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„Hier leben mehr Idealisten, als man denkt.“ Julia Kersten ist zuversichtlich, dass ihre Idee funktioniert. 

Besser als wegwerfen

Reichersbeurerin startet Lebensmittel-Verschenk-Börse auf Facebook

Reichersbeuern/Bad Tölz - Die Reichersbeurerin Julia Kersten hat auf Facebook eine Lebensmittel-Verschenk-Plattform gegründet.

Supermärkte nehmen Obst, Gemüse, Wurst und Käse aus dem Regal, wenn die Lebensmittel verdorben sind. Sie tun das aber auch, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder die Ware sich nicht verkaufen lässt – aus reinem Überfluss also.

Auch in privaten Haushalten landet jede Menge Ess- und Trinkbares im Müll. Weil man zu viel eingekauft hat, keine Lust auf Reste hat, das Gekaufte nicht schmeckt oder vor dem Urlaub einfach noch der Kühlschrank leer werden muss. Ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzt eine neue Tölzer Facebook-Gruppe.„Sharing is caring“ lautet ihr Name und ihr Motto: Wer nicht benötigte Lebensmittel herschenkt, anstatt sie wegzuwerfen, sorgt sich um die Umwelt und seine Mitmenschen.

Die Idee hatte Julia Kersten kürzlich bei einer Tasse Tee. Der Auslöser für die 28-Jährige aus Reichersbeuern war eine TV-Dokumentation. „Da haben sie gezeigt, was in Deutschlands Geschäften und auf Märkten alles weggeschmissen wird. Frisches Obst, komplett verpackt, zum Beispiel. Mir war zum Heulen zumute“, sagt Kersten.

Vor knapp zwei Wochen gründete sie die öffentliche Facebook-Gruppe – und staunte über das Ausmaß der positiven Resonanz. Über 200 Nutzer aus dem gesamten Tölzer Raum klickten bereits auf „Gefällt mir“. Schnell färbte sich das Portal bunt. Champignons, Paniermehl, eine Flasche Saft, Eier, Marshmallows oder auch Kaltwachsstreifen wurden zum kostenlosen Abholen angeboten. Es müssen keine Lebensmittel sein. „Es geht darum, die Sachen im Vorratsschrank zu verschenken, bevor sie dort nur herumstehen“, sagt Kersten.

"Die Leute tun sich schwer, die Geschenke anzunehmen"

Schnell stellte die Reichersbeurerin aber fest: „Die Leute tun sich schwer, die Geschenke anzunehmen.“ Sie vermutet, dass einige Angst haben, als „bedürftig“ abgestempelt zu werden. Kersten möchte beide Menschentypen erreichen: die, die auf Hilfe angewiesen sind, und die, die aus Idealismus nachhaltig handeln. „Wir verlangen nach einer Riesenauswahl, nach einem tiefen Sortiment, das wir aber dann doch nicht gebrauchen können. Das ist eine totale Reizüberflutung“, meint die 28-Jährige. Nicht nur ihr stößt es auf, wenn Gemüse aussortiert wird, nur weil es nicht der optischen Norm entspricht. „Eine krumme Karotte kann ich auch essen.“

Das Projekt „Sharing is caring“ stecke noch in den Kinderschuhen. Es seien wahnsinnig viele Ideen da, die man demnächst umsetzen wolle. Entscheidend ist die einer zentralen oder mehrerer Verteilungsstationen. Eine Kooperation mit dem Tölzer Schenkräumchen, eine Garage in Gaißach: Kersten sieht da einige Möglichkeiten. Nach kurzer Zeit hat sich herausgestellt, dass das fleißige Posten und Anbieten im Netz zwar bestens funktioniert. Allerdings gestaltet sich die „Übergabe“ oft noch kompliziert. Termine vereinbaren, Adressen austauschen: Das kostet viel Zeit und nervt. Darüber hinaus fahren die Nutzer nicht gerne wegen vier Eiern quer durch Tölz – zumal das dem Umweltgedanken ja gerade widersprechen würde.

Die Idee des „Foodsharing“ ist nicht neu und wird gerade in urbanen Zentren immer populärer. Für den Isarwinkel und Bad Tölz ist das digitale Essentauschen Neuland. Julia Kersten ist zuversichtlich: „Hier leben mehr Idealisten, als man denkt.“ Tobias Gmach

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