Eindrucksvolle Filmkulisse: Am Kirchsee beim Kloster Reutberg ist „Zwei ist eine gute Zahl“ entstanden. Im April ist das Ergebnis bei den Grenzlandfilmtagen zu sehen.
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Eindrucksvolle Filmkulisse: Am Kirchsee beim Kloster Reutberg ist „Zwei ist eine gute Zahl“ entstanden. Im April ist das Ergebnis bei den Grenzlandfilmtagen zu sehen.

Spielfilm gedreht

Der Kirchsee als Schauplatz für Liebe und Tod

Der Kirchsee steht im Mittelpunkt des Films „Zwei ist eine gute Zahl“. Anfang Juni wird er beim Brooklyn Film Festival in New York zu sehen sein.

Sachsenkam/München - Die (Online-)Premiere hat soeben Ende März beim Landsberger Filmfestival Snowdance stattgefunden. Im April wird der Film „Zwei ist eine gute Zahl“ bei den Grenzlandfilmtagen Selb laufen. Und von da geht es nach New York, wo er Anfang Juni beim Brooklyn Film Festival zu sehen sein wird. Protagonist des Films ist (neben vier eindrucksvollen Schauspielern) der Kirchsee beim Kloster Reutberg.

„Wir hatten zunächst an den Ammersee gedacht“, erzählt Stefan Hering, einer der beiden Regisseure. „Aber wir brauchten unbedingt ein einsam gelegenes kleines Haus direkt am Wasser, in dem wir längere Zeit in Ruhe drehen können.“ Da wurden Hering und Holger Borggrefe, Co-Regisseur, Co-Autor und Produzent des Films, zwischen Stegen und Dießen nicht fündig. „Holger hat sich dann erinnert, dass er auf einer Fahrradtour mit seiner Tochter einmal am Kirchsee vorbei gekommen ist.“ Und der hat sich als Volltreffer erwiesen. Das spezielle Licht und die Spiegelungen auf dem Wasser passten perfekt zur Geschichte. Außerdem war die Wasserwacht gerne bereit, ihre Hütte für die Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen. So ist eine sehr spezielle Atmosphäre entstanden: Es wird ein Eindruck von Weltabgeschiedenheit und ländlicher Einsamkeit vermittelt, vor dem sich die spannende Dreiecksgeschichte wirkungsvoll entfalten kann.

Schon der Beginn des Films fällt aus dem Rahmen: Ein junger Mann, alleine auf einem Bootssteg, in einem Rollstuhl. Die Kamera fängt das Wasser ein, dann sein Gesicht, in dem sich furchtbare Zuckungen ausbreiten. Der epileptische Anfall lässt ihn aus dem Stuhl, doch zum Glück nicht ins Wasser fallen. Obwohl noch kein Wort gesprochen wurde, ist der Zuschauer der Magie dieser Bilder bereits erlegen – und mittendrin in der Geschichte. Geschickt verwoben mit immer wieder eingeschobenen Rückblenden erfährt der Betrachter erst nach und nach, was die drei jungen Leute – Andrej, der nicht immer im Rollstuhl saß, Nadia und Claudius – verbindet. Es ist, soweit erwartbar, eine tragische Liebesgeschichte, bei der die junge Frau zwischen den beiden Männern steht, aber auch ein Kriminalfall, der den Tod des vierten Protagonisten, Andrejs früheren Lehrer, in dessen Haus am See er jetzt lebt, ganz allmählich enthüllt.

Viele Ausflügler bei Dreharbeiten

Im Oktober 2019 fanden die Dreharbeiten statt. Unter der Woche waren nicht zu viele Ausflügler unterwegs. Aber an Wochenenden mit schönem Wetter sei es schon problematisch gewesen, erzählt Hering. Doch der Ruf „Ruhe bitte: Wir drehen jetzt!“ habe meist funktioniert. Im Corona-Jahr dürften die Bedingungen da eher weniger günstig gewesen sein. Mit gerade einmal 19 Drehtagen und einem Budget von unter 50 000 Euro entstand der Film als Projekt des Theater Werkmünchen, das Weiterbildungen für Angehörige der Theaterberufe in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit realisiert. Unter anderem Schauspieler, Sänger, Regisseure, Drehbuchschreiber und Bühnenausstatter können mit einem Gutschein des Arbeitsamts an einem Projekt teilnehmen, das in eine Bühnenaufführung oder wie hier einen Film mündet. Wer bisher beispielsweise als 2. Regieassistent gearbeitet hat und hier zum 1. Assistenten aufrückt, hat gute Chancen, auch künftig so besetzt zu werden. Honorare erhalten sie alle nicht, aber sie profitieren für ihre weitere Karriere von der Zusammenarbeit mit Profis des Fachs.

Die beiden Regisseure am Set: Holger Borggrefe (vorne) und Stefan Hering.

Die Besetzung des Freundes-Trios mit Philip Dechamps als Andrej, Sonka Vogt als Nadia und Tim Borys als Claudius erwies sich als Glücksfall: drei junge, unverbrauchte und wunderbar ausdrucksvolle Schauspieler, die das lustvolle Spiel mit der Gefahr (nicht nur bei ihrem Hobby, dem Klippenspringen) intensiv und glaubhaft darstellen. „Da wir ganz klein und hemdsärmelig gedreht haben, sind die Schauspieler in der Früh zusammen im Auto raus an den See gefahren. So konnten sie die Atmosphäre vor Drehbeginn auf sich wirken lassen. Sie saßen auch oft am Steg, um sich zu sammeln“, erzählt Hering.

Wann ist der Film bei uns zu sehen ?

Die Reaktionen auf die Online-Premiere seien übrigens durchweg positiv gewesen, berichtet er. „Wir sind total erleichtert, weil wir gar nicht abschätzen konnten, wie unsere zurückgenommene Erzählweise ankommt.“ Die den Film prägenden Übergänge zwischen Gegenwart und Rückschau seien erst allmählich im Schneideraum entstanden. „Wir hatten dafür zwei Monate Zeit, was ungewöhnlich und nur bei einem solchen Independent-Film möglich ist. Es war wie ein Puzzlespiel; wir haben viel rumprobiert.“

Das Ergebnis ist faszinierend. Ob es aber auch in New York ankommen wird? Da der Film mit der Dreiecksliebe ein zeitloses Thema behandelt, „etwas Universelles, das weltweit verstanden wird, und zugleich ein echtes Stück Oberbayern transportiert“, ist Hering da recht zuversichtlich. Ob er irgendwann hierzulande regulär in die Kinos kommen wird, ist indes zweifelhaft. „Da liegen aufgrund der Lockdowns gerade so viele Filme auf Halde, die dann erst einmal drankommen“, gibt Hering zu bedenken. Eine Kinotour in ausgewählten Häusern ist aber fest geplant. Und in Landsberg wird der Film im August bei einem Open-Air des Snowdance-Festivals erneut gezeigt. Und wie steht es mit einem Open-Air am Reutberg, quasi mit Blick auf den Kirchsee? Hering: „Daran haben wir noch gar nicht gedacht. Ist aber eine tolle Idee!“ Die hoffentlich umsetzbar ist. (Sabine Näher)

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