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Volle Punktzahl: Marinus Willibald aus Wackersberg überzeugt beim Kombinationsschnitt die Prüfer.

Am Reutberg

Forstlicher Wettbewerb: Sicherheit ist das A und O

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Wer Landwirt werden will, muss sich auch im Wald auskennen. Wie gut sie das bereits tun, bewiesen 55 Lehrlinge beim Forstlichen Wettbewerb am Reutberg in Sachsenkam.

Sachsenkam– Laute Motorsägen-Geräusche sind schon von Weitem zu hören. Im Feld vor dem Kloster Reutberg stehen dutzende mit Warnwesten bekleidete Frauen und Männer. Hier, in Sachsenkam, findet an diesem Tag ein Forstwettbewerb statt.

Die 55 jungen Leute befinden sich im zweiten oder dritten Lehrjahr zum Landwirt. „Der Wald ist ein Ausbildungsfach“, erklärt Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das den Wettbewerb gemeinsam mit dem Amt in Weilheim und der Landwirtschaftsschule ausrichtet. „Bei uns in der Gegend haben viele Landwirte Waldflächen in ordentlicher Größe“, sagt Webert. „Es ist wichtig, dass die jungen Leute in ihrer Ausbildung entsprechendes Wissen mitbekommen.“

Ihre Fähigkeiten miteinander messen können die angehenden Landwirte in verschiedenen Disziplinen. Zunächst in einem theoretischen Teil, der sich mit Fragen beschäftigt wie: Wem gehört der Wald? Wie viel Prozent Waldanteil gibt es in Bayern? Wie schaut das Wurzelsystem der Tanne aus?

Danach geht es an die Praxis. Beim sogenannten Fällschnitt wird simuliert, wie ein Baum gefällt wird. Hier im Test sind es keine richtigen Bäume, geübt wird an bereitgestellten Stämmen. Die Technik ist aber dieselbe. „Und auf die kommt es an“, sagt Webert. „Der Baum muss geführt fallen. Dann ist es sicher.“ Ausgerüstet sind die Teilnehmer mit Helm, Schutzbrille, Kopfhörer und Schnittschutzhose sowie festen Schuhen. „Die Motorsäge ist eines der gefährlichsten Werkzeuge“, so Webert. „Oberstes Gebot ist die Sicherheit.“ Zwar wird bei den Übungen auch immer eine Zeit vorgegeben, innerhalb derer die Aufgabe bewältigt werden soll. Webert: „Aber die ist nicht so wichtig.“

Glückwunsch (v. li.): Christian Webert (AELF Holzkirchen) und Johann Killer (Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen) gratulieren Stephan Gaukler (Bayrischzell, 1. Platz), Leonhard Burger und Tobias Anton Graf. Auch Michael Lechner (Waldbesitzervereinigung Holzkirchen) gratuliert den drei erfolgreichen Männern.

Eine weitere Aufgabe aus dem Alltag wird beim Präzisionsschnitt nachgestellt: Hier müssen die jungen Leute von einem Stamm eine möglichst gerade Scheibe in drei bis acht Zentimetern Dicke abschneiden. Die Schwierigkeit: Der Stamm ist in Sägemehl vergraben, unter dem sich ein Brett befindet. Die Teilnehmer sehen also nicht, wo der Stamm endet. Trotzdem dürfen sie nicht ins Brett schneiden. „Im Wald liegen die Bäume oft auf dem Boden im Dreck“, erklärt Webert. „Wer beim Schneiden in den Dreck hineinkommt, riskiert, dass die Kette stumpf wird.“

Beim Kombinationsschnitt muss von unten und von oben geschnitten werden. „Das muss man optimal treffen“, sagt Webert. Das sei knifflig, aber auch etwas, was in der Praxis benötigt werde. Ohne Motorsäge wird die letzte Aufgabe bestritten. „Es geht darum, zehn Pflanzen gerade zu setzen“, erklärt Webert. Zeit spielt auch hier nur eine untergeordnete Rolle. „Es muss ordentlich gemacht werden. Die Bäume müssen schließlich die nächsten 100 Jahre wachsen.“

Alle Teilnehmer sind mit Ehrgeiz und Wettkampfeifer dabei. Für den Erstplatzierten gibt es schließlich neben der Ehre auch noch eine nagelneue Motorsäge zu gewinnen. Trotzdem ist die Stimmung unter den Lehrlingen locker und gelöst.

„Am schwierigsten fand ich den Kombischnitt“, sagt Sophie Andrä (18). Die Gmunderin macht ihre Lehre bei einem Betrieb in Garmisch und ist eine von vier weiblichen Teilnehmerinnen. „Das Pflanzen ist bei mir aber ganz gut gelaufen.“ Sie sei froh, dass sie sehr gut vorbereitet wurde. „An meiner Lehrstelle wird nämlich nichts mit Holz gemacht.“ Am Vortag unternahmen die Ausbilder mit allen Teilnehmern eine Exkursion in den Wald.

Wie Andrä ist auch Michael Huber (30) aus Holzkirchen im dritten Lehrjahr. Er hat in seinem Ausbildungsbetrieb in Valley noch nicht viel Erfahrung mit den geforderten Aufgaben gesammelt. „Wenn wir in den Wald gehen, bin ich eher zum Entasten eingeteilt.“ Trotzdem hat er an diesem Tag ein gutes Gefühl: „Uns wurde alles sehr gut erklärt. Ich bin zufrieden.“

Den ersten Platz belegte Stephan Gaukler aus Bayrischzell (331 von 350 Punkten) vor Leonhard Burger (Dietramszell) und Tobias Anton Graf (Münsing).

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