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„Regionale, sichere, umweltgerechte Versorgung“: So sieht der Reichersbeurer Bürgermeister Ernst Dieckmann das örtliche Nahwärmenetz, für das seit Mitte August Leitungen verlegt werden.

Projekt in Angriff genommen

Nahwärmenetz in Reichersbeuern: Bau geht in die heiße Phase

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Die Maßnahme passt gut in die aktuelle Debatte um den Klimaschutz: Die Gemeinde Reichersbeuern nimmt beim Heizen ihrer eigenen Liegenschaften Abschied von Gas und Öl und spart damit jede Menge CO2 ein.

Reichersbeuern – Mitte August haben die Bauarbeiten am neuen Nahwärmenetz begonnen. Zum Beginn der Heizperiode soll es bereits mindestens den „Altwirt“ und die Schule versorgen, wie Bürgermeister Ernst Dieckmann erklärt. In der Folge sollen sukzessive nicht nur die weiteren kommunalen Gebäude folgen, sondern mittelfristig auch Privathäuser.

Die Heizzentrale des neuen Nahwärmenetzes wird an der Schule liegen. Hier wird laut Dieckmann eine Pelletsheizung eingebaut, über die die Grundversorgung läuft. Die Nahwärmeleitung wird dann von der Schule über Schulgasse, Tölzer Straße und Raiffeisenstraße bis zum „Altwirt“ verlaufen.

Einschränkungen auf dem Weg zu Schule und Kita

„Begonnen haben wir mit dem Leitungsbau auf dem Schulhof, damit die Arbeiten dort bis Schulbeginn abgeschlossen sind“, erklärt der Bürgermeister. Aktuell verläuft dort noch ein 1,20 Meter breiter und ebenso tiefer Graben, der aber kommende Woche wieder geschlossen sein wird. „Die Kinder werden den Schulhof ab Schulbeginn wieder nutzen können“, verspricht Dieckmann.

Zu Beeinträchtigungen werde es aber in den kommenden Wochen noch in der Schulgasse kommen. Es werde halbseitige und zeitweise auch Vollsperrungen geben. Dieckmann bittet die Eltern daher, die Kinder über Sachsenkamer Straße und Ruhpointweg zur Schule zu bringen. Er weist auch darauf hin, dass vor dem Rathaus und der Schule „nur sehr eingeschränkt“ Parkplätze zur Verfügung stehen, im Bereich des „Drachennests“ gar nicht. „Daher werden die Kindergarten- beziehungsweise Krippeneltern gebeten, in der Zeit der Bauphase auf den Parkplätzen beim Pfarrheim zu parken, um ihre Kinder in den Kindergarten zu bringen.“ Für die Behinderungen bittet Dieckmann um Verständnis.

Als Bauherr und künftiger Betreiber des Nahwärmenetzes fungiert die neu gegründete MWB Reichersbeuern GmbH & Co. KG, zu der sich die Gemeinde mit der MW Biomasse AG zusammengetan hat, einer Tochter des Maschinenrings und der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen.

Nahwärmenetz mach unabhängig von Gas aus Russland

Von den kommunalen Liegenschaften bleibt beim Nahwärmenetz vorerst nur das jetzige Rathaus außen vor. Wie berichtet ist geplant, dass die Gemeindeverwaltung in den „Altwirt“-Komplex verlegt wird. Das geht allerdings erst, wenn dort die Raiffeisenbank in einen geplanten Neubau umgezogen ist, der sich jedoch verzögert. Wie und von wem das jetzige Rathaus genutzt wird, ist noch unklar. Daher bleibt man dort fürs Erste bei der bestehenden Stromheizung. Bei Schule, Kita, Feuerwehr, „Altwirt“ und jetziger Raiffeisenbank ist die Abkehr von Gas und Öl dagegen fix.

Zudem beginnt die Gemeinde aktuell mit der Akquise weiterer Abnehmer. Finden sich innerhalb von drei Jahren in der Ortsmitte genügend private Hausbesitzer, die gerne angeschlossen werden möchten, dann wird das Nahwärmenetz zum größeren „Infrastrukturnetz“ ausgebaut, so Dieckmann. Dann würde eine Hackschnitzelheizung die Grundversorgung übernehmen.

Für die Abnehmer würde der Anschluss „eine regionale, sichere, umweltgerechte Versorgung“ bedeuten, wirbt Dieckmann. Die Gemeinde stehe als Anbieter für Seriosität, die Wertschöpfung bleibe in der Region. Holz sei zudem ein Energieträger, der in der Umgebung reichlich vorhanden ist. „Das heißt, wir machen uns unabhängig zum Beispiel von Gas aus Russland.“ Wer sich ans Nahwärmenetz anschließe, der könne sich auf einen stabilen Preis verlassen. „Aber Schnäppchenenergie ist es nicht“, räumt Dieckmann ein. „Mit den jetzigen Gaspreisen können wir nur bedingt konkurrieren, mit Heizöl schon eher.“ Ein finanzieller Vorteil sei aber: Nach dem Einbau des Wärmetauschers im Haus habe der Immobilieneigentümer keine Folgekosten mehr. Weder Wartung noch Besuche des Kaminkehrers seien dann noch nötig.

Jeder könne sich überlegen, ob der Umstieg bei ihm gerade passt – zum Beispiel, wenn ohnehin der Austausch einer Ölheizung anstehe. „So viel ich mitkriege, ist auf alle Fälle Interesse vorhanden.“ Für Oktober ist dazu eine Info-Veranstaltung geplant.

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