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Turbulente Zeiten: Am Kloster Reutberg sind derzeit viele Fragen offen. Eine ehemalige Nonne wehrt sich jetzt gegen ihre Kündigung als Angestellte für die Landwirtschaft. 

Arbeitsgericht Holzkirchen

Kloster Reutberg fällt mit Kündigung auf die Nase

Vor dem Arbeitsgericht in Holzkirchen hat die Landwirtschaftsmeisterin des Klosters Reutberg, eine ehemalige Nonne, jetzt Recht bekommen. Zu einer Einigung mit der Ordensgemeinschaft ist es aber noch nicht gekommen.

Sachsenkam/Holzkirchen – Über dem Richtertisch am Arbeitsgericht Holzkirchen hängt ein Ölbild mit einer friedvollen, arkadischen Landschaft, die das Weideland bei Wallgau mit dem Barmsee und der Wettersteinwand im Hintergrund zeigt. Auch der Reutberg könnte so eine Idylle sein, würde da nicht gerade eine juristische Auseinandersetzung um die Kündigung der Landwirtschaftsmeisterin toben, ausgesprochen durch die vom Vatikan eingesetzte Kommissarin.

In dem Verfahren hat Richter Reinhard Schlicker jetzt der Klägerin recht gegeben und festgestellt, dass die außerordentliche Kündigung vom 24. September vergangenen Jahres „das zwischen den Parteien bestehende Arbeitsverhältnis nicht beendet hat und es unbefristet fortbesteht“. Zu einer vom Richter mehrfach angeregten gütlichen Einigung („in der Hinsicht bin ich jetzt mit meinem Latein am Ende“) ist es demnach nicht gekommen.

Die Ordensfrau selbst war wegen Erkrankung nicht zum Gerichtstermin erschienen und ließ sich durch ihren Anwalt Dominik Zuschlag vertreten. Sieben anwesende Prozessbeobachter machten kein Hehl aus ihren Sympathien für die Klägerin.

Dieser Erfolg für die gekündigte Landwirtschaftsmeisterin hatte sich bereits in der mündlichen Verhandlung angedeutet, als der Richter der Arbeitgeberseite viele kritische Fragen zur Ausgestaltung des Arbeitsvertrags und zu den Gründen für diese Kündigung gestellt hatte. Die Klägerin, die bis vor einigen Jahren selbst zum Reutberger Ordenskonvent gehört hatte und sich schon als Nonne um die dortige Landwirtschaft mit 43 Hektar Grünland und gut 40 Rindern in Muttertierhaltung gekümmert hatte, war aus dem Orden ausgetreten und hatte geheiratet.

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Seit Oktober 2019 ist die Landwirtschaftsmeisterin im Krankenstand und absolviert gegenwärtig eine ambulante Reha-Maßnahme. Sie war aber zur Verhandlung persönlich erschienen. Das Kloster organisiert die Betreuung der Tiere dem Vernehmen nach inzwischen in Eigenregie.

Die von der Apostolischen Kommissarin in ihrer wahrgenommene Funktion als Geschäftsführerin und damit Bevollmächtigte des Klosters ausgesprochene Kündigung begründete der Anwalt des beklagten Klosters damit, dass die Landwirtschaft am Reutberg in der bestehenden Form unrentabel, also ein „Minusgeschäft“ sei. Eine aussagekräftige Bilanz lag dazu allerdings nicht vor. Wie eine Expertise des Amts für Landwirtschaft ergeben habe, genüge demnach für die Betriebsgröße eine Dreiviertel-Planstelle anstelle der von der Klägerin ausgeübten Vollzeitstelle. Der mit der Kündigung angestrebte Wegfall des Arbeitsplatzes sei „eine unternehmerische Entscheidung“. Stattdessen strebe das Kloster eine Fremdvergabe an. Anwalt Dominik Zuschlag: „Eine Fremdvergabe wäre sehr viel günstiger.“

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In der mündlichen Verhandlung wurde deutlich, dass der bestehende Arbeitsvertrag einige Unschärfen aufweist, auf die der Tölzer Kläger-Anwalt Dr. Jost Hartman-Hilter mehrfach hinwies, insbesondere hinsichtlich des geldwerten Vorteils für die Arbeitnehmerin, der sich aus der steuerfreien Überlassung einer Dienstwohnung ergebe.

Ob das Urteil rechtskräftig wird oder eine der Parteien in Berufung geht, ist noch nicht bekannt.

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