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Bunter Dorfplatz mit vielen in der Freinacht entwendeten Gegenständen. 

In der Nacht zum Pfingstmontag

Brauchtum oder Ärgernis? „Pfingsthansl“ treiben in Sachsenkam ihr Unwesen

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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Sie nehmen aus Vorgärten und Hofeinfahrten alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist, und verstecken es. Doch der Brauch der Pfingsthansln ist umstritten.

Sachsenkam – Für die einen ist es ein altes Brauchtum, für die anderen ist es alles andere als lustig. Die Rede ist von den „Pfingsthansln“. Diese unbekannten Gesellen sind Jahr für Jahr in der Nacht zum Pfingstmontag am Werk – aber nur in Sachsenkam. In dieser Freinacht, die man andernorts in der Nacht zum 1. Mai pflegt, werden Gegenstände aus den Vorgärten und Hofeinfahrten entwendet und anderswo versteckt.

In Sachsenkam landet alles, was in der besagten Nacht nicht niet- und nagelfest ist, auf dem Dorfplatz: Von Bobbycars und Schubkarren über Fahrräder und Besen sowie einen einen voll behängten Wäscheständer haben die Sachsenkamer am Montag in der Dorfmitte bestaunen können.

„Das hat mit Brauchtum nichts zu tun“, sagt ein Betroffener

„Das hat mit Brauchtum nichts zu tun“, ärgert sich ein geplagter Bürger. Meine Frau hat unseren Gartenschlauch aus dem Baum am Dorfplatz geholt.“ Die „Pfingshansl“ haben zudem sogar Sachen aus der Garage der Familie entwendet, deren Tor nur angelehnt war. Für den mehrfachen Familienvater ist der Beginn der Pfingstferien jedes Jahr „der reine Horror“. Man könne für diese eine Nacht ja nicht alles wegsperren.

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Für den Sachsenkamer Bürgermeister Andreas Rammler sind die Streiche der „Pfingsthansln“ lediglich eine Gaudi, „und das soll auch so bleiben“. Es habe zwar Beschwerden gegeben, aber die Freinacht sei heuer nicht schlimmer gewesen als in den Vorjahren. Wichtig ist Rammler, dass nichts kaputtgeht und keine Schäden angerichtet werden. „Das darf nicht sein.“ 

Das sagt der Bürgermeister von Sachsenkam zum Treiben der Pfingsthansln

Auch mit gefährlichem Unfug mag sich der Bürgermeister nicht anfreunden. „Wenn jemand Gullydeckel aushängt, dann habe ich dafür kein Verständnis.“ Rammler hat die Bauhof-Mitarbeiter angewiesen, die restlichen Sachen aus dem Baum zu holen. Er hoffe, „dass sich die Wogen bald wieder glätten“. Gelassenheit hat sich auch der besagte Sachsenkamer Bürger vorgenommen, denn „je mehr man sich aufregt, umso mehr Spaß haben die Pfingsthansl dann nächstes Jahr. 

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