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Die BDM-Kuh schaut zu: Ministeriums-Amtschef Hubert Bittlmayer bei seiner Rede im Festzelt am Reutberg.  

BDM-Abend am Reutberg

Landwirte: Alle wollen einen gerechten Milchpreis

Ein gerechter Milchpreis ist seit jeher die Forderung des BDM. Das hat sich auch zu seinem 20. Geburtstag nicht geändert. 

Sachsenkam „20 Jahre BDM“ stand in großen Buchstaben über dem traditionellen Milchbauernabend im Reutberger Festzelt. Die politischen Ehrengäste des Abends, Martin Bachhuber, Hubert Aiwanger und Gisela Sengl, gratulierten zum runden Geburtstag und bekundeten trotz unterschiedlicher Parteibücher übereinstimmend ihren Willen, die Milchbauern und die Arbeit des BDM für einen gerechten Milchpreis zu unterstützen. Dennoch, so die BDM-Sprecher, hake es da an vielen Ecken und Enden.

Bedauert wurde vom Kreisteam des Bundes Deutscher Milchviehhalter als Gastgeber, dass Noch-Landwirtschaftsminister Helmut Brunner als Hauptreferent kurzfristig sein Kommen hatte absagen müssen. Stellvertretend übernahm Hubert Bittlmayer, Amtschef im bayerischen Landwirtschaftsministerium, die Aufgabe, die diesbezüglichen Pläne der Landespolitik vorzustellen.

Im Krisenjahr 2016 habe sich die EU nach langer Ablehnung zuletzt doch dafür entschieden, die BDM-Strategie mit befristeter freiwilliger Produktionsreduzierung gegen Entschädigung anzuwenden und damit eine Kehrtwende bei der Preisbildung erreicht, rief BDM-Landesvorsitzender Manfred Gilch bei den rund 500 Besuchern im Zelt in Erinnerung. EU-Agrarkommissar Phil Hogan habe hinterher den Erfolg dieses Programms eingeräumt.

Seitens des Ministeriums wolle man dem Problem des Milchüberschusses mit abstürzenden Preisen im freien Markt künftig einen Zwei-Stufen-Plan entgegensetzen, so Bittlmayer: Zuerst sollen die Marktbeteiligten, also Erzeuger und Molkereien, Regelungen finden, um ein Ungleichgewicht zu vermeiden. Dazu müssen Verträge geschlossen werden, in denen Menge, Preis und die entsprechenden Zeitfenster festgeschrieben sind. Sollte diese Maßnahme nicht ausreichen, käme die EU ins Spiel: Dann müsste EU-weit eine einheitliche, befristete und entschädigungslose Mengenreduzierung in Gang gesetzt werden. Die Chancen, diese Vorgehensweise durchsetzen zu können, stünden gar nicht so schlecht, so Bittlmayers Einschätzung. Phil Hogan habe für solche Vorschläge bislang kein offenes Ohr gehabt. „Dieses Mal hat er aber zugehört.“ Bayern wolle jedenfalls versuchen, diese Strategie auf Bundes- und EU-Ebene weiterzubringen.

Nicht ganz auf derselben Wellenlänge zeigte sich BDM-Bundesvorsitzender Romuald Schaber. Die Verträge zwischen Erzeugern und Molkereien seien „nicht unbedingt das Gelbe vom Ei“. Dies habe sich in krasser Weise jüngst bei der Pleite der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft gezeigt, wo die Bauern von einem Tag auf den anderen auf ihrer Milch sitzen blieben. „Die hatten solche Verträge und sind trotzdem abgestürzt, weil der Markt voll ist.“ Bei der Mengenreduzierung setze er auf Freiwilligkeit – „die kommt eher an und es gibt nur Gewinner“. Als vorgeschaltete Institution müsse die europäische Marktbeobachtungsstelle Handlungsbedarf ausrufen können. Keinen Rettungsanker sieht Schaber außerdem in den von Bittlmayer empfohlenen Risiko-Versicherungen: „Wie soll das gehen, wenn’s bei allen brennt?“

Dass die Agrarpolitik immer noch der Marktliberalisierung und Eroberung der Weltmärkte huldige, sei nach all den negativen Erfahrungen unverständlich. Überhaupt werde in Sachen Bürokratie, Vorschriften und Verordnungen – zuletzt das „Monster Düngeverordnung“ – viel über Brüssel geschimpft. „Aber die Kommission dort setzt das um, was die Mitgliedsstaaten vorgeben. Und wer sind die Hauptakteure in der EU? Die Regierungen und Agrarminister von Deutschland und Frankreich.“ Aktuell, so Schaber, sei alles etwas in der Schwebe. Neue Regierungen und Minister eben in Frankreich, Deutschland und möglicherweise auch in Bayern – da müsse man erst mal schauen.Rosi Bauer

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