Mit Blattgold: Ein altes Bauernhaus – gemalt mit Mistfarbe.

Ausstellung

Reichersbeurer Künstler: „Kuhfladen machen gute Laune“

  • vonInes Gokus
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Der Künstler Werner Härtl aus Reichersbeuern arbeitet mit ganz eigentümlichem Material für seine Werke: Er malt Bilder aus Mist.

Reichersbeuern Künstler haben ja mitunter die verrücktesten Ideen. Doch Werner Härtl aus Reichersbeuern verbindet seine Kreativität mit etwas ausgesprochen Bodenständigem: Er malt Bilder aus Kuhmist. Noch bis zum 30. Dezember stellt er unter dem Titel „Landleben in Mist“ 30 seiner Werke im Café Gäuwagerl in Rottach-Egern aus.

Als er vor Jahren bei der Stallarbeit feststellte, dass angetrockneter Kuhmist sehr hartnäckig auf allen möglichen Untergründen haftet, war die Idee geboren, mit Kuhdung als Malmaterial zu experimentieren. Er sammelte sein Arbeitsmaterial „frisch von der Erzeugerin“ im Stall, denn der freischaffende Illustrator, Designer und freie Sprecher für Rundfunk und Fernsehen ist darüber hinaus als Betriebshelfer in der hiesigen Landwirtschaft tätig. Er sitzt also direkt an der Quelle. „Allerdings brauche ich nur ganz wenig davon“, erklärt Härtl.

Werner Härtl malt gerne mit Kuhmist. Foto: Zardock

Der Künstler vermischt den Dung mit Wasser und arbeitet damit wie mit Aquarellfarben, beziehungsweise: Er lässt den Dung arbeiten. Nach verschiedenen Experimenten mit dem mistigen Malmaterial hat er erkannt, dass es gewissermaßen für ihn arbeitet. „Es gibt viele Einschlüsse und Fremdkörper im Dung, ich lasse mich in meinem Schaffensprozess von den strukturgebenden Elementen leiten,“ sagt er. Kuhmist, so hat Härtl recherchiert, sei angeblich förderlich für das Immunsystem, er beruhige und hebe die Stimmung durch das darin enthaltene Mykobakterium vaccae. Oder wie Härtl fröhlich sagt: „Ein Kuhfladen macht gute Laune.“ Man erwirbt also quasi ein Wohlfühlbild, wenn man eins der Werke des 41-Jährigen kauft.

Themen sind naturnahe, ökologische Landwirtschaft und traditionelle Kleinbetriebe

Thematisch widmet er sich der naturnahen, ökologischen Landwirtschaft und ihren traditionellen bäuerlichen Kleinbetrieben, fern der Agrarindustrie. Landschaften, Bergmassive, Dorfansichten, alte Gehöfte und Arbeitsweisen, Tierporträts und Agrarfahrzeuge machen das Schaffen mit Mist erst stimmig. Um den Bogen auch ein bisschen zu spannen, sind die Werke hier und da mit Blattgold veredelt, quasi ein Spiel mit den Vorbehalten, die der Betrachter gegenüber dem Material mitbringen mag.

Seiner künstlerische Arbeit muss der verheiratete Vater von drei Kindern im Garten oder auf dem Balkon nachgehen; im Winter malt er in einer eigenen Kammer. Doch ihn stört das Odeur seiner Schaffenskraft wenig, er findet den Geruch des Arbeitsmaterials überschaubar.

Muss man davon ausgehen, dass ein Werk von ihm nicht nur gut anzusehen, sondern auch gut zu riechen ist? „Es verströmt Landlaune, nicht Landluft“, versichert der Maler fügt aber noch hinzu, dass von seinen Bildern nur ganz am Anfang ein bisschen was zu riechen sei, was allerdings nach einiger Zeit komplett verfliege.

„Landleben in Mist“

mit Bildern von Werner Härtl bis 30. Dezember im Café Gäuwagerl in Rottach-Egern. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr.

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