Der Initiator der Ice-Buki-Challenge Alexander Ens posiert im Kirchsee. 
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Der Initiator der Ice-Buki-Challenge Alexander Ens posiert im Kirchsee. 

Soziale Aktion

Sachsenkam: Eisbaden für rumänisches Hilfsprojekt

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Um armen rumänischen Familien Brennholz für den Winter zu finanzieren, scheut Alexander Ens keine Strapazen – nicht mal ein Bad im eiskalten Kirchsee. Mit seiner „Ice-Buki-Challenge“ will der 30-Jährige auf ein Hilfsprojekt aufmerksam machen, das kein Budget für Spendenaktionen hat.

Sachsenkam – Eisbaden liegt im Trend und ist gesund. Zumindest wenn man Experten glaubt. Einer von ihnen ist der Physiotherapeut und Biologie-Student Alexander Ens. Er badet schon seit vielen Wintern in eiskaltem Wasser. Normalerweise in der Regentonne hinter seinem Haus oder in der Isar. Bei einem Ausflug nach Bad Tölz hat der 30-Jährige aus dem Landkreis München den Kirchsee entdeckt – und beschlossen, das erquickende Erlebnis mit Wohltätigkeit zu verbinden. „Ursprünglich wollte ich nur meine Familie fürs Eisbaden motivieren. Und ein guter Zweck kann eine starke Motivation sein.“

Eiskalter Spaß für wärmendes Brennholz

Der gute Zweck war schnell gefunden: „Meine Ex-Freundin hat als Praktikantin im Buki-Haus in Rumänien gearbeitet und mir davon erzählt.“ Das sogenannte Buki-Haus ist eine Kindertagesstätte in dem rumänischen Dorf Cidreag. Seit zehn Jahren betreuen Sozialarbeiter dort 45 Roma-Kinder, deren Familien in bitterer Armut leben. Sie bringen die Kinder zur Schule, sorgen für Frühstück und Mittagessen, helfen bei den Hausaufgaben. „Außerdem schaffen wir im Buki-Haus ein soziales Umfeld, in dem westliche Normen vermittelt werden“, erklärt der Vorsitzende des Trägervereins, Stefan Zell. Denn die Kinder stammen aus Familien, die den Anschluss an die Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg verloren haben. „Sie kennen zum Beispiel keine Zeit. Wenn jemand nicht weiß, was eine Uhr ist, kann er seine Kinder nicht pünktlich zur Schule bringen.“ Um das Buki-Haus zu heizen, bedarf es Brennholz – und zwar einer Menge. 1400 Euro kostet das jährlich, hinzu kommen die Kosten für das Holz, mit dem die Projektverantwortlichen bedürftige Familien unterstützen.

Soziale Aktion für Kindertagesstätte in Rumänien

Ens will mit der „Ice-Buki-Challenge“ auf die Einrichtung aufmerksam machen, die kaum einer kennt. Schließlich steht dahinter kein einflussreiches Sozialunternehmen, das sich Spendenkampagnen leisten kann. Zwei Privatleute aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau haben das Haus 2008 eröffnet, nachdem sie auf einer Rumänien-Reise mit der Not der Roma-Familien konfrontiert worden waren. Der Name leitet sich von Kinderhilfe Bulgarien ab – einem früheren Projekt der beiden.

Bad im eiskalten See nicht zwingend nötig - kalte Dusche reicht

Wer die Challenge annimmt, muss sich zunächst der Kälte stellen: „Das muss nicht unbedingt Eisbaden sein“, sagt Ens, „man kann auch im Schnee baden, kalt duschen, eine Schneeballschlacht machen oder den Finger in ein Glas Eiswasser stecken. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“ Davon machen die Teilnehmer dann ein kurzes Video oder Foto – und nominieren ihre Freunde, indem sie das Foto oder Video sowie die Challenge auf Facebook, Instagram oder anderen sozialen Medien teilen. Im Anschluss spenden sie für das Buki-Haus. Wie viel, entscheidet jeder selbst. Die Aktion läuft seit 29. Januar – mit Erfolg: „Seither sind jeden Tag Spenden auf dem Vereinskonto eingegangen“, sagt Ens.

Roma-Kinder vor dem Buki-Haus: Für diese Kindertagesstätte im rumänischen Cidreag spenden die Challenge-Teilnehmer.

Positiver Nebeneffekt: Wer mitmacht, stärkt sein Immunsystem. „Schon Kneipp hat Eisbaden propagiert“, sagt Physiotherapeut Ens. Es rege das Herz-Kreislauf-System an und aktiviere hormonelle Prozesse. Laut Studien könne Eisbaden sogar das Leben verlängern. Vor allem aber habe man einfach Spaß dabei: „Es fühlt sich an, als ziehe sich die Wärme in den Körperkern rein. Das ist ein spannendes Gefühl“, sagt Ens.

Mitmachen stärkt das Immunsystem

Drei Grad kalt war das Wasser des Kirchsees, als Ens und seine Cousine Katharina (28) kürzlich langsam hineinstiegen. „Sobald man drin ist, spürt man die Kälte nicht mehr. Man kann sich sogar entspannen“, erzählt Ens. Hinterher habe er sich vollkommen klar, wach und energiegeladen gefühlt. „Stellt man sich der Kälte, kommt man ganz zu sich. Nicht nur das Blut fließt in die Körpermitte, auch der Geist kommt in die Mitte.“

Ein Bad im kalten Kirchsee nimmt Katharina Ens (28). Sie musste dafür kein Loch ins Eis hacken (das wäre verboten), der Bereich um den Steg war zum Zeitpunkt des Bads nicht zugefroren.

Sachsenkams Bürgermeister Andreas Rammler findet die Aktion gut – so lange dabei keine Gefahrenstellen geschaffen werden. Wie berichtet hat die Gemeinde das Aufhacken der Eisfläche verboten, nachdem ein Kind nahe dem Steg eingebrochen war. „Das Problem ist nicht das Eisbaden an sich, sondern die Löcher. Sie frieren über Nacht zu, haben aber längst nicht die Dicke, die die umliegende Eisfläche hat. Die Löcher sind schwer zu erkennen, vor allem, wenn Schnee darauf liegt.“ Am Freitag trifft sich Rammler mit Eisbadern am Kirchsee, um eine Stelle zu finden, an der Löcher in die Eisdecke gehackt werden können, ohne Eisläufer und andere zu gefährden. Ens und seine Cousine haben für ihr Bad ohnehin kein Loch in die Decke gehackt – rund um den Steg war das Wasser nicht gefroren. Auch das Verbotsschild, das die Gemeinde angebracht hatte, war nicht da: „Irgendjemand hat es abmontiert“, sagt Rammler.

Infos zur Challenge unter www.buki-hilfe.de

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