Drei Männer auf einem Bildschirm mit dem Symbol Die Grünen
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Moderiert von Matthias Thumfart (rechts unten) und Maria Demmel (nicht im Bild), standen die Ärzte Thomas Maurer (links oben, Allgemeinmediziner aus Bad Tölz) und Dr. Michael Dommasch (links unten, Leiter der Notaufnahme am Klinikum rechts der Isar in München), den Zuhörern Rede und Antwort. screenshot: p. Staar

Online-Veranstaltung der Sachsenkamer Grünen mit zwei Ärzten

Fragen über Fragen zum Thema Impfen

Das Thema Impfen gegen Corona bewegt die Menschen. Fast 140 Interessenten haben sich bei einer Online-Veranstaltung der Sachsenkamer Grünen beteiligt und den eingeladenen Experten Fragen gestellt.

Sachsenkam – Einen schlechten Ruf hat der Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Zu Unrecht, wie Thomas Maurer findet: „Von der Wirkung her müsste sich der Impfstoff eigentlich nicht verstecken“, sagte der Allgemeinmediziner aus Bad Tölz in einer Online-Infoveranstaltung der Sachsenkamer Grünen. „Das Problem des Impfstoffs war nur die seltsame Kommunikation und der seltsame Studienaufbau.“ Dr. Michael Dommasch, Leiter der Notaufnahme am Klinikum rechts der Isar in München, und Maurer referierten eine Dreiviertelstunde lang über die Corona-Impfstoffe und wurden anschließend von den 136 Zuhörern mit Fragen bombardiert. Die wichtigsten Fragen und Aussagen:

Warum war der Studienaufbau zu AstraZeneca seltsam?

Thomas Maurer: Normalerweise wird eine Gruppe von Geimpften mit einer „Placebo“-Gruppe verglichen. Bei der Studie zu AstraZeneca wurden Corona-Geimpfte mit Meningokokken-Geimpften verglichen. Mir ist nicht klar, warum das so gemacht wurde. Die Studienergebnisse sind daher nicht so leicht ablesbar wie bei anderen Corona-Impfstoffen.

Wie ist die Wirksamkeit von AstraZeneca?

Maurer: Die Wirksamkeit ist sehr, sehr gut. In England wird aus allen Rohren mit dem Impfstoff von AstraZeneca gefeuert. Seither sind die Krankenhaus-Einweisungen und Todeszahlen rasant gesunken.

Wie viele Wochen sollten Erst- und Zweitimpfung liegen?

Maurer: Studien zeigen, dass die Wirksamkeit von AstraZeneca am größten ist, wenn nach zwölf Wochen nachgeimpft wird.

Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?

Maurer: 71 Prozent der Geimpften zeigen lokale Reaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Juckreiz. Schwerwiegende Nebenwirkungen gibt es sehr selten. Bisher sind zwei Fälle von Rückenmarkentzündung bekannt. Man muss prüfen, ob es einen Zusammenhang mit der Impfung gibt. Es gab auch sehr selten Fälle einer vorübergehenden Gesichtslähmung.
Dr. Michael Dommasch: Ich hatte nach der zweiten Corona-Impfung Kopfschmerzen. Das war nicht angenehm, aber schnell vorbei. Auch ich will eine Lanze für den AstraZeneca-Impfstoff brechen. Inzwischen wurden über fünf Millionen Geimpfte beobachtet. Es hat sich gezeigt, dass er gleich gut oder teilweise sogar besser als der Impfstoff von Biontech/Pfizer wirkt, wenn es um Krankenhaus-Aufenthalte und schwere Corona-Verläufe geht.

Was sind typische Impfreaktionen bei Biontech/Pfizer?

Dommasch: 80 Prozent der Geimpften spüren einen Schmerzen an der Einstichstelle, 60 Prozent klagen über Müdigkeit, 50 Prozent haben Kopfschmerzen, 30 Prozent Gliederschmerzen. Hinzu kommen 30 Prozent Frösteln, 20 Prozent Gelenkschmerzen und bei zehn Prozent der Geimpften Fieber. Diese Beschwerden nach einer Impfung sind keine schweren Nebenwirkungen, sondern ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem anfängt zu arbeiten. Die Reaktionen sind meist nach 24 Stunden verschwunden.

Sollt man sich impfen lassen, wenn man Corona schon hatte?

Dommasch: Man geht davon aus, dass es nach der überstandenen Erkrankung einen gewissen Schutz vor einer Re-Infektion gibt.
Maurer: Die Ständige Impfkommission empfiehlt, sich ein halbes Jahr nach der Erkrankung impfen zulassen. Ich gehe aber davon aus, dass der Schutz etwas länger als ein halbes Jahr anhält.

Was tun, wenn Senioren Angst vor der Impfung haben?

Dommasch: Man hat gesehen, dass gerade ältere Menschen weit weniger Nebenwirkungen zeigen als 20- bis 30-Jährige. Die Älteren sitzen die Impfungen meist auf einer Arschbacke ab.

Warum reagieren Jüngere stärker auf Impfungen als Ältere?

Dommasch: Möglicherweise liegt es an der Zellteilungs-Rate, die bei jüngeren Menschen etwas höher ist.

Schützt eine Impfung vor den Mutationen?

Dommasch: Bei der britischen Variante gibt es gute Impfergebnisse, bei der südafrikanischen Variante ist die Hoffnung nicht ganz so groß.
Maurer: Gott sei Dank ist die südafrikanische Variante bei uns nicht so stark verbreitet. Bis jetzt haben sie nur ein Prozent der Infizierten.

Hat eine Impfung Auswirkungen auf die Fortpflanzung?

Dommasch: Schwierige Frage. Von einer Impfung wird abgeraten, wenn man innerhalb der nächsten Wochen eine Familienplanung angeht. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Datenlage dazu ist noch etwas schwammig. Die Impfstoffe werden aber nicht in den Zellkern eingebaut, daher sollte man meiner Meinung nach keine Bedenken haben.
Maurer: Ein junger Mensch hat von seinem Immunsystem her ein viel größeres Potenzial und größere Chancen auf einen milden Verlauf. Es gibt aber auch einen gesellschaftlichen Aspekt.

Ein junger Mensch sollte nicht als Überträger fungieren, wenn er Kontakt zu älteren Menschen hat oder zu Menschen mit Vorerkrankungen hat. Es ist die Frage: Stelle ich individuelle oder gesellschaftliche Aspekte in den Vordergrund?
Dommasch: Ich kenne etliche junge Mitarbeiter, bei denen die Covid-Erkrankung schwer verlaufen ist. Solche heftige Beschwerden will niemand haben. Wenn die jungen Menschen mit dem Impfen dran sind, gibt es schon mehr Studienergebnisse.

Ist bei Diabetes Typ 1 eine Impfung zu empfehlen?

Dommasch: Ja, ganz klar.

Welcher Impfstoff ist für Neurodermitiker zu empfehlen?

Maurer: Es gibt dazu keine genauen Informationen. Der AstraZeneca-Impfstoff ohne das Allergen Polyethylenglykol ist vielleicht eher zu empfehlen.

Was sagen Sie zu Theorien über Verschwörungen?

Maurer: Studien zu Impfstoffen wurden noch nie so genau angeschaut wie derzeit. Diese Transparenz muss erhalten bleiben. Es geht nur über Information und Kommunikation.

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