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Das Ortszentrum von Reichersbeuern soll ein Nahwärmenetz bekommen.

Gemeinderat

Reichersbeuern setzt auf Nahwärme

Der Reichersbeurer Gemeinderat setzt auf ein Nahwärmenetz für die Versorgung der gemeindlichen Gebäude im Ortskern. Dies ist das Ergebnis einer Grundsatzdebatte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, für die sich die Gemeinde die fachliche Unterstützung von Ingenieur (FH) Patrik Kirst von der in Freiburg ansässigen Firma Schäffler Sinnogy und Dipl. Ing. Michael Brünner von der Firma Energie System Technik (EST) aus Miesbach eingeholt hatte.

Reichersbeuern – Einbezogen in das geplante Nahwärmenetz sind Schule, Sporthalle, Feuerwehr, Kindertagesstätte, das derzeitige Rathaus, der „Altwirt“ und das jetzige Bankgebäude. Die Trassenlänge wird dabei etwa 450 Meter betragen. Schule und Sporthalle, sowie Feuerwehr und Kita sind bereits wärmetechnisch verbunden.

Positiv: Der Bau einer Nahwärmeleitung zur Grundschule ist günstiger als ein eigener Erdgaskessel. Die Bestandskessel der Grundschule könnten bereits jetzt die beiden Gebäudeteile in einer Übergangslösung mitbeheizen. Um das Nahwärmenetz zu realisieren, müsste die Gemeinde rund 350 000 Euro investieren. Ein Zuschuss in Höhe von 45 000 Euro ist dabei bereits berücksichtigt.

Da beim Betrieb des Blockheizkraftwerks (BHKW) nicht nur Wärme, sondern auch Strom anfällt, verringert sich die jährliche Belastung, die durch den Betrieb der Anlage entsteht. 15 Prozent des erzeugten Stroms können für die eigenen Belange verwendet, der Rest ins Netz eingespeist werden. Dadurch ist es der Gemeinde möglich, die Energiekosten dauerhaft zu senken und mit einer CO2-Einsparung von etwa 45 Prozent aktiv zum Klimaschutz beizutragen.

Noch mehr ins Detail ging der Vorschlag von Michael Brünner vom Ingenieurbüro EST, der drei Varianten für ein Wärmenetz vorstellte: Ein BHKW, das die gemeindlichen Liegenschaften abdeckt und mit Erdgas betrieben wird. Alternativ ein Kommunalnetz, das mit Hackschnitzel befeuert wird und neben den gemeindlichen Gebäuden auch weitere Gebäude einbeziehen würde. Der „große Wurf“ wäre ein Infrastrukturgebiet „Biomassenahwärme“ mit Landschaftspflegematerial als Brennstoff, in das deutlich mehr Gebäude einbezogen werden könnten.

Lesen Sie auch: Das plant der neue Pächter des „Altwirts“

Aus den Wortmeldungen war schnell eine Tendenz für ein Nahwärmenetz mit einem BHKW, das auf Hackschnitzeln basiert, zu erkennen. Nach Brünners Berechnungen würde eine solche Anlage je nach der Anzahl der einbezogenen Gebäude netto zwischen 450 000 und 600 000 Euro kosten – Förderungen eingerechnet. Die CO2-Reduktion würde bei 97 Prozent liegen. Finanzierung und Betrieb könnten über eine Betriebsgesellschaft abgewickelt werden, in der die Gemeinde, private Investoren und Waldbesitzer Gesellschafter sind.

In einer kurzen Debatte sprach sich das Ratsgremium für die Einrichtung einer Nahwärmeversorgung aus, die, wie Klaus Harrer betonte, aber nicht als Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnorientierung aufgestellt sein sollte. Bürgermeister Ernst Dieckmann wird bis zur nächsten Sitzung erste Vorbereitungen treffen.

Während die Maßnahme umgesetzt wird, soll ein mobiler Heizcontainer im „Altwirt“ für Wärme und Warmwasser in der Wirtschaft und im Rathaus sorgen. Außerdem befürworteten die Gemeinderäte die Empfehlungen von Patrik Kirst für eine energetische Sanierung des „Altwirts“. Aufgrund der Untersuchungen sieht Schäffler Sinnogy Handlungsbedarf bei der Wärmedämmung. Die Entscheidung muss aber die „Altwirt GmbH & Co. KG“ fällen.  ps

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