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Amtsgericht

„Die Sache ist mehr als aus dem Ruder gelaufen“

Bad Tölz/Wolfratshausen – Der Besuch des Play-off-Spiels zwischen den Tölzer Löwen und dem EC Peiting am 18. März hatte für einen 49-jährigen Tölzer eine unerfreuliche Verlängerung. Statt die paar hundert Meter vom Eisstadion bis zu seiner Wohnung zu Fuß zurückzulegen, setzte er sich ans Steuer seines Lada. Mit knapp zwei Promille Alkohol im Blut. 

Zwei Polizisten beobachteten ihn dabei und nahmen ihn mit auf die nahegelegene Polizeiinspektion. Dort benahm sich der Tölzer derart daneben, dass er sich nicht nur wegen der kurzen Trunkenheitsfahrt verantworten musste, sondern auch wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und falscher Verdächtigung.

„Ich hab’ einen Rausch gehabt, aber einen ordentlichen“, erklärte der Angeklagte, der nach eigenen Angaben „zehn Halbe und drei bis fünf Schnäpse“ konsumiert hatte. „Aber so extrem ist mir das nicht vorgekommen“, bemerkte er, nachdem zwei Polizeibeamte im Gerichtssaal die Nacht noch einmal hatten Revue passieren lassen.

Demnach hatte der 49-Jährige sich zunächst geweigert, seine Papiere auszuhändigen und sich massiv gegen die Blutentnahme gewehrt. „Wir mussten ihn mit mehreren Kollegen am Boden fixieren, damit der Arzt ihm die Blutprobe entnehmen konnte“, erzählt ein Beamter. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, hätte er nach Hause gehen sollen. Doch draußen vor der Inspektion flippte der Mann dann noch mal aus. „Er warf sich zu Boden, schlug drei Mal seinen Kopf aufs Pflaster und schrie dabei laut um Hilfe“, schildert ein Zeuge. Daraufhin verbrachte der Betrunkene die Nacht in der Ausnüchterungszelle. „Er war verbal ziemlich aggressiv“, bestätigte der Polizist, den der Angeklagte als „blöden Wichser“ bezeichnet hatte. Als der Mann am nächsten Morgen entlassen wurde, erstattete er gegen die in der Nacht beteiligten Beamten Anzeige wegen Körperverletzung. Vor allem wegen dieses „erheblichen Vorwurfs, der für die Polizisten gravierende Konsequenzen haben kann“, beantragte die Staatsanwältin eine Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro (150 Tagessätze zu je 40 Euro). Das erschien dem Tölzer arg viel. „Das wird ja brutal heiß gekocht“, merkte er an und bat den Richter: „Kann man das nicht so abwickeln, dass nur 90 Tagessätze rauskommen?“ Dann bliebe dem Kraftfahrer nämlich ein Eintrag ins Führungszeugnis erspart. Richter Helmut Berger kam ihm entgegen und verhängte 90 Tagessätze zu je 35 Euro, insgesamt 3150 Euro. „Die Sache ist mehr als aus dem Ruder gelaufen. Das war Widerstand in einem Maße, das nicht mehr tolerabel war“, hielt er dem Angeklagten vor. Dass die Strafe dennoch deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft blieb, begründete Berger damit, dass wegen des hohen Alkoholpegels „verminderte Steuerungsfähigkeit nicht ganz auszuschließen“ sei.

Rudi Stallein

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