Amtsgericht Wolfratshausen.
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Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen musste sich ein junger Mann wegen eines Unfalls mit einem Radfahrer verantworten.

Einspruch gegen Strafbefehl

Unfallverursacher zahlt 2100 Euro an verletzten Radler - „Ich habe ihn einfach nicht gesehen“

  • VonRudi Stallein
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Gegen den Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung hat ein 24-Jähriger zwar Einspruch eingelegt. Bezahlt hat er dann aber doch freiwillig.

Sachsenkam/Wolfratshausen – Das Unglück geschah am 18. Februar um kurz nach 6 Uhr in Sachsenkam: Bei der Auffahrt zur Bundesstraße 13 kollidierte ein Audi-Fahrer (24) mit einem entgegenkommenden Radfahrer. Der Mann brach sich das Facettengelenk am siebten Halswirbel. Eine Platzwunde am Schädel musste mit 21 Stichen genäht werden. Zudem zog sich der Sachsenkamer (54) einen Sehnenanriss am linken Daumen sowie diverse Prellungen zu.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der Autofahrer mittels Strafbefehls zu einer Geldstrafe von insgesamt 2100 Euro verurteilt worden. Dagegen legte er Einspruch ein, weshalb die Beteiligten nun vor Gericht zusammenkamen. Die Straße sei in dem Abschnitt schlecht einsehbar gewesen, erklärte der Angeklagte, der an jenem Morgen von der Arbeit kam und auf dem Heimweg nach Lenggries war. „Ich habe ihn einfach nicht gesehen – dann hab’ ich ihn erwischt“, räumte er sein Verschulden ein.

Sachsenkamer (54) litt lange unter den Folgen des Verkehrsunfalls

Im Widerspruch zur Aussage des Beschuldigten, behauptete der Geschädigte, an jenem Morgen reflektierende Kleidung getragen zu haben. „Ich habe ihn kommen gesehen, er muss mich auch gesehen haben.“ Die Halswirbelverletzung hatte insgesamt sieben Wochen Reha nach sich gezogen. Bis heute gehe er zur Ergotherapie und sei zudem in psychotherapeutischer Behandlung. „Es hat sich gebessert, aber es ist noch nicht wieder hergestellt.“ Trotz der erheblichen Folgen hatte er gegen den 24-Jährigen keinen Strafantrag gestellt. „Das ist löblich“, betonte der Richter. „Er hat es ja nicht absichtlich gemacht. Er hat sich entschuldigt, das habe ich angenommen“, sagte der Zeuge. „Ich wollte nur, dass das sauber abgewickelt wird.“ Das zieht sich jedoch nach seinen Angaben. Die Versicherung habe bis dato lediglich 3000 Euro Vorschuss auf die Behandlungskosten gezahlt.

Verteidiger Arnulf Kowalski, der mit dem Ziel in die Verhandlung gegangen war, eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung einer Geldauflage zu erwirken, packte die Gelegenheit beim Schopf. Er regte an, dass sein Mandant den im Strafbefehl festgesetzten Betrag von 2100 Euro als Beitrag zur Schadenswiedergutmachung an den Geschädigten zahlen solle. Die Staatsanwältin ging den Weg mit. Richter Helmut Berger stellte daraufhin das Verfahren vorläufig ein. Endgültig vom Tisch ist es für den Angeklagten, wenn das Unfallopfer dem Gericht den Zahlungseingang bestätigt.

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