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Am Reutberg geht es um die Zukunft der Landwirtschaft. 

Landwirtschaftsmeisterin gekündigt

Kloster Reutberg beschäftigt Arbeitsgericht

In die juristische Auseinandersetzung um die Kündigung der Landwirtschaftsmeisterin am Kloster Reutberg in Sachsenkam scheint Bewegung zu kommen. 

Sachsenkam/Holzkirchen Die vom Vatikan eingesetzte Apostolische Kommissarin, Schwester Benedicta Tschugg, hält die klösterliche Landwirtschaft offenbar für unrentabel und will sie wohl verändern. Im Zuge der geplanten Umorganisation kündigte die Oberin auch gleich der Landwirtschaftsmeisterin, die bis vor einigen Jahren zum Reutberger Ordenskonvent gehört hatte und sich schon seinerzeit als Nonne um die dortige Agrarwirtschaft gekümmert hatte. Auch ihr Mann, der seiner Frau mittlerweile nebenberuflich bei deren Aufgaben hilft, soll gehen. 

Dagegen klagen die Eheleute vor dem Arbeitsgericht. Zu Beginn des Gütetermins in der Holzkirchner Agentur für Arbeit wollte der Vorsitzende Richter erst einmal wissen, was er sich unter einer Apostolischen Kommissarin vorzustellen habe. Der Anwalt von Schwester Benedicta erklärte, dass die Ordensfrau als eine Art Geschäftsführerin für das Kloster agiere. Und in dieser Funktion habe sie die Kündigung ohne Weiteres aussprechen dürfen.

Ehemalige Nonne wurde nach Ordensaustritt am Kloster Reutberg weiterbeschäftigt

Dem Richter war indessen der Hinweis wichtig, dass die Landwirtschaftsmeisterin nach ihrem Ordensaustritt ohne jegliche Einkünfte dagestanden habe, obwohl sie dem Kloster seit ihrem Eintritt als nur 16-Jährige über Jahrzehnte treue Dienste geleistet habe. Dem hielt die Oberin entgegen, dass sich die Frau noch als Nonne zur Landwirtschaftsmeisterin habe ausbilden lassen dürfen. Zudem habe sie nicht unerheblichen Unterhalt vom Kloster bezogen und es sei ihr eine Dienstwohnung gestellt worden. Im Übrigen sei es „üblich, dass man bei Austritt keine Ansprüche an das Kloster stellen darf“. Zu dem Zeitpunkt hatte die Landwirtschaftsmeisterin bereits erkannt, dass ein weiteres Leben in der Abgeschiedenheit eines Klosters für sie nicht in Frage kam. Inzwischen ist sie verheiratet. Beim Gütetermin ließ sich das Ehepaar von seinem Anwalt vertreten.

Kloster Reutberg: Gekündigte Landwirtschafstmeisterin zieht vor Gericht

Schwester Benedicta brachte im Verlauf der Verhandlung das Erzbischöfliche Ordinariat ins Spiel. Für das Münchner Erzbistum sei das Arbeitsangebot an die Landwirtschaftsmeisterin „hochinteressant“ gewesen, führte sie aus. Schließlich sei auf diese Art und Weise eine Ordensangehörige aus dem Konvent herauszulösen gewesen. Bekanntlich wollte das Erzbistum das Kloster übernehmen und dort ein Seelsorgezentrum errichten, bis der Vatikan vor knapp einem Jahr überraschend entschied, dass das Kloster nicht aufgelöst wird. Der Anwalt der Landwirtschaftsmeisterin hielt von der Argumentation Schwester Benedictas freilich wenig: „Wir haben einen Arbeitsvertrag, der gerade einmal ein Jahr alt ist, und dann kündigt man ihn“, kritisierte er die Gegenseite.

Gegen Ende des Gütetermins berichtete die Oberin zum Erstaunen selbst vom Anwalt der Gegenseite, dass es im Ordinariat bereits Gespräche über eine Weiterbeschäftigung der gekündigten Landwirtschaftsmeisterin durch das Erzbistum gebe. „In diese Richtung könnte die Frau doch gehen“, meinte Schwester Benedicta.

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Der Vorsitzende Richter hatte zuvor zu bedenken gegeben, dass das mit dem Orden bestehende Arbeitsverhältnis selbst bei einer gerichtlichen Bestätigung für beide Seiten belastend und nicht zukunftsfähig sei. Er regte schließlich ein sogenanntes Güterichterverfahren unter Einbeziehung des Ordinariats mit dem Ziel an, für die Landwirtschaftsmeisterin eine adäquate Weiterbeschäftigung zu finden. Ihr Anwalt signalisierte daraufhin, dass er sich eine derartige Lösung für seine Mandantin durchaus vorstellen könne.

Im zu Ende gehenden Jahr fällt jedoch keine Entscheidung mehr. Beide Prozessparteien haben erst einmal Zeit bekommen, in Schriftsätzen dem Arbeitsgericht ihre Positionen noch einmal ausführlich darzustellen. Zu Weihnachten dürfte auf dem Reutberg also noch kein Friede herrschen.

Paul Winterer

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