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Zur Überraschung der Kinder sprach der Nikolaus bei seinem Besuch am Kranzer die Mädchen und Buben mit ihren Namen an.

Asylunterkunft am Kranzer 

Schöne Bescherung in unsicheren Zeiten

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Reichersbeuern - Der Nikolaus war jetzt erstmals zu Besuch am Kranzer. Ein Jahr, nachdem die ersten Bewohner eingezogen sind, ist die Situation in der größten Asylbewerber-Unterkunft im südlichen Landkreis im Wandel.

Falafel und Lebkuchen, der arabische Petersilien-Salat Tabulé und Obst und Süßigkeiten vom Nikolaus: International und bunt ging es vor einigen Tagen zu, als in der Asylbewerberunterkunft am Kranzer zum ersten Mal Weihnachten gefeiert wurde. Das gesellige und friedliche Beisammensein fiel in eine Zeit, in der sich in der Mobilheim-Siedlung vieles verändert – und in der auch einige Unsicherheiten aufkeimen.

„Bei der Weihnachtsfeier sind sich die verschiedenen Nationalitäten noch einmal näher gekommen – und den Bewohnern war es ein Anliegen, etwas für den Helferkreis zu tun“, berichtet die Asylhelferin Christa Göggelmann von der harmonischen Weihnachtsfeier. So hätten die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak, Pakistan und verschiedenen afrikanischen Ländern allerlei Spezialitäten ihrer Heimatländer gekocht, vom Curry Chicken bis hin zur Auberginenpaste. „Sie haben sich richtig Mühe gegeben“, freut sich Göggelmann. Kulturell gemischt ging es auch bei der musikalischen Gestaltung zu. Zum Auftakt spielten Bläser aus Greiling und Sachsenkam besinnliche Weisen. Später wurde zu Klängen aus aller Welt getanzt. „Das war eine internationale Party mit DJ.“

Große Augen machten vor allen die rund 50 Kinder, die am Kranzer leben, als der Nikolaus, begleitet von zwei Engeln, zu Besuch kam, den Mädchen und Buben Säckchen mit Süßigkeiten, Äpfeln und Orangen überreichte und sie – o Wunder – sogar mit Namen ansprach. Finanziert wurden die kleinen Geschenke aus der Spendenkasse des Helferkreises. Die Rolle des Nikolaus hatte ein ehrenamtlicher Deutsch-Lehrer übernommen.

Bis zu 240 Menschen könnten in der Siedlung am Kranzer theoretisch unterkommen. Aktuell hat die größte Asylunterkunft im südlichen Landkreis nach Angaben von Reichersbeuerns Bürgermeister Ernst Dieckmann 192 Bewohner. Die Verwaltungsgemeinschaft Reichersbeuren/Sachsenkam/Greiling als Betreiber sei damit „zufrieden“, wie es am Kranzer läuft. „Wir haben dort engagierte Helfer und Mitarbeiter“, stellt Dieckmann fest, fügt aber hinzu: „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird es nicht leichter.“

Derzeit macht er unter den Bewohnern drei Gruppen aus: Diejenigen, deren Asylverfahren noch läuft; anerkannte Flüchtlinge, die jedoch noch keine eigene Wohnung gefunden haben; und zunehmend Menschen – vor allem aus Afghanistan –, die bereits ihre Abschiebebescheide erhalten haben. „Darunter sind Familien, die sehr aktiv und engagiert beim Deutsch-Lernen und bei Integrationsbemühungen waren“, sagt Dieckmann. Für viele würden nun große Hoffnungen zusammenbrechen, es mache sich Ernüchterung breit, andere seien verunsichert. „Wir müssen schauen, wie wir mit dieser Situation umgehen.“

Auch vielen Helfern sei mittlerweile die starke Beanspruchung über ein Jahr hinweg anzumerken. Von der VG her „schauen wir, die Bewohner verstärkt anzuleiten, sich eigenständig um ihre alltäglichen Angelegenheiten zu kümmern, wie etwa Arzttermine“.

Eine positive Entwicklung sei, dass viele der Kranzer-Bewohner mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden hätten. Dass der Kranzer abgelegen und verkehrstechnisch nicht gut angebunden ist, sei dabei kein Hinderungsgrund. Es gebe einen Flüchtling, der täglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad den Weg zum Reichersbeurer Bahnhof zurücklege und von dort sogar bis zum Münchner Ostbahnhof pendle. Doch es gebe auch eine gute Kooperation mit dem Landratsamt: Die Behörde habe schon Asylbewerber in andere Quartiere verlegt, wenn sie von dort ihre Arbeitsstelle besser erreichen können. Mit der aktuellen Tendenz, einzelne dezentrale Unterkünfte aufzulösen und sich auf zentrale Großunterkünfte zu konzentrieren, „wird diese Flexibilität natürlich geringer“, erklärt Dieckmann.

Mittelfristig werde sich das Landratsamt auch Alternativen zum Kranzer überlegen müssen. Denn die Unterkunft werde höchstens bis zum 30. Juni 2018 bestehen bleiben. Sie sei von Beginn an als zeitlich befristete Unterbringungsmöglichkeit für den akuten Notfall angelegt gewesen.

Helfer willkommen: Wer sich engagieren möchte, findet Infos und eine Kontaktmöglichkeit auf der Seite www.asyl-reisagrei.de

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