Künstler Hans Reiser am Zeichenbrett.
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Daheim in Reichersbeuern am Zeichenbrett: Hans Reiser. Seit über 50 Jahren spießt er jeden Samstag für den Tölzer Kurier kleine und große Ereignisse in seinen Karikaturen auf.

Seit über 50 Jahren ist er Karikaturist des Tölzer Kurier

Hans Reiser wird 70: Familie, Freunde und Weggefährten gratulieren augenzwinkernd

Reichersbeuern – Jede Zeitung hat ihre Edelfedern: Das sind Journalisten, die besonders gut mit dem Stift umgehen können, also gut schreiben können. Hans Reiser ist auch eine Edelfeder, aber eine, die den Zeichenstift gekonnt führt. Heute wird unser Karikaturist 70 Jahre alt. Über 50 Jahre davon spießt er nun schon für den Tölzer Kurier kleine und große Ereignisse auf.

Seine Gemäldeausstellungen sind Ereignisse, bei denen sich der halbe Isarwinkel und das halbe Tegernseer Tal treffen. Der Künstler Hans Reiser ist nun einmal eine Nummer. Wir wollten unserem Kollegen ein bisschen anders gratulieren und haben ein paar Weggefährten um Erinnerungen, Eindrücke und augenzwinkernde Beobachtungen zum „Reiser-Jack“ gebeten.

Über den jungen Reiser-Jack (von Max Bachmair, 74, Redakteur in Tölz und Wolfratshausen): „Ich war in Tegernsee am Gymnasium ein paar Klassen über ihm. Wir kannten alle den Reiser-Jack als einen guten Zeichner. Ich volontierte dann in der Redaktion des Tölzer Kurier. Als Gregor Dorfmeister eine Karikatur einführen wollte, habe ich an den Jack denken müssen, ihn vorgeschlagen und dann auch gefragt. Ich war dabei, wie der Handel abgeschlossen wurde. Der Gregor war froh, einen Karikaturisten zu haben, der Hans froh, dass er Geld verdienen konnte, und ich war froh, dass ich das in die Wege leiten konnte.“

Als Tennisspieler ist er Ästhet

Über den Sportler (von Tennispartner Sepp Pallauf, 70): „Schläge wie Peitschenhiebe fallen mir ein, wenn ich an die Spielweise von Hans denke. Er ist gnadenlos ehrgeizig. Jeder verschlagene Ball ärgert ihn maßlos. Aber es geht ihm nicht um den Punkt, sondern um den gelungenen Ballwechsel. Da ist er Ästhet. Davon abgesehen: Er spielt immer auf Angriff, nicht auf Verteidigung. Und abhaken tut er das Spiel nie. Er ist immer für eine Überraschung gut. Eines möchte ich noch loswerden: Hans ist überzeugter Reichersbeurer. Für mich ist das eine logische Konsequenz. Er ist sehr heimatverbunden. Reichersbeuern ist die Brücke zwischen den beiden Tälern, wo er sein Leben verbracht hat. Isarwinkel und Tegernseer Tal.“

Über den Musiker und Vater (von Bandmitglied und Sohn Jan Reiser, 42): „Es ist eine (für einen Karikaturisten) lebenswichtige Eigenschaft meines Papas, jedes Konversationsthema schon fast zwanghaft nach einer Pointe abzuklopfen. Auch ich habe diese Kreativtechnik über Jahre des niveauvollen Blödelns mit meinem Vater kultiviert. Diese Eigenart ist mal mehr, mal weniger sozialverträglich, je nachdem, wie viel oder welche Art von Humor das jeweilige Gegenüber hat. Ähnlich ambivalent verhält es sich mit der Musikalität meines Papas, die sich in permanentem Pfeifen, Schnippsen und anderer Form von ,Body Percussion‘ Bahn bricht, sobald er sich im Haus von A nach B bewegt. Auch diese Eigenart habe ich mir abgeschaut. Unsere Ehegattinnen begrüßen es, dass wir beide inzwischen eine gemeinsame Band haben, wo wir diese Neigung gemeinsam (und wenigstens für ein paar Stunden außer Haus) ausleben können. Erwähnen muss ich noch, dass er jeden Tag ein bis zwei Stunden Akustikgitarre übt. Das ist ihm ganz wichtig. Er ist ein leidenschaftlicher Autodidakt und hat einen unbedingten Willen sowie Talent und Musikalität.“

„Eigentlich ist das ein Vokuhila“

Über einen Mann, seinen Stil und seine Frisur (von Friseur Heinrich Krinner, 61, aus Tölz): „Vorne kurz, hinten lang. Im Prinzip trägt der Hans ja einen Vokuhila. Leider ist’s im Laufe der Jahre vorne ein bisserl dürftiger geworden. Man passt’s halt dann hinten so gut wie möglich an. Sein Bartstil ist gut und steht ihm. Er geht immer noch als Dürer durch. So hat er sich ja auch einmal gemalt. Ansonsten ist er ein fescher, sportlicher Typ. Wir haben immer viel Spaß miteinander, wenn er kommt. Das ist ungefähr dreimal im Jahr. Dann beschwert er sich immer, dass wir viel zu teuer sind. Aber gibt ja auch viel zu tun bei ihm, um ihn schöner zu machen.“

Über eines ihrer besten Pferde im Stall (von Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz, 44): „Mein Mann Sebastian kommt aus Sachsen-Anhalt und ist stellvertretender Redaktionsleiter in Weilheim. Immer wenn er am Samstag die neue Winzerer-Zeichnung sieht, schwärmt er mir vor, was für einen super Karikaturisten wir haben. Das habe ich auch schon von vielen anderen Redaktionsleiter gehört. Ich bin mir sehr bewusst, was für ein Alleinstellungsmerkmal der Hans für uns bedeutet.“

Über den Meistermaler vom Malermeister Bruno Egger, 82: „Ich fühlte mich geehrt, dass ich bei meiner langjährigen Tätigkeit für die Stadt hin und wieder Eingang in die Winzerer-Zeichnungen gefunden habe. Die Originalbilder aus seiner Feder, die ich erworben habe, bereiten mir immer wieder Freude. Das Wirken des Künstlers hat nicht nur in seiner oberbayrischen Heimat höchste Anerkennung gefunden, gipfelte dort aber in der Meinung: ,A Hund is a scho, da Reiser Hansä, a ganz a verreckter‘. Das bedeutet bei uns wirklich höchstes Lob. Die beim Leser weniger bekannten Ölgemälde sind einzigartig und für mich auf dem heutigen Kunstmarkt unerreicht. Am Ende meiner Betrachtungen bleibt mir nur als alter Malermeister dem Meistermaler herzlich zum Geburtstag zu gratulieren und zu wünschen, dass er noch lange das Tölzer Leben mit seinen Karikaturen aufspießt und damit bereichert.“

Über den alten Freund (von Heiner Schaffner, 64, Lehrer in Gaißach und Sänger bei den „Gaißacher Schoilehra“): „Es ist wirklich sehr lustig, sein Freund zu sein. Ich glaube, in den fast 35 Jahren, die wir uns nun kennen, haben wir nur fünf Prozent der Unterhaltung wirklich ernsthaft bestritten. Ständig wird geflachst, der andere absichtlich missverstanden und ’naufgschossn. Wenn ich was über den Künstler sagen darf: Ich habe immer gedacht, die leben und arbeiten so in den Tag hinein. Das ist bei Hans nicht so. Er arbeitet unglaublich diszipliniert und fleißig.“

Über den dienstältesten Mitarbeiter des Tölzer Kurier (von Verleger Dirk Ippen): „Hans Reiser 70: Das ist ein Grund für die ganze Zeitungsfamilie des Tölzer Kurier, ihm von ganzem Herzen zu gratulieren! In über 50 Jahren und mit seinen aktuellen wöchentlichen Zeichnungen hat er sich als Karikaturist fest in die Herzen der Leser eingeschrieben. Ein echtes Tölzer „Schleifermanndl“ ist hier zu besichtigen, kein Rentner, sondern frisch und lebendig geblieben. Lieber Hans Reiser, ich habe Sie ja sozusagen mit-„gekauft“, als ich 1982 Merkur-Verleger wurde. Der Verlag, alle Gesellschafter und allen voran ich sprechen Ihnen unseren Dank und größte Anerkennung aus für dieses Leben im Dienste von Zeitung und Lesern. Da ich selber die 70 schon länger hinter mir habe, weiß ich aus eigenem Erleben, wie wunderbar das Leben im achten Jahrzehnt sein kann. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Glück, Gesundheit und Lebensfreude auf diesem Weg, der jetzt vor Ihnen liegt. In herzlicher Verbundenheit. Ihr dankbarer Dirk Ippen.“

Über ihren Ehemann (von Elisabeth Reiser, 65): „Hans ist einer, der mich immer noch zum Lachen bringt. Wir blödeln viel umeinander. Der Witz muss einfach gemacht werden, koste es, was es wolle. Sein Humor ist – nicht nur am Papier – wirklich umwerfend. Das schätze ich sehr. Auch, dass wir uns immer noch viel zu erzählen haben. Private Geheimnisse wollt Ihr wissen? Nun: Hans kann fünf Gerichte kochen, im Risotto ist er ein wahrer Meister. Und er liebt Schokolade; süße, pappige Vollmilchschokolade. Die täte er kiloweise essen – wenn ich sie denn kaufen würde. Ich bin da eher gesundheitsbewusst. An den Schoko-Krümeln auf den Autopolstern sehe ich allerdings, dass sich der Hans immer wieder mal zwischendurch was gönnt.“ Von Christoph Schnitzer

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