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Zum Einräumen des neues Bücherstadels in Sachsenkam trafen sich am Freitag unter anderem (v. li.) Gabi Günther, Kristin Steinhaus, Astrid Orthey, Christiane Demmel und Frank Orthey vom „Netzwerk Mitanand“. 

Aus Asylhelferkreis hervorgegangen

„Netzwerk Mitanand“: Ein Bücherschrank und viele Ideen für mehr Miteinander

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Mit einem Bücherstadel in Sachsenkam tritt erstmals das „Netzwerk Mitanand“ öffentlich in Erscheinung. Die Gruppierung hat aber noch viel mehr vor. 

Sachsenkam – Ihr gemeinsamer Einsatz für Geflüchtete brachte sie einst zusammen: Doch seit die Asylbewerberunterkunft am Kranzer Mitte 2019 geschlossen wurde, hat der Helferkreis Reichersbeuern/Greiling/Sachsenkam („ReiSaGrei“) in dieser Hinsicht deutlich weniger zu tun. Die Aktiven wollten die Energie aber mitnehmen. So ist aus dem Helferkreis mittlerweile das „Netzwerk Mitanand“ hervorgegangen. Der lose Zusammenschluss will sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich für die Belange der Menschen vor Ort einbringen. Erstes sichtbares Zeichen ihrer Aktivitäten ist ein Bücherstadel, der am Freitagabend bei einer kleinen Feierstunde mit Lesestoff bestückt und somit seiner Bestimmung übergeben wurde.

Krimis, Sachbücher, Romane: Im Bücherstadel ist für jeden Geschmack etwas dabei. Eine örtliche Zimmerei hat den Schrank mit mehreren Regalen günstig zusammengebaut. Nun ist er am Bushäuschen direkt vor dem neuen Sachsenkamer Schmuckstück, dem „Haus für Kinder“ an der Reutbergstraße, montiert. „Das ist ein guter Standort, weil hier viele Menschen vorbeikommen und wir so Präsenz zeigen können“, sagte am Freitag Alex Wenger vom Netzwerk. Falls sich der Platz aber aus irgendwelchen Gründen als ungeeignet erweisen sollte, ließe sich der Stadel auch leicht wieder abmontieren und woanders anbringen, ergänzte Frank Orthey, einer der Initiatoren.

Bücherstadel in Sachsenkam als öffentliche Tauschbörse für Lesestoff

Jeder, der möchte, kann sich nun aus den Regalen des Bücherstadels Lesestoff herausnehmen und entweder einfach behalten oder nach dem Lesen wieder zurückbringen. Umgekehrt kann man auch Romane und Sachbücher aus dem eigenen Bestand dort deponieren – und ihnen so die Chance auf ein zweites Leben eröffnen. Eine Art „Tauschbörse“ soll es werden – denn das passt hervorragend zum Netzwerk-Gedanken. „So einen Bücherschrank gibt es bei uns bisher nicht, und wir sehen ihn als Einstiegsprojekt, um in der Öffentlichkeit wahrnehmbar und bekannter zu werden“, so Orthey.

78 Adressen von möglichen Mitstreitern hat der Coach und Zeitforscher Orthey in seiner Kartei für Rundmails. Wer sich dann an welcher Aktivität beteiligt, das zeige sich jeweils ganz ungezwungen und spontan. „Jeder, der eine Idee hat, kann sagen: Kommt, das setzen wir jetzt um.“

„Netzwerk Mitanand“ will auch Fahrten zur Tafel und Klettern mit Jugendlichen anbieten

Konkret gebe es neben dem Bücherstadel aktuell drei Projekte: die Hilfe für eine wohnungslos gewordene Frau aus einer der Gemeinden; das Angebot zweier „Netzwerker“, Menschen mit dem Auto zur Lebensmittel-Ausgabe der „Tafel“ mitzunehmen; und der Plan von Trainer Alex Wenger, zusammen mit Jugendlichen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtungen klettern zu gehen.

Darüber hinaus wolle man künftig Gelegenheiten schaffen, bei denen sich Jung und Alt begegnen können, zum Beispiel bei einer Art „Märchenstunde“ – „passend zur 1000-Jahr-Feier“, so Orthey. Dieses Jubiläum steht heuer sowohl in Sachsenkam als auch in Reichersbeuern an. Denkbar sei außerdem Alltagsunterstützung für Familien, die durch Krankheit oder anderes in Notlagen geraten sind. Dazu werde man die Kooperation mit Gemeinde und Kindergarten suchen.

„Uns ist sehr wichtig, dass wir keine Doppelangebote schaffen“, sagt Orthey. „Vereine gibt es in den Gemeinden schon viele. Wir wollen bei dem einspringen, was die Vereine bestimmungsgemäß nicht leisten können.“

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