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Wie weiland bei Franz Josef Strauß: Wenn Hans Kappelsberger ans Rednerpult trat und loslegte, dann jubelte das Festzelt. Mit seiner Leidenschaft und Überzeugungskraft rettete er die Brauereigenossenschaft Reutberg.

Nachruf   

Der Retter des Reutbergs ist tot

Im Isarwinkel trauert man um Hans Kappelsberger. Der Retter der Klosterbrauerei Reutberg starb im Alter von 88 Jahren.

Reutberg– An einem Vormittag irgendwann in den 1990er-Jahren in der Redaktion des Tölzer Kurier: Die Tür geht auf und ein stämmiges Mannbild drückt sich mit einem Tragl Bier herein. Nicht irgendein Bier. Josefibock. Reutberger Josefibock. Und der Überbringer der süffigen Botschaft war Hans Kappelsberger, der dem Tölzer Kurier spätestens seit dem Jahr 1989 recht verbunden war. Im September hatte die Zeitung Pläne des Ordinariats öffentlich gemacht, wonach die Pacht für die Klosterbrauerei Reutberg um 430 Prozent erhöht werden sollte und ein Münchner Bier-Multi zur Übernahme bereitstand.

Daraufhin schlug die große Stunde des Langerbauern von Helfertsried, der in den Monaten darauf zum vielbejubelten Retter der Genossenschaftsbrauerei wurde. In der Nacht zum Donnerstag ist Kappelsberger im Alter von 88 Jahren friedlich eingeschlafen.

„Mit Leib und Seele Landwirt“ beschreiben Weggefährten Hans Kappelsberger, der aus Bairaiwies („zum Lederer“) stammte und 1956 beim Langerbauern in Helfertsried/Dietramszell einheiratete. Vergangenes Jahr durfte er dort mit seiner Frau Elisabeth noch Diamante Hochzeit feiern. Aus der Ehe entsprangen sechs Söhne.

Aus der Jugend stammt ein Erlebnis, das der leidenschaftliche Imker auch später noch gerne erzählte. Damals erstieg er in der Kurzn einen Baum, um einen Bienenschwarm herunterzuholen. Beim Herabsteigen fiel ihm der Eimer samt Schwarm herunter und er wurde so zerstochen, dass es bald kritisch geworden wäre.

Man darf in der Rückschau schon fragen, was wäre ohne ihn aus der Klosterbrauerei Reutberg geworden? Kappelsberger wurde 1959 Mitglied der Brauereigenossenschaft. Seit 1924 waren vor allem Bauern gemeinsam Inhaber der Klosterbrauerei. Das kleine Unternehmen hatte einen schweren Stand. Es war Mitte der 1980er-Jahre so heruntergewirtschaftet, dass Fusionspläne mit Holzkirchen geschmiedet wurden, und das Ordinariat hinter dem Rücken der ahnungslosen Genossen den Verkauf erwog.

Seit Oktober 1987 war Kappelsberger Vorstand und führte das Unternehmen seitdem gewitzt, unbeugsam und mit mitreißender Leidenschaft Schritt für Schritt aus der Talsohle heraus. „Privat derft’s macha, wos z’wollt’s, aba beim Bier mog i koa Fremdgehn“, pflegte er bei jeder Gelegenheit für Reutberg zu werben.

Legendär sein Talent als Redner, wenn er in Strauß’scher Manier loslegte und das ganze Festzelt begeistert jubelte. Im Vorstand erzählt man sich immer noch staunend die Geschichte, als Hans Kappelsberger einen Bilanzverlust dem Publikum derart anpries, dass er immerhin nur halb so groß wie im vergangenen Jahr gewesen sei. Die Leute feierten das halb leere Glas genau frenetisch wie später das prall gefüllte. Heute steht die Klosterbrauerei Reutberg prächtig da und genießt so etwas wie Kultstatus.

Seit 2001 war Kappelsberger Ehrenvorstand der Brauereigenossen. Sein Engagement ging weit über Reutberg hinaus. Er war Gemeinderat, CSU-Ortsvorsitzender, Raiffeisen-Aufsichtsrat, Hechenberger Trachtenvorstand, Mitglied der Viehzuchtgenossenschaft und der Kirchenverwaltung. Dazu wie gesagt Imker. Und passionierter Schafkopfer. Er hat, kurzum, Gemeinde- und Vereinsleben in Dietramszell geprägt.

Requiem mit anschließender Beerdigung ist am Montag, 6. März, um 10 Uhr in Hechenberg.

Christoph Schnitzer

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