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Uhrenumstellung an diesem Wochenende

Zeitforscher sagt: „Heute gilt es als verdächtig, Zeit zu haben“

Immer schneller, höher, weiter – und trotzdem bleibt das Gefühl, nie Zeit zu haben? Warum sich das so anfühlt, damit beschäftigen sich Zeitforscher. Frank Michael Orthey aus Sachsenkam ist einer von ihnen.

Sachsenkam Die „Uhrenumstellung“ in der Nacht zum Sonntag sei ein guter Anlass, „den eigenen Umgang mit der Zeit zu betrachten“, sagt er. Orthey beschäftigt sich bereits seit den 80er-Jahren auf verschiedenen Ebenen mit Takt und Zeit: „Im Studium, in der Wissenschaft – und in der Kirchenmusik.“ Gerade hat der 56-Jährige das Buch „Zeitumstellung – Für einen guten Umgang mit der Zeit“ veröffentlicht.

-Herr Orthey, worum geht es in Ihrem Buch?

Frank Michael Orthey:  Im ersten Teil geht es um Wissenswertes zur Zeit, also darum, was Zeit überhaupt ist und wie sie sich kulturgeschichtlich entwickelt hat. Der zweite Teil handelt von verschiedenen Zeitformen, Zeitqualitäten und Wiederholungen. Im dritten Teil wird es dann persönlich: Wie verwende ich meine Zeit? Was sind meine Bedürfnisse? Der Schluss dreht sich um unsere Endlichkeit. Was, wenn es vorbei ist mit der Zeit?

Frank Orthey, Zeitforscher aus Sachsenkam

-Welche Probleme haben die Menschen im Umgang mit der Zeit?

Frank Michael Orthey:  Im Mittelpunkt der häufig angesprochenen Probleme stehen die Knappheitsannahme, die Vielfalt an Möglichkeiten und die Vergleichzeitigung. Die Knappheitsannahme steht aber nicht für einen Mangel an Zeit, sondern über sie wird auch eine Zugehörigkeit geregelt. Denn wer keine Zeit hat, ist wichtig, damit kann man sagen: Ich bin dabei, bei den Wichtigen. Heute gilt es eher als verdächtig, Zeit zu haben.

-Was ist Ihr Geheimtipp beim Umgang mit der Zeit?

Frank Michael Orthey: Schauen Sie bei sich selbst genau hin. Überprüfen Sie, ob ihr Umgang mit der Zeit für Sie noch passend ist. Die Uhrenumstellung ist dafür genau der richtige Anlass. Schalten Sie für bestimmte Zeiten alle elektronischen Geräte aus. Und machen Sie ganz bewusst Pausen. Keine Pausen zu machen, erhöht den Stress, es ist fast fahrlässig. Bauen Sie für sich zeitliche Biotope ein, nehmen Sie sich Zeit für sich selbst. Einen Zeit-Vertrag mit sich zu schließen, erhöht dabei die Verbindlichkeit. Und suchen Sie sich einen Supervisor, beispielsweise einen Freund, der auch darauf achtet, dass Sie den Vertrag mit sich selbst einhalten.

-Sind Sie Profi im Umgang mit der Zeit?

Frank Michael Orthey: Es geht immer darum, wie eine Person tickt. Ich selbst kann beispielsweise mit Planung wenig anfangen, wenn ich mir eine Liste schreibe – und das mache ich jeden Tag – falle ich oft schon nach dem ersten Punkt aus meinem Plan. Für andere Menschen funktionieren die Listen. Ich hingegen bin eher kreativ und spontan. Aber dafür kenne ich mich: Ich weiß, ich kann morgens beispielsweise gut Texte schreiben. Danach brauche ich eine Pause und es ist eine gute Zeit für etwas anderes, wie beispielsweise Routinearbeiten.

-Viele Menschen haben das Gefühl, die Zeit rinnt ihnen durch die Hände. Wie gehen Sie damit um?

Frank Michael Orthey: Zeit ist etwas Abstraktes. Sie bekommt ihre Qualität erst durch unser Erleben. Wenn Sie im Urlaub in Norwegen sind, haben Sie ein anderes Zeit-Erleben als tagtäglich am Schreibtisch. Dort gibt es ständig etwas Neues zu tun, Störungen, Unterbrechungen und Ablenkungen, beispielsweise durch das Handy. Positive Gefühlslagen und Stimmungen vermitteln ein anderes, oft „langsameres“ Zeitgefühl als stressige Termine, Anrufe und Bildschirme.

-Sind Sie für oder gegen die Uhrenumstellung alle sechs Monate?

Frank Michael Orthey: Als Zeitforscher finde ich es charmant, die Umstellung als Anlass zu nehmen, den eigenen Umgang mit der Zeit zu betrachten. Ursprünglich waren Sommer- und Winterzeit eine Hilfe in den Weltkriegen und in der Ölkrise, um Energie zu sparen. Das ist heute nicht mehr nötig.

Die Fragen stellte Nora Linnerud.

Tipps zum Umgang mit der Zeit:

Das Buch „Zeitumstellung“ von Frank Michael Orthey ist für 24,95 Euro beim Haufe Verlag erhältlich. Leseprobe: www.zeitumstellung.jetzt

Rubriklistenbild: © dpa / Patrick Seeger

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