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Ein Bild mit Vergangenheitswert: Eine junge Frau tritt 1999 in den Orden am Reutberg ein – seitdem mangelt es an Nachwuchs.

Zukunft am Reutberg

Kloster bald ohne Ordensfrauen?

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Sachsenkam - Die Zukunft des Klosters Reutberg steht auf dem Spiel. Die letzten beiden Ordensschwestern müssen sich heuer erklären, wo und wie sie künftig leben wollen. Der Freundeskreis will sich für den Standort starkmachen.

Das Franziskanerinnenkloster auf dem Reutberg hat Anfang der Woche Besuch aus München bekommen. Ein Mitarbeiter des Erzbischöflichen Ordinariats hat sich mit Schwester Faustina und Augustine unterhalten und sie gefragt, wo die Ordensfrauen (88 und knapp 50 Jahre alt) künftig leben wollen. „Der Reutberg sei für sie keine Zukunft, weil sich hier so gut wie kein klösterliches Leben mehr abspielt“, berichtet Monsignore Josef Beheim.

Der Ruhestands-Priester ist seit acht Jahren als Spiritual am Reutberg tätig und kennt die dortigen Probleme. Auch die für Ordensangelegenheiten zuständige Abteilung im Vatikan wisse Bescheid. „Die sind der Meinung, dass man einen Schlussstrich ziehen muss“, sagt Beheim. Die beiden Ordensfrauen haben ihm berichtet, dass ihnen bei dem Gespräch noch keine Termin gesetzt wurde.

Über ihre Zukunft müsse sich auch eine weitere Ordensfrau Gedanken machen, die seit einiger Zeit beurlaubt ist und sich seitdem ausschließlich um die klostereigene Landwirtschaft mit 40 Kühen und zahlreichen Schafen kümmert. Sie habe  sich zwischen Kloster und Stall zu entscheiden, so Beheim.

Denkbar sei, dass sich die Franziskanerinnen einem anderen Orden anschließen. Dafür sei ihnen entsprechende Begleitung angeboten worden. Das sei wichtig, denn das Leben in der Klausur, also im abgeschlossenen Teil des Reutberger Klosters, sei von Zurückgezogenheit und Gebet geprägt. Andere Ordensgemeinschaften dagegen sehen laut Beheim ihren Auftrag in der Aussendung. „Da will das Ordinariat den Schwestern Brücken bauen und Hilfen anbieten, falls sie das Angebot annehmen.“

Die beiden Ordensfrauen aber haben laut Beheim großes Vertrauen. „Sie sind der Meinung, Reutberg darf nicht untergehen.“ Der Spiritual berichtet, dass immer wieder mal junge Frauen an der Pforte anklopfen und sich für ein vorübergehendes Leben im Kloster interessieren. Dafür bedürfe es einer Novizenmeisterin, die die Aspirantinnen begleite. Die fehle am Reutberg. „So ist eine Frau, die aus dem Lehramt ausgeschieden ist und in Reutberg leben wollte, inzwischen in einen anderen Orden eingetreten“, sagt Beheim. Er erinnert daran, dass es immer wieder mal Höhen und Tiefen am Reutberg gab. „Auch im 19. Jahrhundert war der Orden schon mal auf zwei Schwestern geschrumpft.“ Vielleicht müsse man bei der Lösung des Problems ja nicht in Jahren sondern in Jahrhunderten denken.

Der Spiritual wünscht sich jedenfalls, dass Reutberg ein geistliches Zentrum bleibt, „wo Menschen Hilfe und Trost im Gebet erfahren“. Erst recht nachdem die Finanzierung der Klosterkirchen-Renovierung gesichert sei. „Sonst hätte man nicht ständig sammeln müssen.“

Beheim verweist auch darauf, dass es ausländische Orden gebe, „die händeringend nach einem Kloster suchen“. Er kenne beispielsweise indische Schwestern, die in angemieteten Häusern untergebracht sind. Es sei aber wohl schwierig, im Ordinariat dafür ein offenes Ohr zu finden.

Mit der drohenden Schließung des Klosters hat sich am Mittwochabend bereits der Reutberger Freundeskreis in einer Vorstands- und Beiratssitzung befasst. „Wir wollen uns mit allen Mitteln für den Erhalt einsetzen“, sagt der Freundeskreis-Vorsitzende Gerald Ohlbaum. Reutberg müsse ein spirituelles Zentrum bleiben. Er ist ebenso wie der Spiritual auf ein baldiges Gespräch mit dem Generalvikar der Erzdiözese gespannt. „Keiner von uns hat ein Patentrezept“, sagt Monsignore Beheim. Man müsse eben schauen, wie man die unterschiedlichen Vorstellungen unter einen Hut bringen könne, denn schließlich sei ja „nichts festgezurrt“.

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