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Die Zukunft des Klosters Reutberg beschreibt die Erzdiözese auf einer eigenen Homepage.

Erzbistum korrigiert Öffentlichkeitsarbeit

„Reutberg-retten.de“: Warum das Ordinariat diese Homepage extra einrichtet

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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Das Ordinariat hat Wort gehalten. Seit Mittwoch gibt es eine eigene Internetseite, auf der sich die Erzdiözese ausschließlich mit dem Reutberg befasst. Die Adresse lautet: www.reutberg-retten.de.

Sachsenkam/München – „Wir wollen die Anliegen der Menschen aufgreifen“, hatte Peter Beer vor einer Woche angekündigt. Der Generalvikar machte im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass die Diözese die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Reutberg verstärken werde. Jetzt informiert die Kirche umfassend über die Zukunft des Klosters auf dem Reutberg.

„Klöster sind für die Gläubigen unverzichtbar“, erklärt der Generalvikar in einer dazu gestern veröffentlichten Pressemitteilung. „Historisch gesehen sind sie die Keimzelle des Glaubens in unserer Region, aus seelsorgerischer Sicht sind sie wichtige Stützen der Pastoral, in kultureller Hinsicht sind sie prägende Kräfte für das bayerische Oberland, sie sind Kraftorte des Gebets und des Gottesdienstes,“ so Beer wörtlich.

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In einem Interview auf der neuen Homepage nimmt Beer nicht nur allgemein Stellung zur aktuellen Situation der Klöster, sondern äußert sich auch konkret zur Zukunft des Reutberger Ordens, über dessen Auflösung demnächst in Rom entschieden wird. Der Generalvikar zeigt Verständnis dafür, dass viele Menschen mit Trauer und Entsetzen auf die Auflösung eines Konvents reagierten. „Es geht um Heimat. Es geht um Geborgenheit, Identität, Zusammengehörigkeitsgefühl, Tradition und die eigene Lebensgeschichte.“ Auch wenn laut Beer nüchtern gesehen das Ende eines Konvents – also der Gemeinschaft von Ordensleuten vor Ort – nicht automatisch das Ende des kirchlichen Lebens vor Ort bedeuten müsse, „so ist doch gut nachvollziehbar, dass große Trauer, Verunsicherung, Wut und Enttäuschung entstehen“. Die Schließung eines Konventes sollte immer erst die „allerletzte Option“ sein. Doch Beer stellt klar: „Wenn keine oder zu wenige Ordenschristen da sind, kann es auch keine funktionierende Ordensgemeinschaft geben.“

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In einem weiteren Interview auf der neuen Homepage spricht Schwester Agnesita Dobler Klartext. Die Franziskanerin ist Generalsekretärin der Deutschen Ordensobernkonferenz. Sie rät Orden, sich von „unrealistischen Hoffnungen frei zu machen“ und nach Möglichkeiten zu suchen, den Gründungsauftrag ihrer jeweiligen Gemeinschaft weiterzutragen. In einigen Fällen sei es unumgänglich, Niederlassungen zu schließen. Ihre Aussage zum Reutberg: „Nach den Informationen, die mir vorliegen, halte ich es für unmöglich, den bestehenden Konvent weiterzuführen.“ Man müsse „die Realität nüchtern zur Kenntnis nehmen“.

Das Kloster Reutberg soll – wie bereits berichtet – nach den Plänen des Ordinariats zu einem Pastoralen Zentrum entwickelt werden. Dazu sollen zwei oder drei Patres der Familienmissionare in das Kloster ziehen, um in der Region die Seelsorge mitzugestalten. Es sollen Räume für Veranstaltungen von Pfarreien und kirchlichen Verbänden entstehen. Denkbar seien Angebote in den Bereichen Familienseelsorge, Nachhaltigkeit, Tourismusseelsorge oder Ökumene. Ein weiterer Vorschlag: Pfarrverbände aus der Region könnten ihre Verwaltung auf dem Reutberg ansiedeln. Auch kulturelle Angebote habe man im Blick. Das Ordinariat stellt dazu seinen aktuellen Konzeptentwurf für das Pastorale Zentrum in voller Länge ins Netz.

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Der Menüpunkt „Häufig gestellte Fragen“ geht unter anderem auf die Zukunft von Monsignore Josef Beheim ein. Das Erzbistum hat demnach mit ihm vereinbart, dass er „in Absprache mit dem Ortspfarrer bis auf Weiteres am Reutberg seine bewährte pastorale Arbeit fortsetzen und Gottesdienste halten wird“. Nach Informationen unserer Zeitung wird Beheim nicht nach Bad Tölz umziehen.

Die Internetseite wartet noch mit einem speziellen Angebot auf: Die Gläubigen können sich per E-Mail an die im Ordinariat für den Reutberg zuständigen Verantwortlichen wenden, nämlich an Ordinariatsdirektorin Gabriele Rüttiger und Prälat Lorenz Kastenhofer.

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