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Prost Gemeinde: Söder kurz vor seinem Auftritt mit Josefi-Starkbiermass.

Erster Auftritt im Bierzelt

Ministerpräsident Söder: Durchwachsenes Debüt am Reutberg

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Seinen ersten Auftritt als Ministerpräsident absolvierte Markus Söder am Sonntag im Reutberger Bierzelt. Dort traf der neue Landesvater viele CSU-Freunde. Wie ein Heilsbringer wurde er aber nicht empfangen.

Sachsenkam – So nah wie möglich am Reutberger Bierzelt lässt der Chauffeur Markus Söder aus der schwarzen Limousine steigen. Alles ist durchgetaktet an diesem Sonntagabend. Das Empfangskomitee steht schon bereit. Ein kurzes Händeschütteln mit dem CSU-Kreisverbands-Chef Martin Bachhuber und dem Wahlkreisabgeordneten Alexander Radwan. Dann betritt der neue Ministerpräsident, der erst seit zwei Tagen im Amt ist, das Zelt.

Drinnen singen sie „Reitberger Bier“, die Hymne des Josefifests, interpretiert von der Deininger Blaskapelle. Trotzdem ist weniger los als erwartet, die hinteren fünf Tischreihen bleiben komplett leer. 2000 Menschen passen in dieses Zelt, gekommen sind aber geschätzt nur etwa 1300. Wer will, findet auch ganz vorne an der Bühne noch einen Platz, wo die lokale CSU-Prominenz sitzt.

Karl Inninger aus Greiling hat es sich am Rand bequem gemacht. Er ist schon ein Weilchen da, ein „Lackerl“ schwimmt noch in seinem Masskrug. „Mein erster Eindruck ist, dass er mehr bewegen kann als Seehofer“, sagt er. Geradlinig findet Inninger Söder, „nicht so wankelmütig wie Seehofer am Ende war“. Gegenüber sitzt Rentner Willi Haas, der seit zwei Jahren auch in Greiling wohnt, aber ursprünglich aus Hessen kommt. Auch er sieht beim neuen Ministerpräsident „gewisse Vorteile. Aber das muss sich erst noch zeigen“.

Angetan vom Politiker Markus Söder: Das Tölzer Ehepaar Ute und Joachim Reuter (hinten) sowie Inge Ehrmaier aus Gmund (links) und Monika Marstaller aus Schaftlach.

Ute Reuter hat Söder schon bei seinem Auftritt in der Tölzer eMotion-Base im Herbst – einer von vier im Isarwinkel im letzten halben Jahr – überzeugt: „Er gibt konkrete Antworten, ist dem Volk zugewandt“, meint die Tölzerin. Ihr Mann Joachim Reuter hofft, dass der Franke detaillierte Zukunftspläne für den Freistaat vorlegt. „Keine Worthülsen, das Politikergerede kennen wir ja.“

Auf der Bühne redet Martin Bachhuber als Erster, zehn Minuten nachdem Söder begleitet von Kameras und Defiliermarsch hereinspaziert ist. Bachhuber appelliert an den Landesvater, den Weg für Großprojekte im Landkreis zu bereiten: Über neun Kilometer S-Bahn diskutiere man seit 40 Jahren. Und auch an der Tölzer Nordspange doktere man schon zu lange herum. Dann ruft der CSU-Kreischef, der Söder bereits vor Weihnachten eingeladen hat: „Den ersten offiziellen Auftritt bis zum Reutberg-Fest hinauszuzögern: Das ist eine taktische Meisterleistung.“

Gefallen haben dürfte der Spruch Gastgeber August Maerz, Vorsitzender der Brauerei Reutberg. Nachdem Sachsenkams Bürgermeister Hans Schneil einige Forderungen (Kita-Förderung, mehr Schlüsselzuweisungen) Richtung Söder geschickt hat, setzt Maerz zu einer fast kabarettistischen Rede an. Erst nimmt er einen kräftigen Schluck von seiner Mass, dann vergleicht er CSU-Wahlkampfbroschüren mit Grimm-Märchen, die Geburtshilfe-Situation mit Zentralafrika und kritisiert gnadenlos, was ein Wirt heute alles zu dokumentieren hat – vom Schankbuch über die Toilettenreinigung bis zur „Risikoanalyse für das Aushilfspersonal“.

Politisch konzentriert sich Söder auf die Themen Asyl und Pflege

Jetzt darf Söder endlich – und nutzt die beschwingte Atmosphäre gleich, um Maerz als nächsten Nockherberg-Redner vorzuschlagen. Einige seiner Anekdoten (zum Beispiel die von Gregor Gysi, der bayerisches Starkbier mit Kölsch vergleicht) hat er Ende Februar schon im Tölzer Kino erzählt. Politisch konzentriert er sich auf das Thema Asyl und fordert konsequenteres Abschieben. Muslime, die hier leben, seien natürlich Bestandteil der Gesellschaft. „Aber wer behauptet, dass der Islam in Bayern kulturgeschichtliche Wurzeln hat, der irrt fundamental.“ Der Landeschef kündigt außerdem finanzielle Unterstützung für Menschen an, die Angehörige zu Hause pflegen. „Wir werden ein eigenes bayerisches Pflegegeld auf den Weg bringen.“

In der Mitte des Zelts gründet sich spontan ein kleiner „El Marco“-Fanclub – eine Anspielung auf das Nockherberg-Singspiel. Immer, wenn Söder Luft holt, wedelt die Gruppe mit Servietten, auf denen „El Marco“ steht. Andere sind nicht wegen Söder da – „sondern wegen dem Bier“, antwortet beispielsweise Aileen (17). Die Atmosphäre wechselt im Minutentakt: Zustimmender Applaus hier, skeptische Blicke dort. Auch wenn einige Fans da sind: Wie ein Heilsbringer wird der Franke am Reutberg nicht gefeiert. Der lauteste Buh-Rufer ist Max von Oldershausen, aufgewachsen in München, heute Berliner. Er unterstellt Söder bloßes Kalkül: „Er ist ein guter Bierzelt-Redner, weil er alles stark vereinfacht. Menschen, die rassistische Ressentiments haben, befeuert er noch.“

Am Ende singen fast alle die Bayern-Hymne. Und Söder, umrahmt von den hiesigen CSU-Männern, posiert demonstrativ lange mit der Drei-Liter-Starkbier-Flasche.

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