Verbringen ihre Lernphasen gemeinsam im Internat: Lan (li.) und Lorena (re.) mit den anderen Schülern, die nicht z
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Verbringen ihre Lernphasen gemeinsam im Internat: Lan (li.) und Lorena (re.) mit den anderen Schülern, die nicht zu ihren Eltern zurückfliegen konnten.

Max-Rill Gymnasium 

Quarantäne in der Schule

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Internationale Schüler des Max-Rill-Gymnasiums befinden sich immer noch im Internat. Sie konnten oder wollten nicht zurück in ihre Heimatländer reisen. Nun bereiten sie sich in Reichersbeuern auf ihre Prüfungen und das Abitur vor. 

Reichersbeuern – Bundesweit haben alle Schulen geschlossen, und die Schüler sind zu Hause. Etwas anders sieht das im Max-Rill-Gymnasium aus. Das Internat im Schloss Reichersbeuern betreut aktuell noch 15 Schüler.

„Die meisten der hiergebliebenen Jugendlichen kommen aus China, sie konnten nicht mehr nach Hause fliegen“, sagt Schulleiterin Carmen Mendez. Zu groß wäre die Gefahr gewesen, dass sie nicht mehr rechtzeitig zur Abiturprüfung nach Deutschland zurück kommen könnten. Eine weitere Schülerin, Lorena, ist Schweizerin. „Meine Eltern arbeiten aber beide in Shanghai. Wir wollten Ostern eigentlich zusammen in der Schweiz verbringen“, erzählt die 18-Jährige. Doch auch daraus wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation nichts. Lorena muss im Internat bleiben, ihre Eltern befinden sich in Quarantäne in China. „Ich bin froh, dass sie gesund sind“, sagt Lorena. Dennoch fühle sich momentan alles „recht ungewohnt“ an. Jetzt machen die im Internat gebliebenen Schüler das Beste aus der momentanen Situation. „Wir treiben nach den Schularbeiten viel Sport und verbringen die Abende gemeinsam vor dem Fernseher“, erzählt Lorena.

Eltern einer schweizer Schülerin in Shanghai in Quarantäne 

Ähnlich geht es Lan. Die 18-jährige Schülerin aus Südchina hat sich bewusst gegen eine Heimreise entschieden. „Ich schreibe dieses Jahr Abitur und wäre sicher nicht mehr so schnell zurück nach Deutschland gekommen. Deswegen bin ich freiwillig hier geblieben.“ Lans Eltern seien anfangs nicht begeistert von ihrer Entscheidung gewesen. Doch mittlerweile würden sie auch merken, „dass es so richtig war“, erklärt Lan. Ihr gefällt die aktuelle Situation im Internat sogar recht gut. „Wir können selbstständig arbeiten und in unserer Freizeit musizieren, Sport machen oder entspannen. Außerdem bin ich ja nicht alleine hier. Ich habe hier noch mehr soziale Kontakte als andere Menschen in Quarantäne.“

Schulleiterin ist aktuell Vormund der Schüler 

Auch wenn kein allzu großer Unmut unter den verbliebenen Schülern zu spüren ist, auf Schulleiterin Carmen Mendez lastet eine umso größere Verantwortung. „Ich bin aktuell der Vormund der Schüler“, erklärt sie. „Das wird einem so richtig erst in Krisenzeiten bewusst, was es heißt, die Verantwortung über sein Kind abzugeben.“ Teilweise seien Eltern der betroffenen Schüler am Telefon extrem aufgeregt und besorgt gewesen. Die Schulleiterin hat ihnen dann jedoch klar machen können, dass es momentan das Beste für ihre Kinder sei, im Internat zu bleiben. „Wir hatten auch vor der offiziellen Schulschließung zum Glück keinen Coronafall hier.“

Schulleiterin Carmen Mendez trägt momentan sehr viel Verantwortung. 

Nun achtet Mendez stark darauf, dass das Virus nicht ins Internat getragen wird. Es gibt keine Besuche von außen, und die Jugendlichen sind dazu angehalten, in ihrer Freizeit in keine Ballungszentren zu fahren, berichtet die Schulleiterin. 

Keine Besuche in Ballungszentren erlaubt 

Freilich kommt auch das Thema Lernen im Max-Rill-Internat gerade nicht zu kurz. „Von 9 bis 15.30 Uhr ist Arbeitszeit“, sagt Mendez. Dafür haben die Lehrer für jedes Fach einen Wochenplan aufgestellt. Die Schüler – egal, ob im Internat oder zu Hause – sind alle mit einem Tablet samt diverser Lern-Apps ausgestattet. „Es ist uns sehr zustattengekommen, dass wir schon lang vor der Coronakrise großen Wert auf die Digitalisierung gelegt haben“, erklärt Mendez. Der Tag sei klar strukturiert. Es gebe sowohl selbstständige Lernphasen als auch Konsultationszeiten. „Hier können die Schüler sich per E-Mail bei Problemen an die Lehrer wenden, teilweise gibt es auch Videokonferenzen in kleineren Gruppen.“

Selbst kleine Leistungsnachweise seien trotz der Außnahmesituation möglich. „Wir können von den Schülern erstellte Erklärvideos und Projektarbeiten bewerten.“ Die Bewertung fände jedoch erst wieder im Unterricht in Form von Präsentationen statt. 

In den Osterferien haben die Schüler – ob im Internat oder bei ihren Eltern zu Hause – natürlich komplett frei. „Wir geben Lernempfehlungen mit Material aus. Aber es ist jedem selbst überlassen, damit zu arbeiten oder nicht“, sagt Mendez.

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