Die Tiertrauer-Experten Susanne und Christian Wolf zeigen eine Urne und ein Bild eines geliebten Haustiers.
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Die Tiertrauer-Experten Susanne und Christian Wolf möchten in Reichersbeuern ein Krematorium für kleinere Haustiere und Pferde bauen.

Gemeinderäte geben grünes Licht

Reichersbeuern: Krematorium für Tiere geplant

Im Reichersbeurer Ortsteil Kranzer soll ein Krematorium für Tiere gebaut werden. Der Gemeinderat hat jetzt die planerischen Weichen für das ungewöhnliche Vorhaben gestellt.

  • In Reichersbeuern soll ein Krematorium für Tiere gebaut werden
  • Der Gemeinderat befasste sich mit der nötigen Änderung des Bebauungsplans
  • Die ersten Weichen wurden gestellt

Reichersbeuern – Haustiere sind in Deutschland sehr beliebt. Der unausweichliche Tod eines geliebten Tiers ist für viele Menschen eine einschneidende Angelegenheit. Es dann einfach der Tierkörperbeseitigung zu übergeben, widerstrebt vielen Besitzern, die über Jahre hinweg eine emotionale Beziehung zu ihrem Haustier aufgebaut und unterhalten haben.

Wohin aber mit dem toten Tierkörper? Eine Bestattung auf dem eigenen Grundstück ist nach dem Tierkörperbeseitigungsgesetz bei kleineren Tieren wie Hunden oder Katzen erlaubt. Sie müssen tief genug eingegraben werden, und das Grundstück darf nicht in einem Wasser- oder Naturschutzgebiet liegen. Den Kadaver im Wald zu vergraben ist untersagt. Lediglich kleinere Haustiere dürfen über die Restmülltonne entsorgt werden.

Für viele Haustierbesitzer ist es undenkbar, ihren oft jahrzehntelangen Begleiter in eine Tierbeseitigungsanlage zu bringen. Eine Möglichkeit die Tiere – auch Pferde und Esel sind seit drei Jahren möglich – würdevoll zu bestatten, ist die Einäscherung in einem Tierkrematorium.

Kapazität von bis zu 20 Kleintieren und zwei Pferden pro Woche

Mit diesem Thema hatte sich am Freitagabend der Reichersbeurer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu befassen. Die Firma Tiertrauer Wolf aus Bad Tölz hatte nämlich einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes „Erdenwerk, Bauschuttrecycling, Biogasanlage und Biomasselager“ im Ortsteil Kranzer gestellt. Christian und Susanne Wolf, die in der Sitzung ihre Pläne vorstellten, wollen südlich der Biogasanlage eine Anlage zum Verbrennen von Haustieren und Pferden errichten. Das etwa sechs Meter hohe und 25 mal 15 Meter große Gebäude soll in Containerausführung aufgestellt werden. Es enthält eine Brennkammer für Pferde und eine für kleinere Haustiere.

Der Kleintierofen habe eine Verbrennungsleistung von 50 Kilogramm pro Stunde. Bei Pferden dauere die Einäscherung sechs bis acht Stunden. Christian Wolf rechnet mit einer Kapazität von etwa zehn bis 20 Kleintieren und zwei Pferden pro Woche. Die Tiere werden gebracht oder abgeholt, stark gekühlt, um den Verwesungsprozess zu unterbrechen und zeitnah innerhalb von zwei Tagen verbrannt. „Es brandelt ein wenig, wenn die Anlage in Betrieb ist“, räumte Susanne Wolf auf eine Frage nach der Geruchsbelästigung ein, wies aber gleichzeitig auf den Einbau von Filtern hin. Im Übrigen habe das überhaupt nichts mit der Geruchsbelästigung bei Abholung durch die Tierkörperbeseitigung zu tun, merkte Christian Wolf an.

Asche kann auf entsprechendem Grundstück verteilt werden

Für die Verbrennung würde Biogas aus der benachbarten Anlage verwendet. Die Asche der Tiere werde in den meisten Fällen an die Besitzer zurückgegeben. Sie könne aber auch auf einem geeigneten ansprechenden Grundstück verstreut werden, das allerdings erst noch gefunden werden muss.

Bislang wurden Kleintiere zur Einäscherung nach Oberschleißheim gefahren. Das einzige Tierkrematorium für Pferde im süddeutschen Raum befinde sich in Schwäbisch Hall. In den etwa 350 Kilometer entfernten Ort in Baden-Württemberg wurden von Tiertrauer Wolf heuer bereits zehn Pferde zur Einäscherung gebracht. Allein aus energetischen Gründen wäre daher eine Anlage im südbayerischen Raum sinnvoll, zumal die Tendenz für eine Kremation zunehmend sei. „Wir wollen regional bleiben. Der Bedarf ist da“, erklärte Susanne Wolf.

Die Reichersbeurer Gemeinderäte hätten sich gewünscht, dass das Unternehmen auch steuerlich in der Gemeinde angesiedelt wäre. Sie beschlossen dennoch mit 9:5 Stimmen die Änderung des Bebauungsplans. (Günter Platschek)

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