Etwa 1000 Kartons schleppte der Umzugsdienst gestern vom alten ins neue Reichersbeurer Rathaus.
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Etwa 1000 Kartons schleppte der Umzugsdienst gestern vom alten ins neue Reichersbeurer Rathaus.

Alles wird neu gemacht

Mit 1000 Umzugskartons ins neue Rathaus

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Diesem Tag haben die Mitarbeiter der Reichersbeurer Gemeindeverwaltung lange entgegengefiebert: Am Dienstagvormittag startete der Umzug des Rathauses in das ehemalige Gebäude der Raiffeisenbank.

  • Die Reichersbeurer Verwaltung zieht derzeit um
  • Im neuen Rathaus gibt es auch einen schicken Bürgerservice-Bereich
  • In vielen Räumen gibt es aber noch einiges zu tun

Reichersbeuern – Die Redewendung „Da wimmelt es ja wie im Ameisenhaufen“ wird häufig gebraucht, selten war sie aber so zutreffend wie gestern in Reichersbeuern. Mitarbeiter der Umzugsfirma wuseln durch das renovierte Gebäude. In der zukünftigen Gemeindekasse stapeln sich die Schachteln bis zur Decke. Im Bürgerservice-Bereich sind Dutzende gelbe Briefboxen übereinander geschichtet. Das Kontrastprogramm im Zimmer nebenan: Hier sieht es aus wie in einem Blumengeschäft. Es grünt und blüht, Orchideen stehen neben Kakteen und anderen Topfpflanzen – das Standesamt dient als Zwischenlager für die Rathaus-Pflanzen.

Alles im Blick haben Bauamtsleiterin Vera Steinmetz und Irmi Markl von der Liegenschaftsverwaltung. Die beiden zeigten den 21 Gemeinde-Mitarbeitern vor einigen Wochen, wie sie ihre Umzugskisten richtig beschriften. Nun achten sie darauf, dass jeder der knapp 1000 Kartons im richtigen Büro landet. „Ein bisserl nervös sind wir schon“, gibt Markl zu. „Es muss ja alles funktionieren.“ Bereits seit 5.30 Uhr sei sie auf den Beinen. Insgesamt habe sie die Bauphase aber als „aufregender“ empfunden. In der mussten beispielsweise Archivar, Geschäftsleiter und Kämmerei-Mitarbeiter die alten Akten sichten. Gemeinsam mit den übrigen Beschäftigten sortierten sie containerweise altes Papier aus. Bürgermeister Ernst Dieckmann muss schmunzeln, wenn er an die bisweilen kuriosen Fundstücke denkt: „Zum Beispiel eine Liste der Kindergartenkinder von 1984 – da stehen lauter Leute drauf, die man heute als Erwachsene kennt.“

Das neue Rathaus kann sich sehen lassen. Ein Hingucker ist gleich im Eingang der Bürgerservice-Bereich mit einer Theke aus Eichenholz und farblich perfekt abgestimmten dunkelbraunen Holzelementen. Er würde auch wunderbar in einen Wellness-Tempel oder ein höherklassiges Hotel passen. Bei diesem Anblick gerät auch Umzugsunternehmer Robert Schmidt-Starrock ins Schwärmen: „Ein superschönes Rathaus.“ Einer seiner zehn Mitarbeiter hört es im Vorbeigehen und bestätigt: „Schöner geht’s nicht.“

Ein Hingucker: Der neue Bürgerservice-Bereich mit Post-Filiale.

So groß das Durcheinander im Erdgeschoss ist, so leer sieht es noch in Dieckmanns Büro aus. Nur zwei außergewöhnliche Gegenstände haben vorab den Weg vom alten ins neue Rathaus geschafft: Zum einen die Original Fackel von den Olympischen Spielen, die 1972 durch das Dorf getragen wurde. Zum anderen eine runde Uhr mit goldenem Ziffernblatt und einer Weltkarte in der Mitte. „Ein Relikt aus der Zeit von Hans Harrer“, weiß Dieckmann. Das historische Stück erinnert an den Deutschen Meistertitel, den die Reichersbeurer Eishockey-Jugend 1964 in Augsburg gewonnen hat. Altbürgermeister Harrer war Trainer der Meistermannschaft. Einer seiner Spieler war der spätere Bürgermeister Josef Reiter.

Ebenso leer wie in Dieckmanns Büro ist es im Sitzungssaal. Unter anderem fehlt noch das sogenannte „Active Board“, eine interaktive Weißwandtafel mit Touchscreen, die mit einem Computer verbunden wird. „In unserer Schule gibt es in allen Klassenzimmern solch eine Tafel“, sagt Dieckmann. „Sie hat mir so gut gefallen, dass ich gesagt habe: die will ich auch im Sitzungssaal haben.“ Es gibt eben noch einiges zu tun: „In 80 Prozent der Räume fehlen noch Kleinigkeiten“, sagt Dieckmann. Die Sockelleisten müssen noch angebracht werden. Der Maler muss um die Türen herumpinseln, der Elektriker die Lampen anbringen. Der Aufzug ist auch noch nicht fertig. Insgesamt liege aber alles im Zeitplan, sagt „Dieckmann: „Er war nicht üppig bemessen, aber die Handwerker haben toll gearbeitet.“ Die nächsten 14 Tage sollen genutzt werden, um wieder voll arbeitsfähig zu sein.

„Wir freuen uns, wenn die Mitarbeiter ihre Büros beziehen können“, sagt Markl. Freie Tage seien wohl erst mal nicht drin, „aber einen Kaffee werden wir uns nach dem Einzug schon gönnen“. Auch wenn die Vorfreude groß ist: Ein wenig Wehmut schwinge schon mit, sagt Markl: „Das alte Rathaus war unsere Heimat. Wir haben gute Erinnerungen daran.“

Nun ist erst mal Neuorientierung für die Mitarbeiter angesagt – aber auch für die Reichersbeurer Bürger: „In den nächsten Wochen werden noch viele Leute bei uns Geld abheben und bei der Raiffeisenbank Packerl abgeben wollen“, glaubt Ernst Dieckmann. Auch Vera Steinmetz vermutet: „Ich werde noch das eine oder andere Mal vor der falschen Haustüre stehen.“

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