Mit Torwarthandschuh und -kelle holt Viona Harrer natürlich normalerweise nicht die Brezen aus dem Ofen. Die frühere Nationalspielerin arbeitet in der Reichersbeurer Backstube.
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Mit Torwarthandschuh und -kelle holt Viona Harrer natürlich normalerweise nicht die Brezen aus dem Ofen. Die frühere Nationalspielerin arbeitet in der Reichersbeurer Backstube.

Kindheitstraum erfüllt

Ex-Eishockey-Nationaltorhüterin Viona Harrer: Vom Eis in die Backstube

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Sie war viele Jahre lang Torhüterin der Deutschen Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen, spielte bei den Tölzer Löwen in der zweiten Bundesliga. Jetzt tauschte Viona Harrer Torwarthandschuh und Schläger gegen Backhandschuh und Ofenschieber.

Reichersbeuern – Seit diesem Sommer arbeitet Viona Harrer bei Meier’s Familien-Bäckerei in Reichersbeuern. „Eigentlich habe ich es Corona zu verdanken“, erklärt die 34-Jährige, wie sie zu der Tätigkeit kam. Denn die Krise zog eine berufliche Zwangspause nach sich. „Ich hatte also Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, was ich eigentlich will.“ Es sei ein längerer Prozess gewesen. „Nach meiner sportlichen Tätigkeit habe ich gemerkt, dass ich im Büro eher unglücklich bin.“ Der Sport sei für sie die Erfüllung gewesen. „Ich wollte also etwas finden, was für mich ähnlich erfüllend ist.“

Während der Krisenzeit im Frühjahr habe sie viel zu Hause in der Küche gearbeitet. „Wie wahrscheinlich viele Menschen“, sagt sie lachend. „Aber für Ernährung habe ich mich immer schon interessiert.“

Da habe sie im Sommer gelesen, dass die Reichersbeurer Bäckerei jemanden suche – „auch ungelernt“. Denn mit ihrem eigentlichen Abschluss im Sportmanagement hat die Tätigkeit nichts zu tun. „Aber ich hab’ gedacht, probieren kann ich es ja mal.“ Bäckerei-Chef Florian Meier habe ihr vorgeschlagen, mal eine Woche mitzuarbeiten, um zu sehen, ob es für beide Seiten passe. Es passte. „Also bin ich gleich geblieben“, sagt Viona Harrer. An drei Tagen die Woche hilft sie jetzt in der Backstube aus. Sie habe eine Beschäftigung für vormittags gesucht, um nachmittags für ihr Kind da sein zu können. Während der Dienstbeginn am Dienstag (8 Uhr) und Freitag (6 Uhr) noch human ist, steht Viona Harrer am Samstag ab 3 Uhr in der Backstube. Ihr mache das aber nichts aus. „Mir kommt das entgegen. Ich hab’ immer gemerkt, dass meine Leistungskurve am Nachmittag eher nach unten geht.“ Als Bäckergehilfin arbeite sie voll mit. Da heißt es Brezen drehen, Teige nach dem richtigen Gewicht abstechen, Semmeln in den Ofen schieben oder in der Konditorei mit den Kuchen helfen. „Samstags ist auch immer viel Putzarbeit dabei.“

Weihnachten sei eine der Hochphasen in der Bäckerei. „Platzal sind schon viel Kleinarbeit. Man verdient nicht viel damit, aber sie gehören trotzdem dazu.“ Eine weitere heiße Phase – so habe man es ihr erzählt – sei dann der Fasching mit den Krapfen.

Was sie am Bäcker-Handwerk begeistert? „Man arbeitet am Morgen, es riecht immer gut und es ist warm“, sagt sie lachend. Momentan sei sie sehr zufrieden mit der Arbeit. Sie habe sich auch schon informiert, welche Möglichkeiten es gebe, als Externe einen Abschluss zu machen. „Das könnte ich mir gut vorstellen.“ Der Beruf sei allerdings körperlich auch sehr fordernd.

Wie es auf dem Eis weiter geht, weiß sie derzeit noch nicht. Eigentlich trainiert sie den Torwart-Nachwuchs des EC Bad Tölz und des SC Reichersbeuern und ist als Honorartrainerin beim Deutschen Eishockeybund tätig – unter anderem bei der U18-Frauen-Nationalmannschaft. Doch in diesem Jahr fielen die meisten Lehrgänge der Corona-Krise zum Opfer.

Sie selbst spielt noch für die Frauen-Mannschaft des ECT in der Landesliga. „Aber diese Saison ist glaube ich auch gelaufen.“ In der Zwischenzeit wird Viona Harrer weiterhin ihrem Kindheitstraum nachgehen und in der Backstube stehen.

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