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Reichersbeurer Theaterer mit Kriegsdrama

„Zeigen, wie es auch bei uns war“

Reichersbeuern – NS-Zeit, Vertreibung, Flucht – in vier Aufführungen des Stücks „... der werfe den ersten Stein“ haben sich die Theaterer des Reichersbeurer Trachtenvereins „d’Oberlandler“ an schwerer und ungewohnter Kost versucht. Der Tölzer Kurier hat bei Regisseur Klaus Steinbacher nachgefragt.

Keine Komödie, sondern ein Drama über Krieg, Nazizeit, die Folgen, über Umgang mit Fremden und Flüchtlingen auf der Bühne der Reichersbeurer Trachtler. Ich kann mir vorstellen, dass es da nicht nur Beifall gegeben hat. Oder wie waren die Reaktionen?

Teichmann: Einen hat es gegeben, der hat gemeint, was der Schmarrn soll. Er komme ins Theater, um sich zu amüsieren. Sonst ist das Stück aber durchaus positiv vom Publikum aufgenommen worden. Und es ist viel geredet worden nach den Aufführungen. Viele haben sich erinnert, dass es bei uns auch einen Russen als Kriegsgefangenen gegeben hat, der nach 1945 dageblieben ist. Ein Zuschauer hat erzählt, dass die Flüchtlingsfrau aus dem Stück ihn an eine Frau im Dorf erinnert habe, die ganz genau so war. Genau darum ging es uns. Wir wollten zeigen, wie es bei uns war, was daheim passiert ist, wie es bei den einfachen Leuten am Hof zugegangen ist.

Wollten Sie auch auf Parallelen zur aktuellen Flüchtlingsproblematik hinweisen?

Das war nicht unsere vordergründige Absicht. Aber ins Nachdenken darf man schon kommen.

War das Haus voll?

Bei der Premiere gab es noch einige freie Plätze. Ansonsten sind die Aufführungen ausverkauft gewesen.

Wie kamen Sie auf die Idee für diesen Stoff beziehungsweise wie kamen Sie auf das Stück des früheren Miesbacher Bürgermeisters Rudolf Pikola?

Ich bin durch Zufall auf dieses Stück bei einer Aufführung der Laienspielgruppe Irschenberg gekommen. Dieses packende Thema aufzuführen, reizte mich. Ich habe meinen Leuten im Sommer das Manuskript gegeben und sie gefragt, ob sie das spielen wollen. Und jeder hat zugesagt. Das kann man nur machen, wenn alle mitziehen. Da gehört schon auch Mut zu der Sache.

Vor dem eigentlichen Theater haben Sie historische Fotos aus der NS-Zeit und sogar Filme gezeigt.

Ja, es sind auch Bilder vom Archiv Bad Tölz und Reichersbeuern dabei gewesen. Solche Bilder waren vorab als Einstimmung gedacht und sollten die Zuschauer in die damalige Zeit hineinversetzen.

Würden Sie sich wieder an so ein „schweres Thema“ trauen oder kommt als nächstes wieder eine Komödie?

Natürlich würde ich auch nochmals ein schwieriges Stück inszenieren wollen, aber als nächstes wird unserem Publikum Weihnachten 2017 bestimmt wieder ein humorvoller Dreiakter im bairischen Dialekt serviert. Und das sei auch schon mal verraten: 2020, zur 1000-Jahrfeier von Reichersbeuern, wird es im Schloss eine historische Geschichte in Freilichtaufführung geben.

Es war zu hören, dass das Theaterstück aufgezeichnet wurde. Wird man diesen Film irgendwann sehen können oder was passiert damit?

Eine Filmaufzeichnung von „...der werfe den ersten Stein“ gibt es ab sofort bei uns zu erwerben. Interessenten sollen sich bitte unter Telefon 0 80 41/10 69 melden.

Christoph Schnitzer

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