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Feiert am Samstag sein 50-jähriges Priesterjubiläum: Spiritual Jpsef Heim.

Josef Beheim feiert Goldenes Priesterjubiläum 

Geführt vom Jesukind

In sich ruhend, mit gelassenem Blick aufs Zeitgeschehen, das schon mal mit Mutterwitz und breitem Hessisch kommentiert wird: Das ist Monsignore Josef Beheim. Er feiert am 29. Juli 50-jähriges Priesterjubiläum. Und dass dazu sogar Kardinal Gerhard Ludwig Müller auf den Reutberg kommt, hat seinen Grund.

Sachsenkam/Reutberg – Wie kommt ein Priester aus der Diözese Mainz als Spiritual auf den Reutberg? Interessante Frage. „Ich pflege da immer zu antworten, sagt Beheim verschmitzt, „dass mich das Jesukind hergeführt hat“.

Das ist übrigens buchstäblich so gewesen und eine Geschichte, die man so eigentlich gar nicht erfinden kann. Als langjähriger Pfarrherr von St. Ludwig in Darmstadt, musste der heute 74-Jährige erleben, dass eine Wachsfigur aus einer Krippe gestohlen wurde. Das Jesukind war von einer dankbaren Jüdin fürs Verstecken in der Kirche vor 1945 gemacht worden und 85 Zentimeter groß. So etwas gibt es nicht von der Stange zu kaufen. Beheim kontaktierte also viele Klöster, die auf Wachskunst spezialisiert waren. Fündig wurde er erst am Reutberg, wo ihm Sr. Ancilla in Verwunderung über die bösen Menschen, die es gibt, beschieden habe: „Da müssen wir helfen.“ Ein neues Jesukind entstand, der Kontakt war geknüpft. Beheim machte zweimal Exerzitien in Reutberg. Und als er 2008 in den Ruhestand ging, fand er sich als Seelsorger der Schwestern im Kloster Reutberg wieder. „Da ist ja die treulose Tomate“, frotzelte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, als er den Neubayern und Reutberger Spiritual bei einem Besuch in München wiedertraf.

Apropos: Was ist ein Spiritual eigentlich? Bei seinen regelmäßigen Führungen in der Kirche erklärt Beheim das so: „Einer der versucht, heiligmäßige Schwestern noch heiliger zu machen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht so, wie bei uns allen.“

Jedenfalls fühlt er sich wohl in seiner Wohnung über dem Kirchsee. Und genießt im Ruhestand das Vergnügen, endlich die Klassiker wie Thomas Mann und Goethe „mit Verstand“ und Muße lesen zu können. In dem beim ersten Spaziergang in Tölz nur von ferne bestaunten Mann-Haus ist Beheim jetzt regelmäßig zu Gast. Er liest die Sonntagsmesse für die Schulschwestern, denen die Mann-Villa gehört. „Was für eine Vorstellung, dass der Thomas Mann in diesem kleinen Nebenraum hinten hinaus gearbeitet hat“.

Und warum kommt nun der mächtige ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ausgerechnet ins beschauliche Reutberg, um als Festprediger und Hauptzelebrant bei Beheims Priesterjubiläum zu fungieren? Beide sind sozusagen Landsmänner und kennen sich seit über 50 Jahren und ersten Kaplanstationen. Auch wenn die Kontakte später loser wurden, „hat die Verbindung gehalten“, erzählt Beheim. Als er mit einer Besuchsgruppe in Rom gewesen sei, habe er ganz spontan auch die Titelkirche Müllers besucht. „Und wer steht da mit Mitra und Stab, der Gerhard Ludwig“, staunt Beheim noch heute. Müller habe ihn auch gleich gesehen, sei auf ihn zugegangen. „Es war sofort wieder wie früher.“ Er habe gefragt und Müller zugesagt, zum Priesterjubiläum zu kommen. Der Monsignore aus Bayern liegt mit seinen Anschauungen übrigens durchaus nicht immer auf der Linie des römischen Kurienkardinals. „Es wird jedenfalls nicht langweilig, wenn wir zusammen sind“, umschreibt er das vornehm-zurückhaltend.

Was bringt die Zukunft für ihn persönlich und die Kirche? Zum Dank für die vergangenen 50 Jahre kommt die Bitte, „noch ein paar Jahre auf dieser Welt herumtappen zu dürfen“. Und er bekennt, dass es ihn mit zunehmendem Alter mehr und mehr zu den Wurzeln der hessischen Heimat zurückzieht.

Was den Zustand der Kirche und ihre Zukunft betrifft, ist Josef Beheim ganz realistisch, aber nicht ohne Zuversicht. Natürlich werde sie kleiner werden. Er glaube aber, dass es deshalb künftig wieder mehr ums Wesentliche gehen werde, „um den Kern der Geschichte“.

Von Christoph Schnitzer

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