Klosterkirche im Schnee
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Kloster Reutberg ist ein beliebter Wallfahrtort: Dachstuhl und Turm der Kirche müssen dringend saniert werden.  

Gesamtfinanzierbarkeit als Auflage

Erzdiözese gibt nun doch 1,1 Millionen Euro Zuschuss für Reutberg

Über ein nachträgliches Christkindl darf sich Kloster Reutberg freuen. Die Erzdiözese München-Freising teilt mit, dass sie zum Erhalt der Klosterkirche Mariä Verkündigung einen Zuschuss von 1,11 Millionen Euro bewilligt hat.

  • Die Erzdiözese München-Freising sagt völlig überraschend nun doch einen Zuschuss in Höhe von 1,1 Millionen Euro für die Sanierung der Klosterkirche Reutberg zu.
  • Vor zwei Jahren hatte der Vatikan die Verantwortung für das Kloster an sich gezogen. Das Ordinariat hatte daraufhin alle früheren Zuschusszusagen zurückgezogen, denn: „Nun ist Rom zuständig.“
  • Auflage für den Zuschuss ist die Zustimmung der Ordenskongregation im Vatikan sowie der Nachweis der Gesamtfinanzierbarkeit.

Sachsenkam – Das Geld soll auf erneuten Antrag der Klosterleitung für die Sanierung des Kirchturms und des Dachstuhls verwendet werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Geknüpft ist der einmalige Zuschuss, so Ordinariatssprecher Hendrik Steffens, „an die Zustimmung der vatikanischen Kongregation für die Ordensleute sowie die Finanzierbarkeit der gesamten Sanierungsmaßnahme“.

Darauf bezieht sich wohl auch Kloster-Vorsteherin Schwester Benedicta Tschugg, wenn sie auf Anfrage des Tölzer Kurier, welche Gefühle sie angesichts der unerwarteten Wendung der Dinge bewegen, lakonisch antwortet, dass der Zuschuss unter Auflagen erteilt sei. Man arbeite derzeit mit Fachleuten an einem Durchführungskonzept.

„Zuständig ist nun Rom“

Sr. Benedicta war vor zwei Jahren überraschend vom Vatikan als Apostolische Kommissarin für das Kloster eingesetzt worden. Das Ordinariat hatte sich daraufhin aller Rechte, aber auch Pflichten entledigt gesehen und die bereits zugesagte finanzielle Unterstützung für die Sanierung abgelehnt. „Zuständig ist nun Rom“, lautete die Begründung.

So recht kann Hendrik Steffens im Januar 2021 nicht erklären, was den Sinneswandel bewogen hat. Die Haltung der Diözese habe sich nicht geändert, versichert er, auf den Widerspruch angesprochen. Nachdem der Vatikan 2018 Sr. Benedicta mit der Verantwortung für das Kloster beauftragt habe, „musste die Lage neu bewertet werden. Der Erhalt der Kirche für die Gläubigen vor Ort und die vielen Wallfahrer war der Erzdiözese aber stets wichtig.“

Eine mögliche Erklärung, warum diese Wichtigkeit erst jetzt zur Erneuerung der Zuschusszusage führte, hat Gerald Ohlbaum, Vorsitzender des „Vereins der Freundes des Klosters Reutberg“ parat. Der Verein hat rund 220 000 Euro für die Renovierung gesammelt: Vielleicht habe ja der Personalwechsel in der Chefetage des Ordinariats (neuer Generalvikar und neue Amtschefin) eine Rolle gespielt. Er sei jedenfalls froh, dass wieder Geld fließen kann. „Nun muss man schauen, wann es kommt und wie die Bauplanung ausschaut.“ Auch Bürgermeister Andreas Rammler freut sich erst einmal über die Zusage: „Ich begrüße es natürlich, dass da etwas vorwärtsgeht.“

Geht wirklich etwas vorwärts? Nicht nur Sr. Benedicta, auch das Ordinariat selbst betont die Auflagen des Zuschusses. „Die Durchführung und Verantwortung für die entsprechenden Maßnahmen liegen bei der Vertreterin des Eigentümers, das heißt des Konvents“.

Viele Fragen, wenig Antworten

Was das heißt, hätte der Tölzer Kurier gerne mit der Klosterleitung geklärt. Der Fragenkatalog wurden indes mit dem Verweis auf eine „zeitnahe offizielle Presseerklärung“ beantwortet. Dabei gäbe es auch erfreuliche Nachrichten seitens des kleinen Konvents zu verkünden. Schon Anfang Dezember wurde eine neue Novizin eingekleidet. Das von der Auflösung bedrohte Kloster hat damit wieder drei Schwestern. Die Frage, ob das eine Zukunftsperspektive darstellt, ließ Sr. Benedicta genauso unbeantwortet, wie die Frage ob mit dem 1,1-Millionen-Euro-Zuschuss der Erzdiözese die Finanzierbarkeit der Sanierung steht. Auch über Renovierungsplan und -konzept teilte die Klosterleitung nichts mit.

Zahlt Rom auch etwas für die Sanierung der Kirche?

Dass sich zwischen Ordinariat und Klosterleitung keine Veränderung im Verhältnis ergeben hat, bestätigte Hendrik Steffens. Nach wie vor sei die Kongregation für Ordensleute in Rom zuständig. „Die Apostolische Kommissarin ist über die Bewilligung des Zuschusses in Kenntnis gesetzt worden. Sofern diese über die Zukunft des Konvents mit der Erzdiözese ins Gespräch kommen will, besteht dazu Bereitschaft.“ Sind drei Schwestern ausreichend für einen Konvent? Dies zu beurteilen, antwortet Steffens, „ist im Hinblick auf Reutberg in der derzeitigen Struktur Aufgabe der Kongegration für die Ordensleute.“

Ach ja: Noch eine Frage ließ Sr. Benedicta Tschugg offen, obwohl eine Antwort im Hinblick auf die Finanzierung der dringend notwendigen Kirchensanierung sehr interessant wäre: Wieviel ist der Klostereigentümer, also Rom, bereit, dafür zu geben. Von Christoph Schnitzer

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