

Wenn die Häuschen Mitte oder Ende 2018 nicht mehr gebraucht werden, plant die VG übrigens, sie weiterzuverkaufen. „Es haben sich auch schon Gemeinden und soziale Träger erkundigt, die die Häuser eventuell als Obdachlosenunterkunft nutzen möchten“, erklärt der Reichersbeurer Bürgermeister. Ebenfalls sei denkbar, dass die VG einige der Campinghütten an einem anderen Ort aufstellt und weiter für Asylbewerber nutzt. Beides sei freilich nur möglich, wenn die Häuschen nicht zu stark abgenutzt oder beschädigt seien. „Aber bis jetzt ist der Zustand erfreulich gut“, so Dieckmann. „Dass ein Mobile Home so etwas wie die eigenen vier Wände für je eine Familie sind, trägt sicher zum pfleglichen Umgang bei.“

Was aus der Fläche werden soll, auf der jetzt die Unterkunft steht, ist derweil schon länger ausgemachte Sache. Wie berichtet planen hier, auf dem ehemaligen US-Schießplatz, die Gemeinden Greiling und Reichersbeuern sowie die Stadt Bad Tölz ein interkommunales Gewerbegebiet. Dazu laufen laut Dieckmann weiterhin Voruntersuchungen zu den baurechtlichen Rahmenbedingungen wie Anbindegebot und Naturschutz.

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