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Um auch künftig alle Sachsenkamer Mädchen und Buben betreuen zu können, muss die Gemeinde vermutlich einen neuen Kindergarten bauen.

Bürgerversammlung

Kindergarten platzt aus allen Nähten

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Sachsenkam braucht wohl einen neuen Kindergarten. Das ist nicht das einzige Großprojekt, das auf die Gemeinde zukommt, wie bei der Bürgerversammlung deutlich wurde.

Sachsenkam– Die Einwohnerzahl der Gemeinde Sachsenkam (aktuell: 1339) hat sich in den vergangenen 40 Jahren fast verdoppelt. 15 Geburten gab es im vergangenen Jahr – elf waren Buben. „Eine ganze Fußballmannschaft“, scherzte Rathauchef Hans Schneil in der Bürgerversammlung im „Altwirt“. Allerdings führen die hohen Geburtenzahlen auch zu Problemen. „Von den 52 Kindergartenplätzen sind im Moment 48 belegt. Die zwölf Krippenplätze nutzen 13 Kinder“, sagte Schneil. Für das kommende Jahr sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. „Wir haben eine Bedarfserhebung gemacht. Die Plätze langen uns hinten und vorne nicht“, sagte der Bürgermeister. „Wir werden wohl nicht darum herum kommen, einen neuen Kindergarten zu bauen.“ Gegenüber vom Rathaus wäre das denkbar. Geschätzte Kosten: 1,3 Millionen Euro.

Und es ist nicht die einzige große Aufgabe, die auf Sachsenkam zukommt: Im Hochbehälter muss die Beschichtung erneuert werden, am Kirchsee wird ein Steg saniert, der Wassernotverbund mit Holzkirchen wird eine Stange Geld kosten – genauso wie die Kamerabefahrung des Kanals. Da ist es gut, dass die Gemeinde über die Jahre Schulden abgebaut hat. Statistisch gesehen, liegt die Pro-Kopf-Verschuldung derzeit in Sachsenkam bei 311 Euro. Der Landesdurchschnitt beträgt gut das Doppelte.

Beschäftigen wird die Kommune weiterhin der Breitbandausbau. Viele Bereiche seien gut versorgt. „Aber der Reutberg und der Außenbereich am Kirchsee sind noch nicht optimal erschlossen.“ Große Probleme bestehen zudem an der Rechelkopf- und der Wallbergstraße. Dort gibt es einfach zu wenig Kupferleitungen. „Adernmangel“ heiße das in der Fachsprache, erklärt Josef Wagner, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Reichersbeuern. Das führt dazu, dass in einem Mehrfamilienhaus nur eine Partei Internetanschluss hat. Der Rest geht leer aus. „Unglücklicherweise funktioniert ausgerechnet dort auch LTE nicht richtig.“ Dazu komme, dass noch einige Parzellen bebaut werden könnten – das würde das Problem verschärfen. Wie es gelöst werden kann, sei derzeit unklar.

Kurz streifte Schneil das Thema Asyl. Die mit Greiling und Reichersbeuern betriebene Unterkunft am Kranzer habe sich bewährt. 180 Menschen leben dort. „Es läuft gut da oben“, sagte Schneil und dankte dem ehrenamtlichen Helferkreis. „Allerdings geht die Laufzeit nur bis 2018.“ Was danach mit den Mobile Homes, in denen die Asylbewerber wohnen, geschehe, müsse man sehen.

Dass im Bereich Asyl „nur vermeintlich Ruhe eingekehrt“ ist, betonte Landrat Josef Niedermaier. Bei der Dienstbesprechung der oberbayerischen Landräte habe er „tiefe Sorgenfalten“ gesehen. Im Moment würden zwar nur wenig Menschen in Bayern ankommen. „Es sind aber viele unterwegs.“ Allein in Bozen (Italien) würden 150 000 Flüchtlinge festsitzen. Dass der Freistaat darauf dränge, die dezentralen Unterkünfte im Landkreis aufzugeben und die Flüchtlinge in größeren Einheiten zusammenzufassen, sei aus Kostengründen verständlich. „Unser Gemeindequotensystem zerbricht aber daran.“ Er scheue sich auch, Wohnungen aufzugeben – mit Blick darauf, dass die Zahlen wieder steigen könnten. „Dann belegen wir wieder Turnhallen, und das brauche ich nicht noch einmal.“

Nach einem Grußwort von VG-Chef Ernst Dieckmann und Schneils Dank an Mitarbeiter und Gemeinderäte endete die Versammlung ohne Wortmeldungen. 

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