1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Reichersbeuern

Künstler aus dem Isarwinkel zeichnet jetzt Kult-Comicfigur

Erstellt:

Von: Katja Brenner

Kommentare

Lurchi à la Jan Reiser.
Lurchi à la Jan Reiser. © Salamander GmbH

Viele kennen ihn noch aus der eigenen Kindheit: Lurchi, den Salamander. Ab dem nächsten Heft wird die Comicfigur von einem im Landkreis nicht ganz Unbekannten gezeichnet.

Reichersbeuern/München – Die Karikaturen seines Vaters sind wahrscheinlich jedem Leser des Tölzer Kurier bestens bekannt, schließlich zeichnet Hans Reiser schon seit rund einem halben Jahrhundert für die Heimatzeitung. Sein Sohn Jan Reiser ist gewissermaßen in seine Fußstapfen getreten, auch er hat seine Berufung, das Zeichnen, zu seinem Beruf gemacht. Reiser, 1978 in Tegernsee geboren, wuchs in Gaißach, Reichersbeuern und Bad Tölz auf, wo er auch das Gymnasium besuchte. Mittlerweile lebt und arbeitet der studierte Kommunikationsdesigner als freischaffender Illustrator, Karikaturist und Comiczeichner in München. Illustriert hat er etwa einen Comic über Karl Valentin, „De Gschicht vom Brandner Kasper“ nach Franz von Kobell oder jüngst die 2019 erschienene Ausgabe von Frances Hodgson Burnetts Roman „Der Kleine Lord“.

Jan Reiser aus Reichersbeuern tritt Nachfolge des verstorbenen Luchi-Illustrators an

Sein neuster Wurf: Ab dem nächsten Heft stammt der Feuersalamander Lurchi aus Reisers Feder. Für die, die Lurchi nicht kennen: Es ist eine Comicfigur, die vom deutschen Schuhhersteller Salamander seit 1937 zu Werbezwecken verwendet wird. Kinderschuhe von Salamander werden unter dem Markennamen Lurchi vertrieben.

Illustrator Jan Reiser (43) freut sich über den Lurchi-Auftrag.
Illustrator Jan Reiser (43) freut sich über den Lurchi-Auftrag. © Jan Reiser

Der Anlass, wie Reiser zu der Ehre kam, ist ein trauriger. „Ich trete die Nachfolge des langjährigen Lurchi-Zeichners Dietwald Doblies an, der leider im Mai unerwartet verstorben ist“, schreibt der 43-Jährige online in einem Instagram-Post. Sein Vorgänger gestaltete seit 1995 55 Hefte mit dem schwarz-gelben Feuersalamander und dessen Weggefährten, verpasste den Figuren einen eigenen, etwas moderneren Duktus.

Der Salamander Lurchi gehörte auch zur Kindheit von Jan Reiser

Der Schuhhersteller suchte nach Doblies Tod einen neuen Zeichner, denn die Lurchi-Serie sollte weiterlaufen. „Ich bin direkt von Salamander kontaktiert worden“, sagt Reiser im Gespräch mit dem Kurier. Der Konzern wollte wissen, ob er nicht Lust habe, künftig Lurchi zu zeichnen. Das hatte er. Schließlich war Lurchi auch Teil seiner Kindheit. „Als Kind habe ich ein oder zwei Bücher gehabt“, sagt Reiser. Die gerieten zwar mit zunehmendem Alter etwas in Vergessenheit, als Reiser sich aber mit den Lurchi-Illustrationen seines Vorgängers befasste, war er sehr angetan. „Ich mochte seinen Stil.“

Im September bekam Reiser den Zuschlag, zuvor musste er Probeillustrationen einreichen, sich gegen seine Mitbewerber durchsetzen. Ab Ausgabennummer 166 wird das im DIN A5-Format zweimal jährlich erscheinende, zwölf Seiten umfassende Heft Reisers Handschrift tragen.

Künstler will Lurchi-Fans genauso begeistern wie Kinder, die den Salamander noch nicht kennen

Das erste Reiser-Lurchi-Heft erscheint voraussichtlich kommendes Jahr im Februar, da die Hefte jeweils mit der Frühjahr-/Sommer- beziehungsweise Herbst-/Winterkollektion auf den Markt gebracht werden. Jedes Heft besteht aus einer sechsseitigen Geschichte plus einem redaktionellen Teil, unter anderem mit Rätseln und Wissenswertem zu verschiedenen Tieren. „Ich gestalte im Prinzip das ganze Heft“, erklärt Reiser, eine Agentur aus Berlin übernimmt das Layout. Für den Inhalt, inklusive Texte, ist jedoch er zuständig.

So sieht sich Comiczeichner Jan Reiser selbst.
So sieht sich Comiczeichner Jan Reiser selbst. © Jan Reiser

Worum es in seiner ersten Lurchi-Geschichte gehen wird, möchte Reiser noch nicht verraten. „Geschichten erzählen, das kann ich schon“, so der Illustrator, „auch in kindgerechter Sprache“. Im Vorfeld stand er jedoch „ein bisschen unter Erwartungsdruck“, den er sich einerseits selbst macht – andererseits handelt es sich bei Lurchi aber um „eine traditionsreiche Serie, die wirklich viele kennen“, so Reiser. „Es gibt Fans und sogar Lurchi-Forscher, ähnlich wie die Donaldisten“, sagt er. Ihm gehe es darum, die Fans genau so mitzunehmen wie Kinder, die das Lurchi-Heft das erste Mal in der Hand halten.

Berufswunsch von Jan Reiser wurde durch den Vater geprägt

Die Arbeit seines Vaters habe ihn bezüglich seines Berufswunschs geprägt. „Dass die Kinder den Eltern immer so ein Stück nacheifern, das kennt man ja“, sagt Reiser, der seinem Vater bei der Arbeit immer gerne über die Schulter schaute. Dass seine eigenen Zeichnungen obendrein schon in jungen Jahren bei vielen gut ankamen, das bestärkte ihn in seiner Entscheidung. Er habe durch seinen Vater „gesehen, dass das ein Karriereweg ist, den man einschlagen kann“. Mit Erfolg: Schon 2003 bekam Reiser den Oberbayerischen Förderpreis für Nachwuchskünstler.

Die Gestaltung seines ersten Lurchi-Hefts hat Reiser genossen, er freut sich auf viele weitere. „Ich kann da sehr frei arbeiten“, sagt er. Zwar sind die Figuren des Lurchi-Kosmos vorgegeben, innerhalb dieses Universums könne er sich aber bestens austoben. Reiser: „Das macht sehr viel Spaß, mit den neuen Figuren zu arbeiten.“

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare