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Reisten in einem der drei Einakter „Erster Klasse“ (v. li.): Martin Bichlmaier, Franz Frauenrieder, Verena Melf, Sepp Harrer und Leonhard Sailer.

Reichersbeurer Theaterer

Von Lausbuben, Schreckschrauben und anderen Figuren

Drei Einakter von Ludwig Thoma hat sich die Theatergruppe des Reichersbeurer Trachtenvereins ausgesucht. Es gibt noch einige Gelegenheiten die Stücke zu sehen.

Reichersbeuern – Der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma ist bekannt für seinen bärbeißigen, spöttelnden und schonungslos realistischen Erzähl-Stil. Nichts entging seinen Beobachtungen und daraus resultierend seiner mehr als spitzen Feder: nicht die aus dem Alltag gewonnene Schläue der damals oft ungebildeten Bauern, nicht die Blasiertheit der eingebildeten nobleren Gesellschaftsschicht und nicht ihr wenig vorbildlicher, aber doch oft tiefgründig-amüsanter Umgang miteinander.

Das Schaffen des heimischen Künstlers zu dessen 150. Geburtstag in den Vordergrund stellen wollte die Theatergruppe des Reichersbeurer Trachtenvereins „Oberlandler“. Unter der Regie von Klaus Steinbacher wählte sie drei Einakter aus Thomas umfangreichem und vielseitigem Schaffen. Premiere war am ersten Weihnachtsfeiertag.

Da kam die ungeliebte Tante Frieda zu Besuch in die Familie ihrer Schwägerin Therese Thoma. Die Geschichten von der bissigen und missgünstigen Tante und ihrem kindlichen Widersacher Ludwig sind wohlbekannt aus den „Lausbubengeschichten“ aus dem Fernsehen. Und war im Fernsehen Hansi Kraus als pfiffiger Lausbub der große Star, war es auf der Reichersbeurer Bühne der elfjährige Thomas Bernöcker, der diese Rolle und seine Streiche mit verschmitztem Grinsen, routiniert und unbeeindruckt von den zahlreichen Zuschauern im „Altwirts“-Saal absolvierte – ein Extra-Applaus war ihm sicher.

Ihren Beifall verdient hatte sich aber auch Mama Christine Bernöcker, die mit Temperament eben jene Schreckschraube Frieda spielte und damit den Gegenpart zu Annemarie Gerg als Therese Thoma bildete.

Die Rollenverteilung war auch bei den weiteren zwei Einaktern gut gelungen: Da agierte Sepp Bichlmair als der „Hofbauer“, der sich aus guten, sprich finanziellen, Gründen beim Rechtsanwalt (Hans Niggl) erkundigt, ob denn das Gericht seine zurechtgelegten Ausreden glauben würde.

Im Eisenbahn-Abteil „Erster Klasse“ hatte Thoma all seine Muster-Charaktere auf engem Raum zusammengepfercht. Da sind das feine norddeutsche Flitterwochen-Paar von Kleewitz (dargestellt von Verena Melf und Franz Frauenrieder), der vollmundige preußische Kaufmann Stüve (Bertl Reiter), der königlich bayerische Ministerialrat von Scheibler (Sepp Harrer) sowie der selbstbewusst und deftig auftretende Landwirt und Abgeordnete Josef Filser (Leonhard Seiler) und dessen Bekannter, Ökonom Sylvester Gsottmaier (Martin Bichlmair), die sich hier wohl oder übel gegenseitig aushalten müssen.

Insgesamt hatten die Reichersbeurer Theaterer bei den drei Einaktern 14 Akteure im Einsatz – zu den bereits genannten kommen noch Johanna Preuß als Hausdame des Rechtsanwalts in „Der Hofbauer“, Christine Seiler als Marie Filser und Thomas Hochwind als Schaffner. Viel Arbeit investiert wurde außerdem in den Bühnenbau: Speziell bei der simulierten Eisenbahnfahrt sorgte man etwa für eine am Fenster vorüberziehende Landschaft und echte Rumpler bei jedem Anhalten und Abfahren des Zuges. Das Publikum belohnte den Thoma-Abend mit anhaltendem Beifall.

Weitere Aufführungen der drei Einakter gibt es an diesem Samstag, 30. Dezember, und am Freitag, 5. Januar 2018, jeweils um 20 Uhr. Zum letzten Mal hebt sich der Vorhang am Sonntag, 7. Januar 2018, dann aber bereits um 19 Uhr. Es gibt noch Karten. Rosi Bauer

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