Ein prächtiger Kirchenzug formierte sich am Sonntagmorgen vor dem „Altwirt“. Das Bild zeigt den Nachwuchs des Trachtenvereins.
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Ein prächtiger Kirchenzug formierte sich am Sonntagmorgen vor dem „Altwirt“. Das Bild zeigt den Nachwuchs des Trachtenvereins.

Gottesdienst und geselliges Beisammensein statt Festtage

1000 Jahre Sachsenkam: „Eine alte, aber jung gebliebene Gemeinde“

Die Gemeinde Sachsenkam feiert heuer ihr 1000-jähriges Bestehen. Ein Gottesdienst und geselliges Beisammensein ersetzen die Festtage.

Sachsenkam – Tausend Jahre sind – gemessen an einem Menschenleben – eine lange Zeit. Eine Zeit ständigen Wandels und nicht immer menschenfreundlicher Bedingungen. Wenn ein Ort und seine wechselnden Bewohner 1000 Jahre lang all die auftreffenden Herausforderungen überdauert haben, ist das wahrlich ein Grund zum Feiern. Und weil die Corona-Pandemie das geplante dreitägige Fest im eigentlichen Jubiläumsjahr 2020 verhindert hat und auch heuer diesbezüglich kaum Spielraum für größere menschliche Ansammlungen ist, feierten die Sachsenkamer am Sonntag nun in kleiner Version ihre inzwischen „1000 + 1-jährige“ Ortsgeschichte.

Am Morgen formierte sich vor dem „Altwirt“ der Kirchenzug: Voran die Blasmusik, Bürgermeister und Gemeinderat, Frauen in Tracht, die Vereine mit ihren Fahnenabordnungen, Dorfleute im Sonntagsstaat. Am Kriegerdenkmal wurde Halt gemacht, um den Gefallenen und Vermissten, aber auch allen verstorbenen Bürgern, die sich für den Ort und die Mitmenschen engagiert haben, ein ehrendes Gedenken zu widmen. Drei Salutschüsse und drei gespielte und gesungene Strophen vom „guten Kameraden“ begleiteten die Zeremonie.

Die Fahnen der Ortsvereine senkten sich beim Totengedenken am Kriegerdenkmal.

Gottesdienst bei strahlendem Spätsommerwetter

Danach führte der Zug zum Gemeindegarten vor dem Rathaus, wo ein mit leuchtendem Blumenschmuck bestückter Feldaltar aufgebaut war. Dass sich trotz der mäßigen Wetterprognose zumindest der Vormittag noch als strahlender Spätsommertag präsentierte, war wohl ein gewisses Trostpflaster für die sozusagen zwangsverspätete Jubiläumsgemeinde. Musikalisch mitgestaltet von der Blasmusikformation, zelebrierte Pfarrer Jiri Tesar die Festmesse.

Bürgermeister Andreas Rammler spannte im Anschluss einen kurzen, aber prägnanten Bogen über den Werdegang von Sachsenkam. Intensive Recherchen hätten ergeben, dass der in seiner ältesten Überlieferungsform als „Sassincheim“ bezeichnete Ort in seinem Ursprung schon gut zweihundert Jahre älter sein dürfte. Für die jetzige Feier beziehe man sich auf die urkundliche Erwähnung vor nunmehr 1001 Jahren in den „Tegernseer Verlustlisten“, sagte Rammler. „1000 Jahre, das sind etwa 50 Generationen von Menschen. Sie haben sich den Herausforderungen des Lebens gestellt und versucht, sie zu meistern. Dadurch wurde Sachsenkam zu dem, was es heute ist.“

Die meisten Veränderungen in jüngster Zeit

Die Jahrzehnte der jüngsten Vergangenheit seien zweifellos der schnelllebigste Zeitraum mit den meisten Veränderungen gewesen. So habe sich etwa die Einwohnerzahl von 700 im Jahr 1950 auf jetzt rund 1300 verdoppelt. Umgekehrt sei die Zahl der Milchbauern im Dorf von zirka 50 im Jahr 1955 auf heute sechs zurückgegangen, sagte Rammler. Als einschneidende politische Maßnahmen für die Weiterentwicklung des Ortes zählte der Bürgermeister die Flurbereinigung und den Bau der Umgehungsstraße vor rund 50 Jahren, den Bau der Ortskanalisation, die Ansiedlung der Firma Hawe sowie die Ausweisung des Gewerbegebietes in den 1990-er Jahren auf.

Bürgermeister Andreas Rammler (li.) bei der Festansprache über die Dorfgeschichte. Er sparte nicht mit Dank.

Wie könnte die Zukunft aussehen? Könnte eine 1000 Jahre alte Gemeinde Gefahr laufen, selbst in die Jahre zu kommen? Nein, meinte Rammler. „Sachsenkam ist eine alte, aber jung gebliebene Gemeinde.“ Traditionen würden gepflegt, aber auch Neuem stünde man aufgeschlossen gegenüber.

„Wir können stolz sein auf das Erreichte“

Danken wolle er allen Ortsvereinen und allen ehrenamtlichen Mitstreitern, die wichtige Säulen der dörflichen Lebendigkeit seien. „Wir können stolz sein auf das Erreichte. Doch der Rückblick auf die Anfänge soll uns auch mit Demut und Ehrfurcht vor den Menschen erfüllen, die hier siedelten, arbeiteten und blieben und Sachsenkam zu ihrer und unserer Heimat machten. Dieses Erbe wollen wir erhalten und weiterführen.“

Besonderen Dank richtete der Bürgermeister an die Autoren des Buches „Sachsenkam – Geschichte, Geschichten und Bilder aus unserem Dorf“, das eigens zur Tausendjahrfeier herausgebracht wurde. Erst beim Verfassen dieses Bandes – da waren die Vorbereitungen für das große Fest schon angelaufen – war man auf ein Dokument mit der schriftlichen Nennung Sachsenkams im Jahr 1010 gestoßen, also zehn Jahre früher als in den Tegernseer Verlustlisten. Aber was sind schon 10 Jahre in der weiten Spanne eines Millenniums?

Zum weltlichen und geselligen Teil des außergewöhnlichen Festtages ging es am Sonntag dann zum „Neuwirt“. Die aufgezogenen Wolken hielten über dem Biergarten am Nachmittag noch dicht, so dass die Sachsenkamer einige Zeit beisammen sitzen konnten. (Rosi Bauer)

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