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In der Hauptversammlung im „Jägerstüberl“ am Reutberg legte Freundeskreis-Vorsitzender Gerald Ohlbaum (re.) den Jahresbericht des Fördervereins vor.

Jahresversammlung des Freundeskreises

Hitzige Diskussionen rund ums Kloster Reutberg: Ordinariat streicht zugesagte Unterstützung

Es war eine sehr emotionale Hauptversammlung, die beim Verein „Freunde des Klosters Reutberg“ am Dienstagabend im Reutberger „Bräustüberl“ vonstatten ging.

Sachsenkam Die übliche Berichterstattung über die Aktivitäten des Verein im zurückliegenden Jahr hatte Vorsitzender Gerald Ohlbaum rasch abgehandelt. Den mittlerweile beliebten Adventsmarkt im Klosterhof habe man im Vorjahr witterungsbedingt leider absagen müssen, so Ohlbaum. „Umso mehr hoffen wir, dass es heuer am 8. Dezember wieder klappt.“

Nach Klärung der Verwendung eines größeren Ausgaben-Postens empfahl Kassenprüfer Martin März die Entlastung von Schatzmeisterin Christina Paul – die anwesenden Mitglieder folgten dieser Empfehlung einstimmig.

Und dann ergoss sich eine große Welle der Empörung über die Berichterstattung dieser Zeitung, die in der Wochenendausgabe zu den aktuellen Vorgängen am Reutberg Stellung genommen hatte. Im Mittelpunkt dieser Berichterstattung stand die von Rom vor einem Jahr als Apostolische Kommissarin in Reutberg eingesetzte Schwester Benedicta Tschugg und deren Pläne, die Landwirtschaft des Klosters aufzugeben und der angestellten Landwirtschaftsmeisterin zu kündigen – letztere gehörte bis vor einigen Jahren selbst dem Franziskanerinnen-Orden an. Außerdem ging es in dem Zeitungsartikel um die Unterschriftenaktion, mit der aufgebrachte Sachsenkamer Bürger sich gegen diese Pläne von Schwester Benedicta wenden.

In Erklärungsnot: Schwester Benedicta Tschugg.

Diese Unterschriftenaktion sei durch private Initiative entstanden und habe nichts mit den „Freunden des Klosters Reutberg“ zu tun, wollte Ohlbaum klargestellt wissen. „Gegen die Schwestern zu intrigieren und die Bevölkerung aufzuhetzen, kann nicht im Sinne unseres Vereins sein.“

Adressiert an den Tölzer Kurier stellte er die Frage, mit welchem Recht man sich von außen in private Bewirtschaftung einmische und deren Vergangenheit thematisiere. „Ist da eine gewisse Antipathie gegen das Kloster im Spiel?“

Trotz der Loyalität des Freundeskreises als Förderverein des Klosters müsse man feststellen, „dass es aber Mitglieder gibt, die gegen die Interessen unseres Vereins handeln“, meldete sich Heinz Veauthier in Bezug auf vermutliche Informanten der Zeitung zu Wort. Da müsse die Vorstandschaft tätig werden in Form einer Abmahnung und eventuell auch mit Ausschluss.

Weitere Stimmen ergriffen Partei für Schwester Benedicta: Das Kloster müsse sich wirtschaftlich selbst erhalten, wer die Hintergründe kenne, könne auch die Kündigung der Angestellten nachvollziehen. Und überhaupt: die Hintergründe. Warum er denn zur Gegenüberstellung der Behauptungen der aufwieglerischen Seite nicht die entsprechenden Darstellungen des Klosters eingeholt habe, wurde Alois Ostler, der Verfasser jenes Zeitungsberichts, der selbst in der Versammlung zugegen war, von einigen Seiten gefragt.

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Diese Frage wiederum bestätigte die Vermutung von Martin März, der schon zu Beginn der Diskussion die Frage in die Runde gestellt hatte, wer denn besagte Reportage überhaupt gelesen habe. Nur wenige Finger gingen daraufhin in die Höhe – bedingt wohl auch dadurch, dass viele Freundeskreis-Mitglieder (wie etwa Heinz Veauthier, der kurz einräumte: „Ich habe nur die Überschrift hier gelesen“) von außerhalb des Verbreitungsgebietes der Heimatzeitung kommen. In dem Bericht sei nämlich auch deutlich zum Ausdruck gekommen, dass Schwester Benedicta mehrere schriftliche und telefonische Anfragen nach einer Stellungnahme abgelehnt hatte.

Vergeblich habe auch die „Sachsenkamer Gruppe“ bei der Oberin um ein Gespräch gebeten, bedauerte Bürgermeister Hans Schneil. Er sei ratlos, so März, wie man aus dieser verfahrenen Situation zwischen Kloster und Freundeskreis einerseits und der Sachsenkamer Unterschriften-Initiative andererseits wieder herauskommen könne.

Und: Er sei vom Schwester Benedicta enttäuscht.

Ein anderes Problem zeigt sich bereits bezüglich der Finanzierung der Klosterkirchen-Restaurierung, die ja laut ursprünglichem Plan bereits hätte beginnen sollen. Da inzwischen Rom für das Kloster zuständig ist, hat das Ordinariat die seinerzeit zugesagte Unterstützung von 1,11 Millionen Euro zurückgezogen, berichtete Schwester Benedicta, die zusammen mit Schwester Faustina an der Versammlung teilnahm. „Wir müssen da wieder neu verhandeln. Ohne dieses Geld werden wir mit den Baumaßnahmen nicht beginnen können.“

Schwester Benedicta will aber offenbar Rücklagen des Klosters in den Neubau eines Sudhauses am Reutberg investieren. 

Rosi Bauer

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