Tödlicher Unfall: Anfang Januar 2019 kam auf der B 472 der Beifahrer (19) eines VW Polo ums Leben. Am Steuer saß sein bester Freund – unter Drogeneinfluss.
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Tödlicher Unfall: Anfang Januar 2019 kam auf der B 472 der Beifahrer (19) eines VW Polo ums Leben. Am Steuer saß sein bester Freund – unter Drogeneinfluss.

Gericht

Nach tödlichem Unfall bei Reichersbeuern: Urteil gegen 24-Jährigen fällt in zweiter Instanz milder aus

Anfang Januar 2019: Drei junge Leute feiern ausgelassen. Sie haben getrunken und Drogen genommen. Nach ein paar Stunden Schlaf fahren sie im Schneetreiben von Waakirchen in Richtung Bad Tölz – und schleudern in den Gegenverkehr. Der 19-jährige Beifahrer stirbt.

Reichersbeuern/München – Am Mittwoch nun musste sich der heute 25-jährige Fahrer vor dem Münchner Landgericht verantworten. Dort wurde der Fall in zweiter Instanz verhandelt. Im Berufungsverfahren wandelte das Landgericht die Gefängnisstrafe, die das Amtsgericht Wolfratshausen verhängt hatte, in eine Bewährungsstrafe um.

„Er war mein bester Freund. Wir haben uns täglich gesehen“, sagte der Angeklagte mit bewegter Stimme. Die Bilder vom Unfallort mochte er sich nicht ansehen. Die beiden wollten mit einer gemeinsamen Freundin eine Wohngemeinschaft gründen. Am 4. Januar hätten sie sich zu dritt getroffen, mehrere Joints geraucht, eine Ecstasy-Tablette eingenommen und drei Bier sowie ein paar Schnäpse getrunken, berichtete der 25-Jährige. Man sei in einen Club nach Rosenheim gefahren – mit dem Zug. Es sei „griabig“ gewesen, erinnerte sich der junge Mann.

Bewährungsstrafe für tödliche Drogenfahrt

Als die drei Waakirchner gegen 4 Uhr die Disco verlassen hätten, seien die beiden jungen Männer zwar betrunken gewesen, hätten aber nicht geschwankt und seien gegen 6 Uhr in ihrer Wohnung eingeschlafen, berichtete die Freundin. Nach dem Aufwachen gegen 11 Uhr habe man sich nach einem Kaffee auf den Weg zu einem Freund gemacht. „Nur etwa fünf Kilometer“ habe man fahren müssen, schätzte der Angeklagte. Er habe sich fahrtüchtig gefühlt.

Es schneite, die Straße war schneebedeckt. Bei Reichersbeuern passierte es dann: In einer lang gezogenen Rechtskurve lenkt der junge Mann das Auto nach Zeugenaussagen in Richtung Bankett. Der nicht mit ESP ausgestattete VW Polo schleuderte auf die Straße zurück und schlitterte seitlich mit der Beifahrerseite in einen entgegenkommenden SUV. Die Freundin auf der Rücksitzbank und der Angeklagte werden schwer, die beiden Insassen des SUV leicht verletzt. Der Beifahrer war nicht mehr zu retten (wir berichteten).

Angeklagter hält weiterhin Kontakt zu den Eltern seines Freundes

Die berauschende Wirkung der Drogen habe im Unfallzeitpunkt noch fortgewirkt, der Angeklagte habe deshalb „nicht mehr genügend Leistungsreserven“ gehabt, erklärte eine Sachverständige im Prozess. Das Amtsgericht Wolfratshausen hatte ihn deshalb im Dezember vergangenen Jahres wegen fahrlässiger Tötung und Straßenverkehrsgefährdung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt – ohne Bewährung (wir berichteten). Wenn ein Mensch bei einem solchen Unfall sterbe, so das Amtsgericht, sei eine Bewährungsstrafe der Öffentlichkeit nicht vermittelbar.

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Das Landgericht sah das nun anders. Neben der günstigen Sozialprognose des Angeklagten, der „in geordneten Verhältnissen“ lebe, und der Tatsache, dass er weiterhin Kontakt zu den Eltern seines Freundes halte, hob der Vorsitzende Richter hervor, dass der Getötete beim Einsteigen ins Auto wusste, worauf er sich einließ. Ganz ungeschoren kam der Angeklagte dann doch nicht davon: Er muss eine Geldauflage von 4800 Euro zahlen und dauerhafte Drogenabstinenz nachweisen. Die Staatsanwältin, die in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe zur Generalprävention für geboten gehalten hatte, wollte eine Revision nicht ausschließen.

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