Lud zum Austausch ein: die FDP-Bundestagskandidatin Béatrice Vesterling (re.). Nach Sachsenkam kamen (v.li.) ein Paar aus Holzkirchen und Antje Helmers sowie (stehend) Simon Roloff und Albert Duin.
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Vor der Bundestagswahl lud Beatrice Vesterling (re.) zum Austausch ein. Nach Sachsenkam kamen (v.li.) ein Paar aus Holzkirchen und Antje Helmers sowie (stehend) Simon Roloff und Albert Duin.

Bürgernaher Austausch

Bundestagswahl 2021 in Bad Tölz-Wolfratshausen: Spaziergang mit FDP-Kandidatin Béatrice Vesterling

Zu einem Spaziergang mit Diskussion hatte die FDP-Direktkandidatin Béatrice Vesterling ihre Wähler aus dem Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach eingeladen. Die Resonanz war gering.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Parkplatz am Kloster Reutberg ist hoffnungslos überfüllt. Aber all die vielen Menschen hat es am sonnigen Sonntagnachmittag doch eher an den Kirchsee oder in den Biergarten gezogen. Die Einladung der FDP-Bundestagskandidatin Béatrice Vesterling, die für den Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach kandidiert und zum bürgernahen „Walk & Talk“ (deutsch: Gehen und Reden) gebeten hat, trifft auf wenig Resonanz.

Bundestagswahl 2021 in Bad Tölz-Wolfratshausen: Spaziergang mit Béatrice Vesterling (FDP)

So steht sie, zehn Minuten vor dem angekündigten Termin, noch völlig alleine inmitten der abgestellten Autos. Das heißt, ganz alleine ist sie nicht. Ein schwarzer Pudel wuselt aufgeregt um sie herum. „Mein Wahlkampfhund“, stellt sie ihn vor. Aha – in schwarz: Das lässt ja tief blicken. „Gelbe Hunde waren aus“, sagt die Politikerin.

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Geboren 1961 in Düsseldorf, lebt sie seit 1993 in Bayern. Sie ist geschieden und hat eine Tochter. Die Krankenkassenbetriebswirtin ist 2009 in die FDP eingetreten. Aus ihrem Wohnort Holzkirchen kommen auch die ersten Walk-und-Talk-Interessenten, ein mit Vesterling bekanntes Paar. „Wir finden das eine schöne Idee für ein ungezwungenes Beisammensein. Und außerdem hat man die Möglichkeit, andere Leute kennenzulernen“, erläutern sie. Tja, dazu müssten allerdings erst noch ein paar Leute kommen…

Bundestagswahl 2021: FDP-Kreisvorsitzender ist enttäuscht

Als nächster stellt sich Albert Duin ein, Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag für Wirtschaft, Energie und Tourismus. Über die nächsten Ankömmlinge freut sich am allermeisten der Pudel, denn auch Antje Helmers, stellvertretende Vorsitzende des FDP-Ortsverbands Tegernseer Tal, hat ihren Hund mitgebracht, einen Dackel. Und dann stößt noch Simon Roloff dazu, der FDP-Kreisvorsitzende Tölz-Wolfratshausen. Doch obwohl Vesterling noch eine Viertelstunde Wartezeit am vereinbarten Treffpunkt zugibt, kommen keine wissbegierigen Bürger und potenziellen Wähler mehr.

Roloff ist etwas enttäuscht: „Auf Facebook hatten 15 Leute ihr Kommen zugesagt“, erklärt er. Keiner von ihnen ist erschienen. Getreu ihrem plakatierten Wahlkampfslogan „Pack ma’s“ geht die Kandidatin den Weg Richtung Kirchsee schließlich entschlossen an. Elf Prozent hat das letzte ZDF-Politbarometer der FDP in Aussicht gestellt – und 22 der Union. Ob sie das vor ein paar Wochen gedacht hätte, dass man ihnen halb so viele Wählerstimmen wie der Union prognostiziert? „Niemals“, antwortet Vesterling: „Je nach Umfrage werden uns zwischen 9,5 und 13 Prozent vorhergesagt. Ich habe es mal mit einem Mandatsrechner durchgespielt: Bei 15,1 Prozent wäre mein Listenplatz sicher. Außer ich gewinne das Direktmandat…“

FDP-Wahlkampf in Bad Tölz-Wolfratshausen: Es geht um Pflege, Bildung und die Corona-Impfung

Duins Prognose lautet 14,5 Prozent. Beide betonen, dass sie an den Infoständen deutlich mehr Zuspruch erfahren als in den Vorjahren. „Noch 2018 wurden wir geradezu bemitleidet“, führt Duin aus. „So positiv wie jetzt habe ich den Wahlkampf noch nie erlebt.“ Helmers und Roloff relativieren das ein wenig: „Blöd angeredet oder gar beschimpft wird man schon auch mal, aber diesmal wirklich weniger.“

Und welche Themen beschäftigen die Bürger so? „Bei mir ging es vor allem um Pflege, Bildung und natürlich die Corona-Impfung“, erzählt Vesterling. „Die Leute kommen mit allen möglichen Themen auf einen zu, vom Radlweg übers Windrad bis zu Problemen der Baugenehmigung“, fügt Duin an. Unterwegs wird weiterhin versucht, mit Spaziergängern ins Gespräch zu kommen. „Wir sind gar nicht von hier“, sucht sich ein Paar aus der Affäre zu ziehen. „Die FDP kann man aber in ganz Deutschland wählen“, kontert Vesterling. „Wir haben schon gewählt,“ sagen andere. Und das könnte tatsächlich ein Grund sein für das enttäuschend geringe Interesse an ihrer Aktion, mutmaßen die FDP-Politiker. (Sabine Näher)

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