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Bequemer Einst ieg ins Wasser und beliebter Platz zum Sonnen: Die Badestege am Kirchsee sind weiter öffentlich zugänglich.

Wo der Spaß (nicht) baden geht

Badestege und Badeinseln: Wo sie gesperrt werden - und wo nicht 

Während einige Städte und Gemeinden aus Angst vor Regressforderungen Badestege sperren, setzen andere Kommunen auf die Eigenverantwortung der Schwimmer – noch.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das Thema schlägt aktuell im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau hohe Wellen: Die Städte Weilheim und Penzberg haben Badestege am Dietlhofer See sowie am Kirnberger und Eitzenberger Weiher gesperrt – aus Angst vor Haftungsansprüchen. Anlass ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das beim Betrieb von Flößen und Badestegen in öffentlichen Freibädern eine durchgehende Beaufsichtigung fordert. Auch in Dießen am Ammersee wurden deshalb bereits Badeinseln und eine Rutsche entfernt. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dagegen herrscht derzeit die Einstellung vor, sich in dieser Hinsicht nicht einschränken zu lassen.

„Bei uns ändert sich überhaupt nichts“, positioniert sich Münsings Bürgermeister Michael Grasl. Im Gemeindebad an der Nördlichen Seestraße wurde vor drei Jahren ein Badefloß installiert. „Wir sollten bei diesem Thema die Kirche im Dorf lassen und nicht in den Aktionismus einsteigen“, sagt der Rathauschef. Es handle sich bei der Badeinsel nicht um ein selbst gebasteltes Floß, sondern um eine sorgfältig geprüfte Konstruktion. Noch nie habe es Beschwerden oder Verletzungen gegeben. „Wir möchten uns nicht in die Situation begeben, ständig Angst zu haben und uns vor allem absichern zu müssen“, sagt Grasl. Die Verantwortung, die Kinder im Blick zu behalten und die Sprösslinge für Gefahren zu schulen, obliege nach wie vor den Eltern. „Wir bewahren jetzt erst mal Ruhe und nehmen den Familien nicht den Spaß“, so Grasl.

Gemeinde Schlehdorf lässt Badestege am Kochelsee offen

Johann Schneil, Bürgermeister der Kirchsee-Gemeinde Sachsenkam, ist das Urteil des Bundesgerichtshofs zwar bekannt. Zumindest bislang bezog er es aber nicht auf den Kirchsee, „denn wir betreiben dort keine Wasserrutschen oder Badeinseln. Wir verlangen auch keinen Eintritt – nur die Parkgebühr.“ Was am Kirchsee aber sehr wohl existiert, sind zwei öffentliche Badestege. „Sie in Schuss zu halten, das hat uns bis dato schon viel Geld gekostet.“ Falls es sich bestätigen sollte, dass dort eine Aufsicht nötig wäre, dann wäre das für die Gemeinde nicht leistbar, so Schneil.

Einen Badesteg und zwei Badeinseln – am alten Sportplatz und am „Gmoala Badeplatz“ – betreibt die Gemeinde Schlehdorf am Kochelsee. „Und das belassen wir auch so“, erklärt Bürgermeister Stefan Jocher – „weil ich das alles übertrieben finde“. Das Risiko, dass etwas passiert, sei gering. Die Gemeinde Kochel hat nach Auskunft von Rathaus-Geschäftsführerin Nicole Lutterer keinen eigenen Steg am Kochelsee.

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Konsequenzen aus dem Urteil hat hingegen der Bürgermeister der Nachbarkommune Großweil gezogen, und zwar im gemeindlichen Naturschwimmbad. „Die Schwimminsel aus Kunststoff, die wir jedes Jahr eingesetzt haben, lassen wir heuer vorsorglich heraußen“, erklärt Bürgermeister Manfred Sporer. Das Naturschwimmbad kostet keinen Eintritt, und es gibt auch keine Badeaufsicht. Natürlich sei es insbesondere für Kinder und Jugendliche schade, dass diese Besonderheit wegfalle. „Aber je kleiner eine Kommune ist, desto schwieriger ist es, eine Badeaufsicht zu beschäftigen.“ Und selbst wenn: Dann müsse man zudem einen Zaun um das Freibad ziehen, damit es außerhalb der Arbeitszeiten der Aufsicht niemand betritt. „All das würde immense Kosten bedeuten.“

Badeplattform im Sylvenesteinsee liegt unmittelbar vor Wasserwacht-Hütte

Da das Urteil nun einmal existiere, „kann man es nicht einfach außer Betracht lassen“, findet Sporer. „Im Fall der Fälle ist man sonst schnell der Gelackmeierte.“ Persönlich stelle er sich beim Thema Haftung freilich schon die Frage: „Wo fange ich an, wo höre ich auf?“

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Öffentlich zugänglich bleibt unterdessen die Badeplattform im Sylvensteinsee. Sie gehört der Wasserwacht, liegt unmittelbar vor deren Hütte – und ist somit in der Praxis bestens beaufsichtigt. „Da hat sich in den letzten zehn Jahren noch nie was gefehlt“, sagt der Vorsitzende Korbinian Landthaler.

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Der Bibisee zwischen Geretsried und Königsdorf befindet sich in privater Hand. Seeeigentümer Cornelius Kutschke empört die Situation. „Auf jeder Straße geht es gefährlicher zu, dagegen müsste man etwas tun“, sagt er. Stattdessen entschlössen sich „ein paar Idioten aus der Politik“ zu Maßnahmen, die den Badebetrieb einschränken. „Immerhin war der Badeunfall, auf dem das Urteil beruht, ein Einzelfall“, argumentiert Kutschke. Wer im See schwimmen geht, sei für sich selbst verantwortlich. „Für den Fall der Fälle haben wir für Rechtsfragen aber einen guten Mann an der Hand.“

Leonora Mitreuter/Andreas Steppan

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