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Kai Zorn: „Mensch greift frevlerisch in die Natur ein“

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Meteorologe Kai Zorn aus Ellbach hielt einen Vortrag bei der Versammlung des Verbands landwirtschaftlicher Fachschulbildung in Sachsenkam.
Meteorologe Kai Zorn aus Ellbach hielt einen Vortrag bei der Versammlung des Verbands landwirtschaftlicher Fachschulbildung in Sachsenkam. © Krinner

Das launenhafte Wetter und dessen teils schicksalträchtige und existenziell bedrohlichen Auswirkungen sind in aller Munde. Spielt das Wetter wirklich verrückt? Meteorologe Kai Zorn aus Ellbach erklärte die Zusammenhänge nun aus seiner Sicht.

Sachsenkam – Bei der Jahreshauptversammlung des Verbands landwirtschaftlicher Fachschulbildung im Sachsenkamer „Altwirt“ fand Kai Zorns Vortrag vor Kurzem interessierte Zuhörer. Die allseits beklagten Ausmaße der Katastrophen von vor wenigen Wochen sowie auch ähnliche Ereignisse in den vergangenen Jahrzehnten sehe er nicht als Auswirkungen des vielpublizierten Klimawandels, sagte Zorn. „Das sind vielmehr Auswirkungen der frevlerischen Eingriffe des Menschen in die Natur.“

Immer mehr Flächen zu versiegeln, Bebauung auf überschwemmungsgefährdeten Arealen oder im Bereich von unstabilen Bodenverhältnissen zuzulassen, Monokulturen in Wald und Feld zu betreiben, dies seien Ursachen, die im Falle von immer wieder vorkommenden extremen Wetterereignissen dann verheerende Folgen nach sich ziehen würden. Die Natur sei wie ein Schwamm. „Wenn man ihr die Speicherfähigkeit nimmt, kommt es zum Kollaps.“ In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen habe es in den Wochen vor dem großen Hochwasser schon Gewitter und Regenfälle gegeben – der Boden, Rückhaltebecken, Flüsse und Seen seien bereits voll gewesen, als die gewaltigen Niederschläge kamen. Die Vorwarnungen hätten wohl die Vorstellungskraft der Leute übertroffen. Und Bebauung an falschen Plätzen sei immer wieder anzutreffen, wenn nach Katastrophenereignissen so viel Zeit vergangen sei, dass diese im Gedächtnis der Menschen nicht mehr präsent seien. Ja, das Klima wandle sich, sagte Zorn. Der Blick zurück zeige ein deutliches Auf und Ab von Wärme- und Kältephasen. Anhand von Bildern vermittelte der Meteorologe die Veränderungen des Gletschers am Großglockner: Vor 7000 Jahren erscheinen dort die Hänge nahezu komplett in Grün, um 1850 sind Gipfel und Hänge durchgehend weiß bedeckt, heute sind nur noch die Gipfel und die oberen Hanglagen bedeckt und nur ein schmales Stück des Gletschers zieht sich noch talwärts. Eine weitere Graphik zeigte Venedig im Jahr 1709 mit zugefrorenen Wasserstraßen und eingeschneiten Gondeln.

Zorn: „Natur braucht Kohlendioxid zum Wachstum“

Klimaepochen hatten natürlich Auswirkungen auf die Natur und das menschliche Dasein, erklärte Zorn. In kalten Phasen kam es zu Gletschervorstößen, dem Absinken der Baumgrenze, der Aufgabe von Ackerbau, Hungersnöten, sozialen Unruhen und Völkerwanderungen. Entgegengesetzt führten Wärmephasen zu einem Anstieg der Bevölkerung, hoher Bautätigkeit, einem Ausbau der Landwirtschaft mit daraus hervorgehender Überproduktion.

Das heute als Klimakiller Nummer eins verpönte Kohlendioxid drastisch zu reduzieren, sah Zorn differenziert. Zum einen brauche die Natur Kohlendioxid zum Wachstum. Zum anderen sei die deutsche Politik mehr als widersinnig: „Was bringt es, wenn bei uns der Braunkohleabbau gestoppt werden muss und wir gleichzeitig mit unseren Steuergeldern den Aufbau von weiteren Hunderten Kohlekraftwerken in China unterstützen?“ Für Zorn sind die diesbezüglich lauten Parolen der Politik, die Schlagzeilen der Medien und auch mancher Wetterdienst nichts anderes als „Angstmache“. Das selbe gelte ebenso für den Umgang mit Corona. „Man will damit die Rechte der Menschen eingrenzen.“ (Rosi Bauer)

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