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Klosterkirche am Reutberg wieder gut bedacht - doch jetzt wartet der größte Sanierungsbrocken

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Von: Andreas Steppan

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Im historischen Dachstuhl der Klosterkirche Reutberg trafen sich (v. li.) Projektleiter Hans-Jürgen Dennemarck, Axel Hofstadt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Schwester Benedicta, Schwester Faustina und Architekt Hermann Thurner zur symbolischen Übergabe eines Fördervertrags in Höhe von 90 000 Euro. Aktuell leben drei Bewerberinnen im Kloster Weitere Spenden und Förderanträge für Sanierung nötig
Im historischen Dachstuhl der Klosterkirche Reutberg trafen sich (v. li.) Projektleiter Hans-Jürgen Dennemarck, Axel Hofstadt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Schwester Benedicta, Schwester Faustina und Architekt Hermann Thurner zur symbolischen Übergabe eines Fördervertrags in Höhe von 90 000 Euro. © Arndt Pröhl

Bei der Sanierung der Klosterkirche am Reutberg ist die Dachsanierung abgeschlossen. Jetzt geht es an die Innenrenovierung.

Sachsenkam – Der nächste Bauabschnitt der Sanierung der Klosterkirche Reutberg ist vorläufig abgeschlossen: die Inneninstandsetzung des Turms sowie die Sanierung des Dachstuhls über der Kirche. Das Ergebnis erläuterten am Dienstag Architekt Hermann Thurner und Projektleiter Hans-Jürgen Dennermarck bei einem Ortstermin mit Axel Hofstadt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Diese hatte die Zimmererarbeiten mit 90 000 Euro bezuschusst.

Aktuell leben drei Bewerberinnen im Kloster

Ganz abgesehen vom baugeschichtlichen Wert der Klosterkirche habe die Nachricht vom Verbleib der Franziskanerinnen im Kloster in der Stiftung „die Sympathie für die Maßnahme noch unterstützt“, erklärte Hofstadt, Ortskurator für München und Oberbayern. „Es war uns wichtig, dass es eine lebendige Weiterführung des Klosters gibt.“ Neben Schwester Benedicta, die das Kloster seit 2018 als von Rom eingesetzte Apostolische Kommissarin leitet, leben dort aktuell noch Schwester Faustina, die 1994 ins Kloster eintrat, sowie aktuell drei Bewerberinnen. Eine davon feierte vergangene Woche zeitliche Profess, wie Schwester Benedicta berichtete. Außerdem gebe es eine Novizin und eine Postulantin. Das bedeutet, die drei Frauen befinden sich auf verschiedenen Stufen auf dem Weg, ein volles Mitglied des Ordens mit allen Rechten und Pflichten zu werden.

Dachstuhl war auch nach 300 Jahren noch in gutem Zustand

Die Sanierung der Klosterkirche begann 2021. Davon kündete weithin sichtbar ein großes Gerüst am Turm. Nachdem dessen Außeninstandsetzung Ende vergangenes Jahres abgeschlossen wurde, ging es heuer an die Inneninstandsetzung des Turms und die Sanierung des Kirchendachstuhls.

Letzterer stamme aus der Zeit um 1730, erläuterte Architekt Thurner an Ort und Stelle. Es handle sich um eine „ausgereifte Konstruktion, aufbauend auf eine alte Technik, wie sie seit etwa 1600 bekannt war – nur dass man 130 Jahre später schon Erfahrungswerte hatte und früher begangene Fehler nicht wiederholte“. Wegen der „sehr sauberen technischen und handwerklichen Ausführung“ habe sich der Dachstuhl auch nach über 300 Jahren noch in sehr gutem Zustand befunden, so Thurner. Dennoch: Im Laufe der Jahrhunderte sei Feuchtigkeit ins Gebälk eingedrungen und habe Schäden angerichtet.

Fichtenholz aus dem Klosterwald wurde in den Rauhnächten geschlagen

„Bei der Sanierung haben wir möglichst viel historische Substanz erhalten“, berichtete Thurner. Generell habe es an allen Bauteilen kleinteilige Reparaturen gegeben. Dafür habe man auf Fichtenholz aus dem Klosterwald zurückgegriffen, das man wie schon in alter Zeit in der Zeit der Rauhnächte zwischen Heiligabend und Heiligdreikönig geschlagen habe. Das Holz aus solchen Winterfällungen weise die geringste Holzfeuchtigkeit auf, ergänzte Projektleiter Dennemarck.

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Das Holz sei dann zu einem Sägewerk bei Dietramszell gebracht und dort auf natürliche Weise getrocknet worden, so Thurner. Dessen Inhaber habe im Wettbewerb auch den Zuschlag für die Zimmererarbeiten erhalten, die ungefähr im April/Mai begannen. Generell setze man bei der Sanierung auf regionale Firmen. Im Zuge des diesjährigen Bauabschnitts wurde auch der Außenanstrich der Südfassade der Kirche und der angrenzenden Bauteile erneuert.

Innenrenovierung wird rund 1,7 Millionen Euro kosten

Bei der im aktuellen Finanzierungsplan auf rund 2,9 Millionen Euro veranschlagten Kirchensanierung sei die Außeninstandsetzung des Kirchturms etwas günstiger gekommen als geplant. Beim Dachstuhl habe es eine „Punktlandung“ gegeben, sagte der Architekt. Mit der Innenrenovierung, die 2023 beginnen soll, steht der mit geschätzt etwa 1,7 Millionen Euro größte Batzen noch aus. Dennemarck verwies überdies auf die aktuellen Unsicherheiten bei den Baupreisen. Aus finanzieller Sicht „haben wir das Vorhaben etwas wagemutig begonnen“, sagte Schwester Benedicta. Mittlerweile gibt es viele Zusagen von Zuschussgebern, zuvorderst von der Erzdiözese München und Freising, aus Sonderprogrammen des Bundes für den Denkmalschutz und von der Bayerischen Landesstiftung, aber auch vom Bezirk, der Gemeinde Sachsenkam, dem Förderverein Kloster Reutberg und privaten Spendern.

Weitere Spenden und Förderanträge für Sanierung nötig

Ungedeckt ist nach Worten von Schwester Benedicta noch ein Betrag von 200 000 Euro, der aber nach Dennemarcks Schätzung noch auf eine halbe Million Euro anwachsen könnte. Deswegen laufen weitere Förderanträge, und es wird nach wie vor um Spenden gebeten.

Für die Innensanierung wird die Kirche laut Dennemarck eine Woche nach Ostern 2023 geschlossen. Bis November stünden Heizungs, Elektro-, Schreiner- und Baumeisterarbeiten auf dem Programm. „In der Zeit wird im Salettl eine kleine Sommerkirche eingerichtet, damit weiterhin Gottesdienst gefeiert werden kann.“ Die Schwestern, die normalerweise siebenmal täglich auf der Schwesternempore beten, weichen dafür in eine Kapelle im Kloster aus.

2024 folgen zum Abschluss Kirchenmaler- und Restaurator-Arbeiten in der barocken Saalkirche, in die auch die Loreto-Kapelle von 1606 integriert ist.

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