Dieses Haus in Reichersbeuern ist vor sechs Jahren die „Villa Südwind“ geworden.
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Dieses Haus in Reichersbeuern ist vor sechs Jahren die „Villa Südwind“ geworden.

Bilanz nach sechs Jahren

Wie eine große Familie: Ein Besuch im Reichersbeurer Kinderheim „Villa Südwind“

  • VonElena Royer
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Seit sechs Jahren gibt es in Reichersbeuern ein Kinderheim. In der „Villa Südwind“ finden Mädchen und Buben ein neues Zuhause - zumindest vorübergehend.

Reichersbeuern – Freundlich sieht das rosa Haus mit dem großen Balkon in der Bahnhofstraße in Reichersbeuern aus. Dass es sich bei dem Haus um ein Kinderheim handelt, darauf würde man nicht sofort kommen. Und auch beim Eintreten lassen die vielen Schuhe und Jacken in verschiedenen Größen im Eingangsbereich eher auf eine Großfamilie schließen.

Bilanz nach sechs Jahren fällt durchweg positiv aus

Wie eine große Familie. So leben die neun Kinder in der „Villa Südwind“ zusammen. Seit 2015 steht das Haus in Reichersbeuern. Bis sie volljährig sind, können Kinder aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen in der heilpädagogischen Wohngruppe ein Zuhause finden und werden von Erziehern und Sozialpädagogen betreut. Jetzt, nach sechs Jahren, zieht Camilla von Berg, die Leiterin des Kinderheims, für den Tölzer Kurier Bilanz. Und die fällt insgesamt durchweg positiv aus.

Kinder und Jugendliche kommen beispielsweise in die „Villa Südwind“, wenn sich ihre Eltern aufgrund von eigenen Problemen nicht um sie kümmern können. „Ganz wichtig ist: Wir verurteilen die Herkunftsfamilien nicht“, erklärt Camilla von Berg. „Die Eltern werden immer die Eltern bleiben“, erklärt sie. „Die Kinder sehen ihre Eltern auch regelmäßig, und die Rückführung in die Familie ist das oberste Ziel.“ Trotzdem freut sich von Berg, dass die Kinder die „Villa“ als ihr Zuhause bezeichnen.

„Wir wollen die Eltern nicht ersetzen und wissen, dass wir nicht wie Eltern sind.“

Vor sechs Jahren hat sich von Berg zur Eröffnung des Kinderheims entschlossen. Davor war sie jahrelang Pflegemutter und hat Kinder in Heime gebracht. „Aber die Heime waren oft nicht optimal“, sagt sie. Und auch in Pflegefamilien bekomme man oft die „Rivalität der leiblichen Eltern“ zu spüren. „Das wollen wir hier nicht“, sagt von Berg. „Wir wollen die Eltern nicht ersetzen und wissen, dass wir nicht wie Eltern sind.“

Sie ist zufrieden: Camilla von Berg in der Küche der „Villa Südwind

In der „Villa Südwind“ wird dagegen auf ein familienähnliches Konzept gesetzt. Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer, das es nach seinem Geschmack einrichten kann. Auch darüber hinaus soll den jungen Bewohnern viel geboten werden. Sie können zum Beispiel Musik- oder Reitstunden besuchen. Praktisch ist, dass die Villa ein eigenes Pferd hat. „Das ist vor allem ein Therapiepferd, aber man kann auch Reitstunden mit ihm realisieren“, erklärt von Berg. „Wir versuchen, Erlebnispädagogik mit Tieren zu ermöglichen.“

Bei vielem ist die „Villa Südwind“ auf Spenden angewiesen

Solche Aktivitäten kosten Geld. Das Heim finanziert sich durch Tagessätze vom Jugendamt. Da die aber knapp sind, ist die „Villa Südwind“ vor allem auf Spenden angewiesen. „Diese legen wir in Therapie, Weiterbildung und Hausaufgabenbetreuung an“, so die Leiterin der „Villa“. „Schulisch fördern wir extrem. Die Kinder besuchen alle höhere Schulen“, sagt von Berg. „Wir legen auch viel Wert auf Bewegung und Natur und versuchen, den Kindern alles zu ermöglichen.“ Doch das geht nicht immer. „Für zwei Kinder wäre der Skiclub optimal, aber der ist zu teuer. Und für so was darf man spenden“, sagt die Leiterin des Kinderheims.

Neue Mitarbeiter werden gesucht

Bald stehen in der „Villa Südwind“ personelle Änderungen an, berichtet von Berg. Denn wegen Schwangerschaft oder Renteneintritt verlassen einige Mitarbeiter die „Villa“. „Wir brauchen daher neue Mitarbeiter“, erklärt die Leiterin. „Aber sonst sind alle noch von Anfang an da“, sagt sie. „Das spricht für das Haus als Arbeitsplatz.“

Doch auch bei den Bewohnern der Einrichtung gibt es eine Veränderung: Ein Mädchen verlässt das Haus zum Jahreswechsel. „Sie ist jetzt 18 und geht in ihre Familie zurück“, erklärt die Leiterin. Sie betont aber, dass die Kinder immer wieder zur „Villa“ zurückkehren können.

Kontakt & Spenden

Wer Interesse hat, in der „Villa Südwind“ zu arbeiten, kann sich unter der Telefonnummer 0177/7 77 98 98 oder via Mail an villa-suedwind@web.de bei Camilla von Berg melden. Spenden für die Villa Südwind sind auf dieses Konto möglich: Villa Südwind gemeinnützige UG, IBAN: DE87 4306 0967 8217 9832 00

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